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Gasteig:Am gachen Schteig

Karl-Heinz Müller, Jahrgang 1941, gilt als einer der renommiertesten Fachleute für Raumakustik.

(Foto: PR)

Erst kürzlich sprach der Akustiker Karlheinz Müller über die Möglichkeiten im Gasteig. Ein Leser erklärt dazu die Ethymologie des Wortes "Gasteig".

"Klang und breit" vom 17. März:

Das gewiss sehr lesens- und beachtenswerte Interview mit dem Akustiker Karlheinz Müller beweist die "Nichtmachbarkeit" der Seehofer-Reiter'schen Fantastereien um den Gasteig viel überzeugender als die von der bayerischen Staatsregierung wohl als solche in Auftrag gegebenen "Nichtmachbarkeits"-Gutachten für all die bisher vorgeschlagenen Standorte eines adäquaten Konzertsaals, der dem Münchener Musikleben seit der Okkupation des angestammten, musikgeschichtlich traditionsreichen und akustisch einmaligen Odeons durch das bayerische Innenministerium vorenthalten wird. Die bayerische Staatsregierung ist in Bringschuld und versucht, sich durch täuschende Tricks aus ihr davonzuschleichen.

Doch auch der Gasteig hat seine Tricks und Tücken, mit denen er sich gegen illusionäre Traumtänzer zu wehren weiß, um realitätsbezogen und im Bewusstsein seines unbestreitbaren Wertes zu bleiben, was er ist. Seine entscheidende Waffe ist die komplizierte Statik des Riesenbaus in steiler Hanglage, welche einschneidende Änderungen nicht zulässt. Und eben darauf weist schon sein - allgemein verkannter - Name "Ga-Steig" = "jäher, steiler Gehweg" (als Münchner Gegebenheit natürlich süddeutsch als "Schteig" auszusprechen und keineswegs hannoveranisch als "Ssteig"). "Gach-" oder "gah" (mit vielen lautlichen Abwandlungen) heißt nämlich auf Bairisch und allgemein Süddeutsch "jäh, steil", "gäh-schüssig" bedeutet entsprechend "abschüssig". So wurde ursprünglich Gasteig richtig "Ga(c)hsteig" geschrieben.

Bei der verbreiteten Unkenntnis um unseren Gasteig und seinen bodenständigen Namen darf es einen wohl kaum noch wundern, wenn man eben in dem oben inhaltlich hochgelobten Artikel etwas über "die Raumakustik des Gas-teigs" zu lesen bekommt. Ja, um was für einen "Teig" handelt es sich denn hier? Und welche Funktion hat "Gas" bei oder in ihm? Etwa als Blähung durch eine Übermenge von Backpulver oder Hirschhornsalz? Kann denn ein Teig überhaupt und speziell solch ein aufgedunsener "Gas-Teig" (zumindest noch unverdaut) eine "Raumakustik" haben? Der Unsinn um unseren Gasteig schlägt Saltos, nicht nur bei der christlich-bayerischen Staatsregierung, bei der endlich doch noch Erleuchtung durch Ankunft der himmlischen Botschaft zu erhoffen ist. Dr. Gerhart Schneeweiß, Geltendorf

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