Friedrich Merz und seine RhetorikHör mal, wer da klempnert

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Wütender Redner: CDU-Chef Friedrich Merz Ende November im Bundestag.
Wütender Redner: CDU-Chef Friedrich Merz Ende November im Bundestag. (Foto: LIESA JOHANNSSEN/REUTERS)

Der CDU-Chef beschimpft den Bundeskanzler als "Klempner der Macht" - was nicht nur ein echter Klempner als verunglimpfend empfindet. Friedrich Merz polarisiert mit seiner Rhetorik auch unter SZ-Lesern.

"Tor des Monats" vom 30. November:

Handwerk beleidigt

Ein treffender Kommentar von Herrn Matzig! Friedrich Merz hat mit seiner Äußerung "Klempner der Macht" nicht nur das Klempnerhandwerk, sondern das gesamte Handwerk beleidigt. Er hat das despektierlich gemeint und mit dem Wort Klempner etwas Negatives assoziiert. Das kann nicht angehen!

Danke auch für die Erläuterung, was ein Klempner wirklich macht. Dazu möchte ich noch ergänzen: Der Klempner (in manchen Regionen Deutschlands auch als Spengler, Flaschner oder Blechner) ist nicht mit dem Installateur oder dem Anlagenmechaniker für Sanitär- und Heizungstechnik zu verwechseln. Ein Klempner baut unter anderem moderne, nachhaltige und energetisch hochwertige Fassaden und Dächer aus Metall, inklusive der dazugehörigen Unterkonstruktion und Wärmedämmung. Dazu ist er Experte für das Thema Solar auf dem Metalldach und an der Fassade. Auf der anderen Seite ist er der Fachmann, wenn es um eine Turmbekrönung aus Metall zum Beispiel an einer denkmalgeschützten Kirche geht. Das sind die ureigensten Aufgaben eines Klempners. Herr Matzig fordert zu Recht mehr Wertschätzung für das Handwerk.

Ulrich Leib, Bundesfachgruppenleiter Klempnertechnik, Moorenweis

An Arroganz nicht zu überbieten

Selten hat mir ein Autor mit einer Stellungnahme derart aus der Seele gesprochen wie Gerhard Matzig mit der Replik auf den unseligen Redebeitrag des an Arroganz nicht mehr zu überbietenden CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz im Deutschen Bundestag.

Ich habe den Artikel meinem Klempnerbetrieb zukommen lassen mit der Bitte, ihn am Schwarzen Brett auszuhängen, damit alle dort Beschäftigten ihn lesen können - als eine Lie­beserklärung an ihren Beruf.

Lore Wachsmuth, Hamburg

Mehr Anstand, bitte

Haben diese Köpfe der derzeitigen Opposition keinen Anstand mehr? Sind Sie sich ihrer Verantwortung als gewählte Vorbilder der Gesellschaft nicht mehr bewusst oder bedienen sie, um der Strategie willen, absichtlich, verbissen und hemmungslos, politstrategisch die untersten Schubladen der Rhetorik?

Sie beleidigen andere, genauso gewählte Volksvertreter als "Taugenichtse", als "Klempner", natürlich negativ gemeint , "Schul-, Berufs- und Studienabbrecher da oben in Rudelstärke" und beleidigen damit gleichzeitig auch deren Wahlvolk. Sie verbreiten auch offenkundige Unwahrheiten, zum Beispiel zu Migranten, die bei Zahnarztterminen angeblich bevorzugt würden. Sie bieten keine fachlich besseren und sozial vertretbaren Lösungen an. Sie verlangen, dass sich die Regierung demütig vor ihnen in den Staub wirft. Das Volk, um das es hoffentlich immer noch in erster Linie geht, kann die vermeintlich haushälterischen Probleme ohnehin nur schwer verstehen.

Ein auf Dauer noch größeres Problem wird deshalb die Wirkung auf die Öffentlichkeit sein, weil diese Rüpeleien dazu beitragen, dass das Vertrauen in die Demokratie weiter sinkt. Liebe Opposition, Sie haben die Verpflichtung zu Anstand und Respekt! Glauben Sie ernsthaft, dass sie beim nächsten Mal als Vorbilder gewählt werden? Die Erfahrung zeigt doch, wohin Wähler, die oberflächlich so etwas gut finden, wandern. Zu den furchtbaren "Originalen" gleicher Sprache. "Quidquid agis, prudenter agas et respice finem" : Was auch immer du tust, tue es klug und bedenke das Ergebnis.

Reinhard Kastorff, Moosburg an der Isar

Plumper Ausrutscher

Unkontrollierte Beschimpfungen des politischen Kontrahenten mit unüberlegten Gleichsetzungen aus verunglimpften Handwerksberufen - welch ein Abstieg! Und jetzt hat Merz, der Bruchpilot, den Salat. Manche Reden werden nicht mehr geschliffen, sondern fix aus der Luft gegriffen. Nicht nur Haushaltspläne werden zusammengepfuscht, sondern auch die notwendige Kritik daran wird nicht wasserdicht zusammengelötet. Dieses "Tor des Monats" ist kein genialer Treffer, sondern ein plumper Ausrutscher.

Dr. Dietrich W. Schmidt, Stuttgart

Der fliegende Frosch Merz

Ich habe mich sehr über Ihre "Torschüsse" amüsiert, vor allem über die, mit denen Sie die Distanz zwischen der Realität und der Ahnung, die Herr Merz davon hat, deutlich gemacht haben.

Friedrich Merz hat durch den Vergleich von Olaf Scholz mit dessen sozialdemokratischen Vorgängern - sicher unbeabsichtigt - Vergleiche zwischen ihm als möglichem, wenn auch wenig wahrscheinlichem Kanzler und Helmut Kohl oder Angela Merkel provoziert. Sollte es so weit kommen, was Gott nicht nur wegen einer sich mit einem christlichen Menschenbild schmückenden Partei in Gnaden verhüten möge, sollte er statt mit einem Vergleich mit dem "fliegenden Frosch" von Wilhelm Busch konfrontiert werden: "Wenn einer, der mit Mühe kaum, gekrochen ist auf einen Baum, glaubt, dass er schon ein Vogel wär, so irrt sich der!"

Gero Neugebauer, Berlin

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