Die europäische Raumfahrtagentur Esa ist mit ihren Programmen auf einem guten Weg, Raumfahrt wettbewerbsfähiger zu machen. Allerdings könnte dem noch ein Instrument im Weg stehen, das die Agentur bisher gut gepflegt hat: der Georeturn. Demnach bekommen die Esa-Länder Industrieaufträge, die adäquat sind zu den jeweiligen Zahlungen an die Esa. "Dieser Mechanismus hat eine der wettbewerbsfähigsten Industrien der Welt geschaffen", verteidigte Esa-Chef Josef Aschbacher den Georeturn im November beim Esa-Gipfel in Sevilla. Allerdings werde die Raumfahrt zunehmend kommerzieller, gestand er ein. Kritiker sagen, dass die neue Esa-Rakete Ariane 6 ohne Georeturn innovativer und günstiger wäre.
In Sevilla haben die Länder darüber diskutiert, den Georeturn zu modifizieren, um wettbewerbsfähiger zu werden. Wie das funktionieren soll, weiß bislang niemand so genau. "Es geht darum, einen Rahmen zu finden, der sicherstellt, dass alle Esa-Mitgliedsstaaten profitieren, wir aber auch die Möglichkeit für innovative wettbewerbliche Verfahren haben", sagt die Bundes-Raumfahrtkoordinatorin Anna Christmann. "Der Esa-Georeturn trägt dazu bei, dass viele europäische Länder überhaupt in Raumfahrt investieren", gibt Matthias Wachter vom Industrieverband BDI zu bedenken. Andererseits wolle die Esa Raketen künftig als Service einkaufen, weswegen dort der Georeturn gar nicht greife.
Der Chef der Raumfahrtagentur im DLR, Walther Pelzer, warnt aber davor, den Georeturn ganz abzuschaffen, dies würde die Esa als Organisation gefährden. "Wir sehen den Georeturn weiterhin als ein zentrales Element der Esa", sagt er. Er gesteht aber ein, dass der geplante Wettbewerb für neue Trägerraketen "durch eine Modifikation des Georeturns" effizienter werden könnte. Die Diskussion ist also im Gange und kann auch die deutsche Raumfahrt verändern.
