Egon Eiermann:Wegbereiter für Olympiaglanz

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Heute sind alle begeistert von Olympiapark und Stadion-Zeltdach. Doch damals, beim Architektenwettbewerb wäre der später gefeierte Entwurf beinahe durchgefallen - wenn nicht einer in der Jury interveniert hätte.

"Als München die Zukunft war" vom 6. Juli: Mit Interesse verfolge ich die Rückblicke zum 50. Geburtstag der Olympischen Spiele in München. Aber der - zumindest in meinen Augen - damals wichtigste Weichensteller zum allseits gelobten Olympiaglanz von München ist kaum erkennbar. In der Jury beim Olympia-Architektur-Wettbewerb gab es nur einen einzigen, der es wagte, sich für den ungewöhnlichen, einzigartigen, aber auch mutigen Nylonstrumpf-Entwurf von Architekt Günter Behnisch kämpferisch einzusetzen und nicht auf Erfahrungen mit der gewohnten Betontonart bisheriger Olympiaden sofort ins Aus zu schicken. Sogar in den Folgerunden des Wettbewerbs wäre das klare "Aus" gekommen - ja, wenn Professor Egon Eiermann die klare Jurymehrheit nicht doch noch gekippt hätte. Ich hatte als Architekturstudent das Glück, mir die Wettbewerbsergebnisse genau anzuschauen. Es war grausam: Überall nur Variationen in der Olympia-Tonart "Tokyo" oder "Rom" garniert auf riesigen, abstoßenden Betonebenen. Es gab, soweit ich mich erinnern kann, wirklich nur einen Ausrutscher, nur einen Außenseiter, nur einen, der auch das Umfeld zum Klingen brachte, der die Chancen für Freude, Lebens- und Aufenthaltsqualität auch außerhalb von Veranstaltungen entstehen lassen wollte, der es wagte, das sonst übliche Dominieren von grauem, totem Beton zu vergessen. Zusammenfassend: Es ist bis heute ein einzigartiges Geschenk, das mit seiner neuen Olympiavertonung bis heute weltweit unangefochten eine Bereicherung und Aufwertung im Städtebau bedeutet. Das gilt aber auch bei der Landschaftsgestaltung, bei der Architektur und nicht zu vergessen, bei der lebendigen, wohltuenden Ausstrahlung nicht nur auf das unmittelbare Umfeld, sondern auf die ganze Weltstadt. All dies wurde nur möglich und auch verwirklicht, weil Professor Egon Eiermann als einziger der Wettbewerbsjury dieses Besondere am Behnisch-Entwurf vermitteln konnte.

Stephan Hansen, Ergolding-Piflas

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