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Harry und Meghan:Alles nur aus Freiheitsliebe?

Das Prinzenpaar bekommt viel Verständnis für den Schritt in ein bürgerliches Leben. Aber wollen sich beide nur royalen Pflichten entziehen oder spielen frühere Lebensumstände von Harrys Mutter Diana eine Rolle?

"Krone light" vom 18./19. Januar, "Schach der Königin", "Adel verzichtet", 10. Januar:

Bei meinen Friseurbesuchen meide ich bewusst Tratsch und Klatsch über die Königshäuser. Dennoch habe ich aufmerksam die Nachrichten über Meghan und Harry verfolgt. Auch mit 43 Jahren finde ich es sinnvoll, an gewissen Traditionen festzuhalten und diese zu pflegen. Der Leidensweg und Tod von Lady Diana zeigt jedoch, dass Traditionen nicht um jeden Preis aufrechterhalten werden sollten und sich den Zeiten anpassen müssen. Ich finde es daher bemerkenswert, dass der königliche Nachwuchs sich nicht bedingungslos der Monarchie beugt und sein Leben selbst bestimmt. Traditionen können meines Erachtens nur aufrechterhalten werden, wenn sie gelegentlich überdacht werden.

Christian Marenbach, Wenden

Es scheint, dass das Niveau der Zeitung auf das eines Boulevardblattes abgesunken ist. Anders ist nicht erklärbar, dass sie ein aufgrund des Blutes des Ehemanns und der Schauspielgeschichte seiner amerikanischen Ehefrau prominentes Ehepaar im Titelbild der Zeitung auf Seite 1 abbildet und nochmals auf der Seite 2, die sie ganz deren Lebensgestaltung widmet.

Es handelt sich um zwei Personen, die wie viele andere dem Zeitgeist entsprechend ihre Selbstverwirklichung an erste Stelle ihres Wertekanons stellen und die Übernahme von Pflichten zum Dienst an der Allgemeinheit zurückstellen. Das Thema hätte meines Erachtens dann einen für eine seriöse Tageszeitung berichtenswerten Bezug, wenn sie es als Beispiel für den fortschreitenden Egoismus unserer Zeit schildern würden, der für den gesellschaftlichen Zusammenhang gefährlich ist.

Dr. Heiko Barske, Seefeld

Dass vom Rückzug von Harry und Meghan weder die Queen noch sonst jemand vorab etwas wusste, bedeutet: Harry wird erwachsen. Durch das Ausscheiden aus dem Gehirnwäsche-System "Windsor" wird er irgendwann auch erkennen, dass die Verantwortung des Königshauses für das Schicksal seiner Mutter womöglich größer ist, als er es bisher für möglich hielt. Dann kracht's wirklich, und dann sind sie weg, alle Windsors - und England ist endlich im 21. Jahrhundert angekommen. Wie notwendig die Beseitigung aller Adelspositionen und Kennzeichen ist, am besten auch die noch mögliche namentliche Zusatzkennzeichnung bei uns, zeigen die unverschämten Ansprüche der Hohenzollern. Dass bei uns in der Bevölkerung immer noch ein erheblicher Prozentsatz nicht erkannt hat, was der Adel seinen Vorfahren angetan hat, liegt auch an der kontinuierlichen geistig-psychologischen Fütterung dieser alten Strukturen durch die Leitmedien.

Wie viele Millionen Tote hat die Feudalkaste in Europa über die Jahrhunderte zu verantworten? Diese Zahl beläuft sich auf Millionen und rechtfertigt es nicht, die Nachkommen durch Hofberichterstattungen in den Medien oder durch Kitschfilme wie die "Sissi"-Trilogie immer noch zu verklären. Die europäischen Bürgerinnen und Bürger müssen mal "in die Puschen" kommen und die Verantwortung und Macht ganz übernehmen. Ein Blick ins Grundgesetz und die Erklärung der Menschenrechte könnte dabei helfen zu erkennen, dass der Adel weltweit komplett abgeschafft werden muss.

Keiner dieser Menschen ist von Geburt an mehr als jede Frau Huber oder jeder Herr Meier. Nicht "mehr" sein zu müssen, wäre auch für diese Leute selbst eine Befreiung. Harry & Meghan haben das jetzt verstanden. Bravo!

Dagmar Schön, München

© SZ vom 24.01.2020
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