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Groko:Viele Rentner profitieren nicht

Die neue große Koalition würde Rentnern und Familien nützen? SZ-Leser haben daran erhebliche Zweifel. Nach ihren Einschätzungen geht diese Rechnung der ZEW-Ökonomen nicht auf.

"Groko würde Rentnern und Familien nützen" vom 13. Februar:

Sozialer Stillstand

Wenn Cerstin Gammelin und Alexander Hagelüken schreiben, die Groko würde den Rentnern nützen - welchen? Der Masse der bereits in Rente befindlichen Senioren, die als Paar unter 2000 Euro im Monat beziehen, ganz sicher nicht. Da greift keine Steuerentlastung, da fast eh keine Steuer bezahlt wird. Die Festschreibung auf 48 Prozent wirkt sich hauptsächlich für die zukünftigen Rentner aus und bedeutet nur, dass der zusätzliche Verfall der Renten gestoppt wird. Dass bei Rentensteigerungen auch die Sozialabgaben steigen, wird nicht geändert. Dass bei fälligen Direktversicherungen Steuer und Sozialabgaben anfallen, wird nicht geändert. Die hohen Belastungen bei Mieten und Nebenkosten werden nicht geändert.

So profitiert die überwiegende Mehrzahl der Rentner und Rentnerinnen eben nicht von den Vereinbarungen der Groko. Es bleibt der soziale Stillstand.

Bernhard Feilzer, Gilching

Eine Blindnummer

Prima, wieder einmal mehr wird in der SZ allen Rentnern ein Paradies vorgegaukelt.

1. Als betroffener Rentner (kein Pensionär) profitiere ich vom gesamten Paket der Groko lediglich von den nun wieder paritätisch zu zahlenden Krankenkassenbeiträgen 2. Der teilweise Fortfall des Solidaritätsbeitrages betrifft mich wie viele andere Rentner überhaupt nicht, entgegen vielen Pensionen ist meine Rente zu gering. 3. Das dritte Rentenjahr für Frauen, die vor 1992 Kinder erzogen haben, gilt nur für Frauen, die mindestens drei Kinder erzogen haben. 4. Die Stabilisierung des Renteneinkommens auf 48 Prozent des letzten Gehalts bis zum Jahr 2025 ist eine Blindnummer. Bereits jetzt steht fest, dass das Rentenniveau bis 2024 nicht unter die 48 Prozent absinken wird. Das zeigt, dass die heutigen Rentner fast ausschließlich von den wieder paritätischen Krankenkassenbeiträgen profitieren (allerdings erst von 2019 an). Es sei unbestritten, dass künftige Rentner etwas mehr von den Plänen einer großen Koalition profitieren.

Manfred Walter, Unterwössen

Dominanter Fehler

Die Beschlüsse einer vielleicht künftigen großen Koalition zur Rente lenken vom eigentlichen Problem der Rentenversicherung ab. Der dominante Fehler im Rentenkonzept ist die Teilprivatisierung der Rente mit den Betriebsrenten und der privaten Vorsorge. Viele Milliarden Euro Versicherungsbeiträge der jungen Generation werden in die Gebühren der Versicherungsmakler, in die Gewinne der Versicherungskonzerne und in die Infrastruktur dieser Konzerne zur Verwaltung des Rentenkapitals gehen.

Dr. Lothar Sowa, Rohrenfels

Rasche Ernüchterung

Hurra! Da können sich die Rentner aber freuen. Sie sind die großen Gewinner bei einer neuen Groko: 622 Euro mehr im Jahr, vielleicht sogar 1400 Euro bei schlechter Konjunktur. Das haben Forscher des ZEW errechnet. Stehen also üppige Rentenerhöhungen an? Liest man die näheren Erläuterungen im Wirtschaftsteil, so stellt sich schnell Ernüchterung ein. Das üppige Plus von 622 Euro ergibt sich vor allem dadurch, dass das Rentenniveau bis 2025 bei 48 Prozent stabilisiert werden soll. Das heißt also: Der Verzicht auf Rentenkürzungen wird zu einem saftigen Gewinn für die Rentner schöngerechnet. Von den genialen Rechenkünsten der ZEW-Forscher können sparsame Arbeitgeber, die sich über hohe Lohnforderungen der Gewerkschaften ärgern, noch lernen. Sie müssen den Arbeitnehmervertretern nur erklären, ihre hohen Lohnforderungen seien längst abgegolten, da sie ja großzügigerweise auf die eigentlich fälligen Lohnkürzungen verzichtet hätten.

Wilfried Rahe, Mühldorf

Kurieren an Symptomen

Die Ergebnisse des ZEW und des IZA erwecken den Eindruck, dass die Rentenvereinbarung im Koalitionsvertrag positiv zu bewerten sei, weil sie die Renten kurzfristig ein wenig erhöhen. In Wirklichkeit handelt es sich bei den Maßnahmen aber um ein unzureichendes Kurieren an Symptomen einer früheren "Reform", die das Alterssicherungssystem in ein Beitragssicherungssystem verwandelte und damit für die Zukunft ein dramatisches Alterssicherungsproblem verursachte. Der Ökonom und Rentenexperte Winfried Schmähl, langjähriger Vorsitzender des Sozialbeirats der Bundesregierung, fordert deshalb zu Recht den "Ausstieg aus dem Ausstieg aus der lebensstandardsichernden Rente", der zwar notwendig ist, aber im Koalitionsvertrag bedauerlicherweise nicht vereinbart wurde.

Dr. Ernst Niemeier, Wentorf bei Hamburg

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© SZ vom 17.02.2018
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