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Frankfurt:Hätte man es verhindern können?

Einige Leser sind der Meinung, dass Videoüberwachung oder Bahnsteigtüren für mehr Sicherheit sorgen würden. Andere glauben, dass die Bahn im Vergleich zum Auto oder auch Fahrrad bereits ein sehr sicheres Verkehrsmittel ist.

Frankfurt Trauer nach toedlicher Gleis Attacke am Hauptbahnhof

Die Mutter konnte sich retten, ihr achtjähriger Sohn starb, nachdem ihn ein Mann vor den Zug stieß.

(Foto: imago images)

Zu " Schranken am Gleis" vom 6. August, " Sicherheit im Blick" vom 1. August, " Seehofer will mehr Polizisten an Bahnhöfen" vom 31. Juli, " Mann stößt Kind vor einfahrenden ICE" und " Todesstoß" vom 30. Juli:

Eine Schutzmaßnahme

Ich schlage eine Personenschutzmaßnahme an der Front der Triebköpfe jedes Zuges vor: eine federnde L-förmige Kunststoffschürze in voller Zugbreite, die sich bei einem Hindernis auf dem Gleis sensorgesteuert sofort auf die Schiene absenkt, bis unmittelbar über die Querschwellen. Diese Schürze nimmt über einen möglichst konstant gebremsten Federweg die Person auf und hält sie für die Dauer des Notbremsvorgangs fest. Bei den typischen Einfahrgeschwindigkeiten von Zügen in Bahnhöfen ist die Überlebenswahrscheinlichkeit infolge der durch die Federung begrenzten Beschleunigung des Körpers sehr hoch und ein Überfahren ausgeschlossen.

Dr. Rainer Thüringer, Gießen

Integration überdenken

Ich lese seit mehr als 25 Jahren die Süddeutsche Zeitung, aber am 30. Juli war das Lesen leider nicht mehr möglich. Denn meine mehr als feuchten Augen ließen die Zeilen verschwimmen, als ich das Unfassbare erfuhr, das einer Mutter mit ihrem Kind an einem Bahnsteig in Deutschland zugefügt wurde durch jemanden, der in unserem Nachbarland Schutz gesucht und gefunden hatte, außer Kontrolle geriet und zum Mörder wurde und eine ganze Familie zerstörte. Ich glaube, wir müssen unsere Vorhaben der Integration von Menschen aus bestimmten Ländern gründlich überdenken, denn ich fürchte, dass, wenn so etwas sich wiederholt, der Kollektivverdacht wohl nicht mehr zu verhindern sein wird.

Frank Pohlkötter, Dießen

Es braucht realistische Vorschläge

Da würden mich doch die Details interessieren, wieso mehr Polizeipräsenz eine so schreckliche Tat wie die auf dem Frankfurter Bahnhof verhindern soll. Einen vermutlich offensichtlich psychisch gestörten Menschen wird das keinesfalls beeindrucken. Wir wäre es denn zur Abwechslung mal mit einem gut durchdachten und realistischen Vorschlag statt mit einem Schnellschuss?

Reinhold Neef, Bad Vilbel

Rote Linien werden überschritten

Kontrollverluste in unserer Gesellschaft nehmen zu. Ursache dafür ist sicher nicht allein die Zuwanderung aus eher archaischen Gesellschaften, doch es ist eine wichtige. Die verantwortliche Politikerklasse neigt dazu, selbst kaum überbrückbare Unterschiede zu idealisieren. Der Trend des fahrlässigen Gleichmachens des Ungleichen scheint weiter seinen Lauf zu nehmen. Sicherheitsbedenken bleiben unterrepräsentiert. Anstatt sie angemessen in Entscheidungen einfließen zu lassen, wird die hier besprochene Migration weiterhin überdimensional geduldet und verwaltet - statt gestaltet. Doch leider kann meiner Meinung nach kaum zusammenwachsen, was sich durch jahrhundertelange Prägung weithin völlig anders entwickelt hat.

Trotzdem nähert sich die dafür verantwortliche politische Klasse dem Schlüsselthema Ein- und Zuwanderung bislang kaum sachlich. Stattdessen werden Andersdenkende oft ignoriert oder diskreditiert.

Mit den Grenzen scheinen auch immer rote Linien zu verschwinden. Deshalb sei die Frage erlaubt: Welche Gesellschaft möchte man eigentlich der Bevölkerung und den Folgegenerationen hinterlassen?

Helge A. Kaminski , Frankfurt

Es braucht Videoüberwachung

Was bezweckt Strafe? Im Wesentlichen zwei Dinge: die Vergeltung des Unrechts und die Abschreckung. Von verbotenem Tun abgeschreckt werden sollen zum einen die Allgemeinheit , zum anderen der ertappte Täter von der Wiederholung der Tat. Leider funktioniert die Abschreckung durch Strafandrohung in der Praxis kaum. Beispiel aus der Strafrechtsvorlesung in meinem ersten Semester: Als im Mittelalter der Taschendiebstahl überhandgenommen hatte, wurde er mit der Todesstrafe geahndet. Bei der öffentlichen Hinrichtung eines erwischten Taschendiebes auf dem Marktplatz drängten sich natürlich die Schaulustigen. In diesem Gedränge hatten die Taschendiebe, die "Beutelschneider", Hochkonjunktur.

Man sieht, selbst die Todesstrafe schreckt nicht ab, wenn der Täter annehmen darf, er werde eh nicht erwischt. Abschreckend wirkt nur eines: ein hohes Risiko, sich für das verbotene Tun verantworten zu müssen. Und deshalb hat Horst Seehofer recht: Wir brauchen mehr Videoüberwachung und mehr Polizeipräsenz im öffentlichen Raum. Natürlich können dadurch nicht alle Straftaten verhindert werden, aber das Risiko, erwischt zu werden, steigt durch die Videoüberwachung erheblich, und das schreckt eben doch viele Menschen davon ab, Verbotenes zu tun. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben hat man das längst begriffen, hoffentlich verbreitet sich diese Erkenntnis endlich.

Im Übrigen leidet das Vertrauen der Menschen in den Rechtsstaat, wenn zu viele Straftaten straflos bleiben, weil Täter nicht ermittelt oder mangels Beweisen nicht verurteilt werden können. Nur die Vergeltung des Unrechts durch angemessene Strafe sichert das Vertrauen in den Rechtsstaat, das dieser nicht für den heiligen Datenschutz aufs Spiel setzen sollte.

Wolfgang Dierks, Syke

Die Bahn trägt eine Mitschuld

Dass es zu dieser schrecklichen Tragödie kommen konnte, daran ist leider nicht allein der Täter schuld. Wieso? Weil es sogenannte Personenschäden nicht erst seit gestern gibt. Die Idee von Bahnsteigtüren, die als sichere und schützende Barrieren fungieren können, schlummerte bis dato schon viel zu lange in den Schreibtischschubladen von Entscheidern, die wohl mehr Kosten als Menschenleben im Blick hatten. Da musste erst so eine fürchterliche Tat geschehen und zu einem Politikum werden aufgrund der Nationalität des Mörders, dass die Bahn - und das auch erst ab 2023 und abschnittsbeschränkt - ein Pilotprojekt in München startet. Warum nicht in allen größeren Städten, vor allem in denen mit hohem Gewaltaufkommen und statistisch nachweisbaren Gleisunfällen mit tödlichem Ausgang? Wie viele Menschenleben nimmt die Deutsche Bahn bis 2023 in Kauf? Dies trägt den faden Beigeschmack von Mitschuld - und das nicht nur im Hinblick auf die Opfer, sondern auch gegenüber den Fahrern, die unwillentlich Menschen überrollt haben. Roswita Jakopcevic, Frankfurt am Main

Das Problem wird nur verlagert

So tragisch die Fälle sind, in denen Menschen vor Züge stürzen und zu Schäden oder gar zu Tode kommen, habe ich doch den Eindruck, dass ein schon sehr sicheres Verkehrsmittel wie die Bahn quasi bis zur Besinnungslosigkeit optimiert werden soll. Es wäre der Sicherheit aller Verkehrsträger mehr gedient, wenn die Unfallopfer im Straßenverkehr, bei Autos und insbesondere Radfahrern, reduziert werden würden. Die avisierten Maßnahmen machen die Schiene unattraktiver, wodurch mehr Leute statt des Zugs das Auto nehmen und die Zahl der Unfallopfer steigen lassen.

Holger Wiegmann, Kassel

Grenzkontrollen, bitte

Wenn es um Menschenleben geht, sollte man auch vorurteilsfrei über die Wiedereinführung von Grenzkontrollen nachdenken. Wäre der Tatverdächtige an der Grenze festgenommen worden, hätte er nicht einreisen können, und der achtjährige Junge würde noch leben.

Marieluise Fieger-Besdziek, Freiburg