Feiertage:Aufräumen im Kalender

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Fronleichnamsprozession in München: Christliche Feiertage sind hierzulande arbeitsfrei, muslimische und jüdische nicht. (Foto: Robert Haas/Robert Haas)

Fronleichnam, was hat es damit auf sich? Vielen ist die Bedeutung christlicher Feste nicht mehr bewusst, muslimische oder jüdische Feiertage sind dagegen nicht arbeitsfrei. Brauchen wir andere Regeln? Die SZ-Leser haben einige Ideen.

Pro und Contra "Sind christliche Feiertage noch zeitgemäß?" vom 11. Mai:

Nur säkulare Feiertage akzeptabel

Mir persönlich gefällt der Vorschlag von Herrn Steinke, die Feiertage zu individualisieren. Die Idee hatte ich auch schon. Damit würde man allen religiösen und atheistischen Vorstellungen gerecht werden können. Leider wird sich ja immer auf die christlich abendländische Tradition, hier auch von Frau Zoch, berufen. Vergessen beziehungsweise unterdrückt wird dabei, dass wir eine viel längere heidnische Tradition haben, die sich die Christen bei vielen Festtagen angeeignet haben. Noch zu erwähnen wäre, dass wir uns als säkularer Staat verstehen, ergo sollte es keine gesetzlich vorgeschriebenen religiösen Feiertage geben, einzig staatliche wie den Tag der Deutschen Einheit halte ich für akzeptabel. Für mich als Einzelhändler bedeuten Feiertage enormen zusätzlichen Aufwand mit der Unwägbarkeit des Kund*innenverhaltens und der Frage, welche Mengen an Waren benötigt werden, da sie heutzutage Feiertage als Brückentage ansehen.

Michael Beck, Wolfenbüttel

Alle haben was davon

Der Kalender ist voller Feiertage - ob sie gesellschaftlich sinnstiftend sind oder nicht. Immer bedeutet es - jeder Tag ist arbeitsfrei, das nimmt jeder gerne mit. Diese kulturelle Identität kann tausend Jahre alt sein. Ein gesetzlicher Feiertag ist ein Ereignis, das für alle gleichermaßen einen Vorteil mit sich bringt, egal ob mit oder ohne Glauben.

Thomas Bartsch Hauschild, Hamburg

Feiertage zur Auswahl

Angeregt durch den Beitrag von Ronen Steinke stelle ich folgende maßvolle Liberalisierung des Feiertagswesens zur Diskussion: In ganz Deutschland soll es in Zukunft nur noch sechs gesetzliche "Muss-Feiertage" geben. Daneben würde das Gesetz aber auch eine Reihe von "Kann-Feiertagen" schützen. Das wären alle christlichen Feiertage, die bisher allgemein verbindlich waren, und darüber hinaus eine abschließende Liste von Feiertagen anderer Religionen. An sechs dieser "Kann-Feiertage" hätte jeder Arbeitnehmer nach seiner freien Wahl Anspruch auf bezahlten Urlaub. Um allzu großem Hin und Her vorzubeugen, könnte man verlangen, dass ein Arbeitnehmer "seine" Feiertage mit Abschluss des Arbeitsvertrages bekannt gibt. An den Schulen sollte man es sinnvollerweise anders machen: Schulleitung und Elternschaft sollen gemeinsam beschließen dürfen, an welchen der Kann-Feiertage der Unterricht ganz ausfallen soll. Das könnte zum Beispiel an Schulen mit sehr vielen muslimischen Kindern dazu führen, dass an einzelnen muslimischen Feiertagen alle Kinder und auch die Lehrer freihaben.

Der Vorteil dieser Neuregelung wäre, dass die Christen und Traditionalisten sich kaum beklagen könnten, die anderen großen Religionen aber endlich die Anerkennung fänden, die ihnen längst zugestanden hätte.

Axel Lehmann, München

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