Süddeutsche Zeitung

Leserbriefe:Missglückte Rede?

In seinem Eröffnungsgottesdienst zum Deutschen Evangelischen Kirchentag entfremdet Frank-Walter Steinmeier ein Bibelzitat. SZ-Leser betreiben Exegese.

"Ein verstörender Satz" vom 9. Juni:

Über Alternativen nachdenken

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in einer Rede zur Eröffnung des Evangelischen Kirchentages zum Krieg Russlands gegen die Ukraine folgenden Satz gesagt: "Es ist auch Zeit für Waffen". SZ-Autor Detlef Esslinger stört das Wort "auch". Er findet deshalb den Satz von Herrn Steinmeier verstörend und eine Leichtfertigkeit ausstrahlend.

Nebenbei bezeichnet Herr Esslinger in seinem Kommentar Menschen, die sich im Zusammenhang mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine für Diplomatie einsetzen, als Laien, die träumen und das Recht haben, "Erklärung zu bekommen". Esslingers Absicht scheint zu sein, jedes Nachdenken über Alternativen zu einer militärischen Lösung zu tabuisieren und zu diskreditieren.

Er sei erinnert an die von Deutschland unterstützte Resolution der UN-Generalversammlung zum Thema vom 23. Februar 2023. Dort wird ein unverzüglicher und bedingungsloser Rückzug der Streitkräfte der Russischen Föderation aus dem Hoheitsgebiet der Ukraine verlangt, die Mitgliedsstaaten werden aber auch aufgefordert, die "diplomatischen Bemühungen um die Herbeiführung eines ... Friedens in der Ukraine im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen verstärkt zu unterstützen".

Ich finde den Kommentar von Detlef Esslinger verstörend.

Kai Weber, München

Pastorales Mindset

Das Amt des Bundespräsidenten erfordert parteipolitische, aber auch religiöse und weltanschauliche Neutralität, wenn er als Präsident aller Deutschen wahrgenommen werden will. Laut Grundgesetz besteht in Deutschland keine Staatskirche. Das bedeutet nicht, dass der Bundespräsident politisch zahnlos agieren muss. Seine Statements und Auftritte sollten aber immer eine integrative Wirkung entfalten, und er sollte alle Gruppierungen im Staat im Blick behalten.

Inhaltlich bin ich ja nahe bei dem, was Herr Steinmeier mutmaßlich gemeint hat: Deutschland muss aktuell die Ukraine mit Hilfsgütern, aber auch mit Waffen unterstützen. Und die Zeiten, in denen sich Deutschland in puncto basaler Verteidigungsfähigkeit nur auf seine Bündnispartner verlassen hat, sind vorbei. Aber bei der Formulierung stand Herrn Steinmeier leider sein pastorales Mindset im Wege.

Schade für ihn, schade für uns, und schade für den Kirchentag - der übrigens, wenn er glaubwürdig sein will, auf öffentliche Subventionen verzichten sollte!

Johannes Schwill, Bochum

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