ForschungAngefunkelt

Lesezeit: 2 Min.

(Foto: Illustration: Julia Klenovsky)

Glitzer zieht uns magisch an. Sechs funkelnde Fakten von Weltraumschrott bis Paketdiebe.

Von Nina Himmer

Glitzerpsychologie

Paillettenshirt, Diamant oder Bastelglitzer: Was funkelt, fasziniert Menschen. Dahinter steckt ein uralter Instinkt, denn Glitzer ist eine besondere Form von Glanz. Sie entsteht, wenn Licht reflektiert wird und wie ein Feuerwerk die Augen kitzelt. Zwischen den Braun- und Grüntönen der Natur fällt das auf. Mit am schönsten funkelt dort Wasser. Unser Gehirn verknüpft Glitzern deshalb mit Wasser - also mit etwas, das wir zum Überleben brauchen. Deshalb zieht uns Funkeln magisch an. Und wir nehmen es stärker wahr, wenn wir durstig sind.

Schimmerfell

Es gibt Pferde, die aussehen wie aus einem Märchen gehüpft: Achal-Tekkiner. Trifft Sonnenlicht auf ihr Fell, schimmert es metallisch golden. Forschende haben herausgefunden, dass der Grund dafür hohle Haare sind. Ihr Fell hat sich wohl so entwickelt, weil die Pferde in ihrem Lebensraum mit extremen Schwankungen der Temperatur klarkommen müssen. In der Wüste sind die Tage heiß und die Nächte kalt, die hohlen Haare können je nach Bedarf kühlen oder wärmen. Das Schimmern ist also nur einen Nebeneffekt, aber mit Wow-Faktor.

Sternstunden

Man sollte meinen, so ein funkelnder Sternenhimmel könnte schöner nicht sein. Pustekuchen! Ein Tüftler aus Neuseeland baute kurzerhand seinen eigenen Stern: einen Meter groß, acht Kilogramm schwer, besetzt mit 65 reflektierenden Spiegeln - eine Art Discokugel fürs Universum. 2018 wurde das Glitzerding namens Humanity Star ins All geschossen, wo es drei Monate vor sich hinglitzerte und als Weltraum-Graffito verspottet wurde. Dann verglühte der künstliche Stern - als Sternschnuppe.

Ausgeglitzert

Ob im Hexengesicht, als Vampirhaut oder auf dem Feenkostüm: Glitzer verleiht vielen Kostümen erst den letzten Schliff. Blöd nur, dass er meistens aus Plastikpartikeln besteht, die der Umwelt schaden. Und uns: Jeder Mensch atmet pro Woche etwa die Menge einer Kreditkarte an Mikroplastik ein. Gruselig! Die Europäische Union verbietet deshalb schrittweise Mikroplastik, seit Mitte Oktober kann man kein loses Glitzer aus Plastik mehr kaufen. Auf Tiktok hat das jede Menge Aufregung verursacht. Viele meckerten dort über das Verbot und hamsterten Glitzerprodukte aus der Drogerie. Als ob die EU Glitzern verbieten wollen würde statt Mikroplastik. Das ist natürlich Quatsch: Viele Produkte wie Glitzer-Lidschatten gibt es weiterhin, etwa mit Glitzer aus Mineralien. Und losen Glitzer gibt es auch noch - aber eben nur noch aus biologisch abbaubaren Stoffen wie Maisstärke oder Zuckerrohr.

Edelsteine

Steinesammeln ist die einfachste Art, auf Glitzerjagd zu gehen. Mit etwas Glück findet man schnell welche, die an den Bruchkanten funkeln oder mit einer Art Glitzerkonfetti durchzogen sind. Das Glitzern kommt von Mineralien wie Glimmer, Quarz oder Pyrit. Wertvolle Edelsteine wie Diamanten (die übrigens aus dem gleichen Material bestehen wie eine Bleistiftmine: Kohlenstoff) hingegen bekommen ihren Glanz erst durch den richtigen Schliff. Geschliffen und poliert reflektieren sie das Licht und funkeln wunderschön.

Glitzerbomben

Glitzer steht für Feiern, gute Laune, Glück und Fantasie. Aber es gibt auch eine düstere Seite des Glitters: So ist zum Beispiel das Ausschütten von Glitzer über Politikern eine beliebte Protestform. Glitzerattacken treffen vor allem Politiker, die gegen gleiche Rechte für alle sind und sich zum Beispiel gegen die Ehe zwischen zwei Frauen oder zwei Männern aussprechen. Und dann gibt es da noch Mark Rober. Der hat mal für die Nasa gearbeitet und verdient sein Geld jetzt auf Youtube, wo er viele Fans hat. Er baut raffinierte Glitzerbomben, mit denen er Diebe überführt, die vor der Haustür abgestellte Päckchen klauen. Besonders fies: Neben Unmengen an Bio-Glitzer trifft die Diebe auch ein schriller Warnton und Pupsgestank, sobald sie das Paket öffnen.

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