Klassenfahrten:Lehren aus dem Fall Emily

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Ein zu hartes Urteil? Die beiden Lehrerinnen mit ihrem Anwalt beim Prozess vor dem Landgericht Mönchengladbach. (Foto: Oliver Berg/dpa)

Eine 13-jährige Diabetikerin stirbt nach einer Überzuckerung bei einem Schulausflug. Nach dem Prozess beschäftigt auch SZ-Leser die Frage: Wie können solche Tragödien verhindert werden?

"Sie hätte noch leben können" vom 16. Februar:

Verantwortung der Eltern

Es ist tragisch, dass das Mädchen bei einer Klassenfahrt ums Leben kam, für die Eltern, die Familie, Freunde, aber auch für die Lehrerinnen, denen hier wohl die alleinige Schuld zugewiesen wird. Allerdings stellt sich mir die Frage, ob die Weitergabe der Information über eine chronische Erkrankung nicht auch in der Verantwortung der Erziehungsberechtigten liegt. Wenn Lehrer eine Klassenfahrt planen und auf 60 bis 70 pubertäre Schüler zu achten haben, ist das viel Verantwortung. Als Mutter oder Vater würde ich auf jeden Fall vor solch einer Fahrt aus Sorge um mein Kind sicherstellen, dass die Begleitpersonen von mir persönlich informiert werden, dass ein gesundheitliches Problem besteht und wie man damit umgeht. So hätten die Lehrerinnen wohl auch die Anzeichen im richtigen Kontext gesehen und sofort reagiert. Wird das Urteil nun rechtskräftig, sind beide Lehrerinnen vorbestraft.

Emily, ihren Eltern und allen, die um sie trauern, nützen diese Betrachtungen nichts mehr. Aber vielleicht gehen in den Schulen alle Parteien aufeinander zu und tauschen wichtige Informationen aus, um den Jugendlichen auch künftig noch unbeschwerte Klassenfahrten möglich zu machen.

Beatrix Meinzer, Eggenstein-Leopoldshafen

Standardisierte Gesundheitsabfragen

Bestürzt hat mich der Tod der Schülerin, irritiert zum einen das Verhalten der Lehrerinnen und deren Verteidiger, zum anderen die Tatsache, dass es offensichtlich an der Schule keine standardisierten Verfahren zur Vorbereitung von Klassenfahrten, Ausflügen und Projekten gibt. Auf den Einwilligungserklärungen der Eltern werden in der Regel doch auch Angaben zur Gesundheit, zur Medikation abgefragt. Für derartige Standards ist auch die Schulleitung verantwortlich.

Detlef Erdmann, ehem. Schulleiter, Hamburg

Zu hartes Urteil

Das Urteil ist meinem Rechtsempfinden nach viel zu hart. Das vom Richter im Prozess Gesagte, auch eine Freiheitsstrafe auf Bewährung sei möglich gewesen, erscheint mir geradezu grotesk. Wo bleibt die Verantwortung der Eltern, vor der Schulfahrt explizit auf eine solche Krankheit hinzuweisen?

Diese Schule wird sich sicher überlegen, überhaupt noch einmal eine Auslandsschulfahrt zu unternehmen, womit keinem Schüler gedient ist. Ich hoffe, Rechtsmittel gegen das Urteil sind möglich und werden auch eingelegt.

Rudi Schoennagel, Hamburg

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