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Georg Elser:Würdiges Gedenken

Leser loben die Würdigung des Hitler-Attentäters der frühen Stunde durch Bundespräsident Steinmeier. Eine Schreiberin macht auf die Vorgeschichte zum Elser-Denkmal aufmerksam, ein Leser auf den Historikerstreit zum Thema.

Zu "'Ein Großer' des Widerstands" vom 5. November:

Endlich wird Georg Elsers gebührend gedacht. Diesem Mann aus sogenannten kleinen Verhältnissen ist frühzeitig klar geworden, dass Adolf Hitler Unglück über die Menschheit bringen würde. Auf sich allein gestellt wollte er Hitler unschädlich machen. Nur wenige Minuten haben diesen gerettet. Hätte Elser Erfolg gehabt, wäre Millionen Menschen unendliches Leid erspart geblieben. Es ist erstaunlich, dass ein einzelner Mann aus der Arbeiterschaft so früh zu dieser Einsicht gekommen ist.

Beim Gedanken des Widerstandes gegen Hitler fand er bisher kaum Erwähnung. Vielen Deutschen ist er gar nicht bekannt.

Annemarie Dembele, Hamburg

Der Gedenktafel für Georg Elser in Hermaringen gehen mehr als 70 Jahre voraus, in denen engagierte Menschen sich hartnäckig für seine Ehrung einsetzten. Der Schriftsteller Peter-Paul Zahl hat seinen Bruder im Geiste bereits Anfang der Achtzigerjahre umfassend gewürdigt: "Johann Georg Elser. Ein deutsches Drama", Rotbuch-Verlag Berlin, 1982. Im Anhang des Schauspiels sind zahlreiche Dokumente zitiert, die widerlegen, dass Elser ein "Verbrecher oder gekauftes Subjekt gewesen" ist (zum Beispiel ein Brief von Elsers Arbeitskollegen Josef Schurr 1947 an die Redaktion der Donau-Zeitung, Ulm), und seine Rehabilitierung fordern. In der Neuen Presse, Heidenheim, wurde 1970 auf den Spendenaufruf eines Lesers "für die Errichtung einer Ehrentafel" aufmerksam gemacht, "weil 'amtlicherseits' immer noch nichts geschieht, um das Andenken des einmalig tapferen Georg Elser zu ehren".

Im Leserbrief an die SZ vom 21. Januar 1980 schrieb Karl Drumbs: "Im Streiflicht vom 8. 11. würdigten Sie die einsame Tat des Georg Elser. ... nachdem nun der Bürgerbräukeller abgerissen ist, wäre es da für München nicht selbstverständliche Pflicht, an den tapferen Alleingang Elsers zumindest mit einer Gedenktafel ... zu erinnern?" Erst viel später wurde die Ehrung selbstverständlich.

Katharina Möller, Bimbach

Man tut der mutigen Tat Georg Elsers, der wusste, dass er auch sein Leben aufs Spiel setzte, keinen Abbruch, wenn man auch folgende, teilweise tragische Aspekte seiner Tat anspricht: Wäre die NS-Diktatur nach Hitlers Ermordung am Ende gewesen, wer wäre auf Hitler gefolgt, wäre es dann nicht zum Holocaust gekommen? Unter christlichen Widerständlern gab es moralische Skrupel beim Thema Tyrannenmord. Wie ist die Tatsache zu beurteilen, dass Elser den Tod von (acht) "Unschuldigen" in Kauf nahm? Über Georg Elser gab es vor Jahren einen Historikerstreit im Dresdner Institut für Totalitarismusforschung, der mit der Entlassung des damaligen Direktors endete (Hannah-Arendt-Institut).

Dr. Wolfram Ender, Eschershausen