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FDP:Nerven und Politik

Leser diskutieren immer noch über die Weigerung der FDP, in eine Jamaika-Koalition einzusteigen. Einer meint, FDP-Chef Lindner habe eben schlechtere Nerven gehabt als die Grünen. Ein anderer findet seine Entscheidung sehr mutig.

"Der Stoiber der FDP" und "Drauf gepfiffen" vom 8. Januar:

Ja, smart ist er schon, der Christian Lindner. Und rhetorisch fast schon brillant, wie auch die Maßanzüge durchaus sitzen. Aber Politik ist halt doch etwas mehr als noch so ausgeklügelte Marketingstrategien. Da braucht es dann schon ein anderes Kaliber, um Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen. Aus "staatspolitischer Verantwortung" in die Opposition gehen zu wollen - das meinte auch die SPD uns weismachen zu können. Bei SPD-Chef Martin Schulz und Genossen konnte man die Verweigerungshaltung irgendwo noch verstehen, wenngleich nicht deren Begründung.

Aber die FDP hatte keine schmachvolle Schlappe erhalten, sondern zog triumphierend und mit Lindner'schen Anflügen von Größenwahn wieder in den Bundestag ein. Dabei geht es aber nicht um die Steigerung der Marktanteile eines Waschmittelherstellers, sondern um die Gestaltung verantwortungsvoller Politik in Zeiten des Umbruchs. Wenn gerade eine liberale Partei sich angesichts eines europaweiten Angriffs auf die liberale Demokratie davonstiehlt, dann ist das nur noch erbärmlich. Werner Siebeck, Gräfelfing

Schlechte Nerven

Die Analyse, "Lindner ließ die Verhandlung zur Jamaika-Koalition platzen", wird auch durch ständiges Wiederholen nicht richtig. Die Grünen-Politiker Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt hatten, positiv ausgedrückt, stärkere Nerven als FDP-Chef Christian Lindner. Diese Verhandlungen konnten aber wegen der CSU-Forderungen zu Asyl, subsidiärem Schutz und Einwanderung kein Ergebnis erreichen, das die Grünen oder die FDP vor ihren Mitgliedern und Wählern hätten vertreten können. In Abwandlung eines Satzes von Heribert Prantl könnte man auch sagen, Lindner war flinker und hat das schneller erkannt. Bernd R. L. Siebert, Braunschweig

Mutige Entscheidung

Ich finde den Vergleich zwischen Christian Lindner und Edmund Stoiber doch ein wenig daneben und nicht fair. Und finde die Entscheidung Lindners mutig und richtig. Wir haben leider zu wenig mutige Politiker, die eben nicht auf herrschende Meinungsmonopole Rücksicht nehmen. Mit einer Kanzlerin Angela Merkel wäre die Jamaika-Koalition sehr schnell gescheitert. Inhalte und Positionen der handelnden Personen lagen einfach zu weit auseinander. Auch fehlte die Einsicht der Kanzlerin über Fehler der Vergangenheit. Es fehlte ein Mut machender Aufbruch zu neuen Wegen und Lösungen in der Politik. Dabei sollte doch eigentlich nach dem Grundgesetz die Kanzlerin die Richtlinien der Politik vorgeben. Wie oft wurde doch zuvor (auch in der SZ) über den Dunst und den bleiernen Nebel einer alten Groko geschrieben. Die beiden "großen" Parteien haben sich "zurechtgeschrumpft". Ein Kanzlerwahlverein wie die CDU hat ausgelebt. Es fehlt das Personal, dank Angela Merkel. Es folgt jetzt das Grauen einer neuen Groko mit alsbaldigem Ableben und Neuwahlen mit neuem Personal. Das wird dann die Stunde der FDP und Lindners sein. Klaus-Peter Neumann, Reinbek

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