ProtestRadikal, radikaler, Greta

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Noch eine Ikone oder nur noch eine Reizfigur? Die Aktivistin Greta Thunberg nimmt Ende November am Internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk an einer Kundgebung in Rom teil.
Noch eine Ikone oder nur noch eine Reizfigur? Die Aktivistin Greta Thunberg nimmt Ende November am Internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk an einer Kundgebung in Rom teil. Cecilia Fabiano/LaPresse/AP/dpa

Erst lenkte sie den Blick der Welt auf die Klimakrise, inzwischen kämpft sie ebenso entschlossen für die Palästinenser: Die Wandlung der Aktivistin Greta Thunberg polarisiert – auch die Leserinnen und Leser der SZ.

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„Ist Greta Thunberg radikal?“ vom 22./23. November:

Enorme Verdienste

Greta Thunberg hat sich enorme Verdienste für den Klimaschutz erworben, weil sie weltweit die Aufmerksamkeit auf dieses brennende Thema gelenkt hat. Damit ist es ihr gelungen, viele Menschen zu motivieren, sich aktiv für eine klimaverträglichere Politik einzusetzen. Auch zahlreiche Politiker interessieren sich seitdem deutlich stärker für das Klima. Frau Thunberg hat somit eine Bewegung in Richtung Klimaschutz angestoßen. Ob dieses Ziel erreicht wird, hängt davon ab, welchen Stellenwert die politischen Entscheidungsträger ihm einräumen. Gelingt es, das Ziel zu erreichen, oder nicht? Es geht nun nicht mehr um Frau Thunberg, die das Ziel populär gemacht hat, sondern um das Erreichen des Ziels im Interesse der ganzen Welt.

Auch wenn Greta Thunberg in der Öffentlichkeit zu einem Symbol für den Kampf gegen die drohende Erderwärmung geworden ist, dürfen wir von ihr nicht erwarten, dass sie sich von anderen Themen fernhält, die es ebenfalls verdienen, dass sich politisch aufgeweckte und interessierte Personen dazu positionieren. Und ein solches Thema ist nun mal der Krieg in Gaza. Frau Thunberg ist keine Antisemitin, wenn sie sich gegen die völkerrechtswidrige Politik der israelischen Regierung wendet und an Palästina-Solidaritäts-Demos teilnimmt.

Dr. Hans-Joachim Schemel, München

Gerechtigkeit, auch für Gaza

Deutschlands zögerliche, ja fast unterwürfige Haltung gegenüber der Regierung Israels ist eine späte Nachwirkung des deutschen Holocaust. In einer fairen Partnerschaft auf Augenhöhe darf man, ja muss man Dinge klar benennen können. Schweden, Frankreich, Spanien und viele andere Länder sind diesbezüglich nicht vorbelastet und können sich klarer artikulieren. Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gazastreifen müssen als solche bezeichnet werden, egal, von wem sie begangen werden. An einer Zwei-Staaten-Lösung führt kein Weg vorbei.

Nichts anderes bringt Greta Thunberg zum Ausdruck, wenn sie sich für Palästina einsetzt. Ihr persönlich deswegen Antisemitismus und Radikalität zu unterstellen, ist fadenscheinig und hysterisch, ja eigentlich böswillig. Sie ist einfach nur konsequent und hat ebenso wie beim Klimawandel ein gutes Gespür für Fairness und Gerechtigkeit. Sie obendrein mit Sexismus zu beleidigen, zeigt einfach nur, wie recht sie hat.

Deutsche Regierungspolitik und öffentliche Meinung müssen versuchen, sich in dieser Hinsicht wieder ein Stückchen mehr aus dem Würgegriff des Holocaust-Traumas zu lösen. Alles andere wäre ein anhaltender Sieg Hitlers, der Deutschland weiterhin lähmt.

Christian Delanoff, München

Antisemitismus-Vorwurf

Ja, Greta Thunberg ist radikal. Und das ist gut so, denn radikal bedeutet, ein Übel von der Wurzel her zu sehen und zu bekämpfen und nicht an Symptomen herumzudoktern. Und das Übel ist die seit Jahrzehnten und besonders seit 2023 völkerrechtswidrige und arrogante Politik Israels gegenüber den Palästinensern. Wer den Fehler macht und Israel mit dem Judentum gleichsetzt, muss da natürlich Antisemitismus wittern, aber vergiftet damit den politischen Diskurs und schwächt den notwendigen Kampf gegen echten Antisemitismus. Aber das scheint der Israel-Lobby ganz offensichtlich egal zu sein, denn als politisches Kampfmittel nützt der Antisemitismus-Vorwurf immer noch sehr gut bei der Diskreditierung von Kritikern, zu denen Greta Thunberg prominent gehört.

Björn Luley, Frankfurt

Nutzloses Herumhacken

Die Klimakrise ist zu einem der wichtigsten Themen auf unserem Planeten geworden. Welchen Nutzen haben Ihre Leserinnen und Leser von einer dreiseitigen Kritik an Frau Thunberg? Wollen Sie uns eine Ausrede verschaffen, wir hätten den Klimaschutz ja gewollt, aber Greta hätte uns halt nicht richtig „abgeholt“? Wenn Sie mit Frau Thunbergs Umgang mit dem Thema nicht einverstanden sind, dann setzen Sie sich für uns bitte mit den Aussagen der Professoren Lesch und Latif auseinander, auch zum wiederholten Male, denn von Lösungen sind wir immer noch weit entfernt.

Klaus Werner, Erlangen

Argument schlägt Argumentierende

Greta Thunberg hat zwei wichtige und wohl wahre Sätze gesagt: „I don't want you to listen to me, I want you to listen to the scientists“ und „How dare you?“. Dem zweiten kann man zustimmen oder auch nicht, zumal Politik keine Wahrheit, sondern nur Mehrheit kennt; aber der erste ist zu befolgen, gerade auch im Lichte der Aufklärung, die ja jedem sachlichen Argument seinen Wert beimisst, egal, wer es vorbringt. Demgegenüber ist es eben unsachlich, und insofern wertlos, aus – etwaigen! - Verfehlungen der Argumentierenden die Nichtwürdigkeit des Arguments zu folgern, zumal in einem anderen Zusammenhang.

Dr. Nils Heineking, Mering

Das Minimum

Greta Thunberg, die mit ihrer Bewegung „Fridays for future“ die größte Umweltbewegung unserer Tage ausgelöst hat, sieht sich selbst keineswegs als „Heldin“. Im Gegenteil: Sie sagt, was sie da mache, sei ja wohl das Minimum, damit unser Planet auch noch Heimat für unsere Kinder und Enkel sein könne. Umgekehrt als „Helden“ aber sehen sich sehr wohl unsere bundesdeutschen „Politgrößen“ wie Merz, Söder, Katharina Reiche und Co., obwohl sie dazu nicht den geringsten Anlass hätten. Sie beschleunigen nämlich mit ihrer Politik aktiv beziehungsweise passiv durch Klimaerhitzung und Naturzerstörung unsere Höllenfahrt in den Abgrund. Man kann nur hoffen, dass das Wahlvolk endlich aus seiner fatalen Passivität aufwacht, diesen Politikern die rote Karte zeigt und so die überlebensnotwendige Energiewende doch noch gelingt.

Dr. Anton Huber, Vilshofen

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