Geschlechterrollen:Archaisch tief verwurzelt

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Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen.

Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch hier in der Digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und bei Süddeutsche.de zu veröffentlichen.

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Warum streben selbst viele gut verdienende Frauen nur ungern die Rolle der Familienernährerin an? Und was hält eigentlich ein Lieferant von seiner Rolle als Ernährer? Das fragen Leser.

"Wirf die Keule weg" vom 18./19. November:

Während die äußerlichen Grenzen zwischen den Geschlechtern zu verschwimmen scheinen, befindet sich das innere Verhältnis von Frau und Mann oft noch auf dem Stand vergangener Jahrhunderte. Immer noch suchen Frauen trotz einträglichen Berufs den strahlenden Versorger, der als Sonnenmann nach wie vor Platzhirsch, Gönner und Ernährer sein sollte. Gerade auch bei gut verdienenden Frauen zeigt sich, wie wenig sich die archaisch tief verwurzelten Auswahlkriterien verändert haben. Wie auch sonst in der wilden Natur geht es nicht selten um die Suche nach dem stärksten Männchen. Frauen wollen immer noch das Gefühl haben, vom Manne umworben und getragen, beschenkt, beschützt, abgesichert, verteidigt sowie gefördert, verführt, erobert und um die Ehe gebeten zu werden. Mit der Folge eines Bieterwettstreites, den Frauen unter Männern immer noch entfachen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen stärker am gesellschaftlichen Status des Mannes interessiert sind als dieser am Status der Frau. Und je mehr die Frau selber verdient, desto schwerer tut sie sich mit einem geringer verdienenden Mann. Nicht nur für mich ist auffällig, wie verschwindend gering die Quote der Gutverdienerinnen ist, die eine Rolle als Familienernährerin freiwillig anstreben.

Klaus F. Angerer, München

Raus aus der Filterblase

In "Befindlichkeitsartikeln" wie dem oben genannten müsste man eigentlich aufhören zu lesen, sobald es heißt: "Eine kleine Umfrage in meinem Großstadt-Freundeskreis ergibt ..." Es verlangt natürlich niemand von Journalisten, gleich soziologische Untersuchungen zu ihren Themen anzustellen. Aber ein wenig mehr Bewusstsein für die eigene Filterblase fände ich angebracht, wenn man schon Thesen über die gesamte deutsche Gesellschaft aufstellt. Hat der Autor mal mit einem Lieferanten, einem Dönerverkäufer, einem Polizisten oder einem Metzger gesprochen, der mit Frau und Kindern in einem halb abbezahlten Einfamilienhaus auf dem Land lebt? Wäre vielleicht ganz interessant, wie deren Männlichkeitsempfinden aussieht.

Christina Müller, Stuttgart

© SZ vom 28.11.2017
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