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Gleichberechtigung:Die mühsame Suche nach Gründen

Warum sind Gehälter von Frauen oft niedriger als die der Männer? Leser bieten Begründungen für einzelne Branchen. Ein Schreiber macht das mangelnde Engagement von Frauen in Gewerkschaften dafür verantwortlich.

Zu "Was sie verdienen" vom 14./15. März:

"Ungerechte Löhne für Frauen liegen an Fehlern im System", so die Erkenntnis in dem Artikel. Dagegen vorzugehen sei Aufgabe des Staates. Dringend nötig seien handfeste und ernst gemeinte Gesetze, die Ungerechtigkeiten ausgleichen und verbieten. Eindeutig gilt als ungerecht: 21 Prozent Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen. Dazu stellt Andrew Oswald, Ökonomieprofessor an der Universität Warwick, fest: "Wir müssen akzeptieren, dass es ein Element reiner Diskriminierung gibt." Dieser nüchternen und eher hilflos klingenden Einsicht gegenüber stand die Absicht des Weltfrauentags am 8. März, dies doch nicht als gottgewollt hinzunehmen und für die Gleichstellung von Männern und Frauen zu kämpfen.

Man sollte aber nicht nur feststellen, was Frauen für ihre Leistungen verdienen, sondern die Fragestellung so erweitern: "Was verdienen sie an Wertschätzung?" Für viele Frauen auf der Welt war der Weltfrauentag eher ein "Welttrauertag" im Blick auf ihre teilweise erbärmliche und unwürdige Situation. In der Tat gleichen die vielfältigen nationalen und internationalen Bemühungen um eine Gleichstellung oft mehr einem "Stellungskrieg" als einem von entscheidenden Fortschritten gekennzeichneten Vorhaben. Doch liegen grundlegende Perspektiven für eine bessere Welt durch den Männern gleichgestellte Frauen auf der Hand. So hat etwa die Friedensforscherin Simone Wisotzki klargestellt: "Gleichstellung macht die Welt sicherer." Ihre Erkenntnis: "Frauen können viel Einfluss nehmen, um Gewalt zu verhindern."

Studien belegen, dass Gesellschaften mit Geschlechtergerechtigkeit weniger inner- und zwischenstaatliche Konflikte aufweisen. Nur eine Welt, in der alle Menschen die gleichen Chancen haben, ist eine menschliche Welt, so die Erkenntnis. Auch Männer wären Gewinner der Gleichstellung.

Klaus Emig, Wiesenbach

Auch in diesem Essay wird wieder an hervorgehobener Stelle darauf verwiesen, Frauen würden 21 Prozent weniger verdienen als Männer - ohne dazu zu sagen, dass diese 21 Prozent durch den Vergleich von Äpfeln mit Birnen zustande kommen. Erst im Kleingedruckten finden sich die sechs Prozent Unterschied, die es bei von Tätigkeit und Ausbildung vergleichbaren Personen unterschiedlichen Geschlechts geben soll. Selbst wenn diese sechs Prozent stimmen, ist das weit entfernt von den 21 Prozent, die immer wieder plakativ als Zeichen für die Benachteiligung von Frauen herausgestellt werden.

Richtig ist, dass es kaum objektive Kriterien für Lohngerechtigkeit zwischen verschiedenen Branchen gibt - ein sehr gut dokumentiertes Kriterium, das jedoch nie erwähnt wird, gibt es aber sehr wohl: Männer sind von 93,4 Prozent der tödlichen Arbeitsunfälle betroffen und haben auch etwa 2,5-mal so viele Arbeitsunfälle je 100 000 Beschäftigte wie Frauen. (Quelle: Statistisches Bundesamt). Es dürfte doch unstrittig sein, dass sich solche Risiken auch in höheren Durchschnittseinkommen niederschlagen müssen.

Klaus Höcht, Puchheim

Frau Werner schreibt wohl aus der Perspektive einer außertariflich bezahlten Angestellten. Es gibt keinen DGB-Tarif - jedenfalls ist mir keiner bekannt -, dessen Tarifgruppen nach Geschlechtern unterscheidet. Zugegeben: Es gibt noch viel zu viele Niedriglohn-Gruppen in den Tarifen. Das könnte aber auch daran liegen, dass sich zu wenige Frauen gewerkschaftlich engagieren und zu viele Männer in den Tarifkommissionen sitzen.

Jürgen Michels, Filderstadt

© SZ vom 24.03.2020

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