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Gewalt gegen Helfer:Respekt als Fremdwort

Sie werden beleidigt, angespuckt und teilweise sogar attackiert: Warum greifen Menschen in Not andere Menschen an, die nur helfen wollen? Diese Frage stellt sich auch Wolfgang Hahm aus Duderstadt. Und gibt es keinen Weg, sie besser zu schützen?

Zu: " Respekt" vom 25. März:

Was haben wir mit den Polizisten, den Lehrern, den Beamten allgemein, gemeinsam? Die politischen Kräfte haben die letzten fünf Jahrzehnte in bemerkenswerter Einmütigkeit daran gearbeitet, unter dem Vorwand, zumindest fahrlässig falsch verstandener Liberalisierung, die Reputation und den Respekt, der diesen Berufsgruppen noch in jüngster Geschichte entgegengebracht wurde, zu untergraben. Wenn die Bürger, vor allem jene mit anderem kulturellen Hintergrund, diese Entwicklung dann spiegeln, sind das Erstaunen und das Beklagen der entstandenen Verhältnisse krokodilstränengroß. Hinzu kommt, dass weder bei den öffentlichen Trägern, den beauftragten Organisationen noch den kostentragenden Krankenkassen Wertschätzung eine Vokabel ist, die sie mit der Leistung der im Rettungsdienst Beschäftigten in Verbindung bringen.

Ein solches Verhalten bildet sich in der Gesellschaft ab. Nun gibt es seit Kurzem eine gesetzliche Regelung, dass Polizei und Feuerwehr besser vor Aggression geschützt sein sollen. Die Rettungsdienstmitarbeiter sind gerade noch unter diesen feigenblattgroßen Schutzmantel geschlüpft, die Notärzte kommen im Gesetz nicht vor. Ob Rettungsgasse oder Aggressionsschutz, wir haben jetzt Gesetze. Dass das verunglimpfte Personal nicht in ausreichender Menge vorhanden ist, um sie umzusetzen, ist dem Gesetzgeber wie dem Bürger egal. Ich habe es mir in vierzig Jahren notärztlicher Tätigkeit einmal gegönnt, einen Beleidiger anzuzeigen.

Man opfert dann einen unbezahlten Urlaubstag, lässt sich vom gegnerischen Anwalt der Arroganz zeihen, der Beklagte verlässt das Gericht mit einer richterlichen Ermahnung und zeigt noch im Gerichtssaal,natürlich ohne Konsequenzen, den Mittelfinger. Mit dem Blick auf die vergangenen vierzig Jahre kann ich den Kollegen und mich etwas trösten. Diesmal wird es der Markt in Verbindung mit der Demografie richten.

Es hat schon begonnen, und der neu erfundene Notfallsanitäter wird es nur verzögern, nicht verhindern. Die von "faulen Säcken", "Beamtenärschen" und "Golfspielenden notorischen Abrechnungsbetrügern" schwadroniert haben, sind im besten Alter, um demnächst unsere "Kunden" zu werden.

Dr. Wolfgang Hahm , Duderstadt