E-Surfbrett:Surfer unter Strom

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E-Surfbrett: Über das Wasser fahren, durch Wellen gleiten oder unter Wasser tauchen: Die elektrischen Boards von Mo-jet sind vielseitig einsetzbar.

Über das Wasser fahren, durch Wellen gleiten oder unter Wasser tauchen: Die elektrischen Boards von Mo-jet sind vielseitig einsetzbar.

(Foto: Mo-jet)

Auf, über und unter dem Wasser: Nach 13 Jahren Tüfteln und Testen hat das Start-up Mo-jet aus Norderstedt bei Hamburg ein elektrisch betriebenes Surfbrett mit diversen Modulen auf den Markt gebracht.

Von Steffen Uhlmann

Gut Ding will Weile haben. Justus Schuberth und Benjamin Köhnsen haben die Volksweisheit schnell parat, wenn sie von ihrer fast 13 Jahre langen Tüftelei an einem elektrisch betriebenen Surfbrett erzählen, das sie nun auf den Markt gebracht haben. "Manche Sachen brauchen eben Zeit, Geduld und Ausdauer bis sie richtig gut sind", sagt Köhnsen. Der 43-jährige Hamburger kann einiges vom Auf und Ab der Unternehmensgeschichte berichten. Doch wichtig sei, so Köhnsen, dass ihre Firma Mo-jet jetzt die weltweit besten elektrischen Jetboards anbieten könne.

Köhnsen gehörte von Anfang an zu dem sechsköpfigen Team aus Ingenieuren und Umwelttechnikern, die als passionierte Wellenreiter schon immer dem verrückten Traum nachjagten, auch mal ohne Wind die "perfekte Welle" zu reiten. Das schaffe man nur, so Köhnsen, mit einem elektrisch angetriebenen Board. "Und genau das zu bauen hatten wir uns damals vorgenommen."

Erste Versuche 2009 auf dem Pönitzer See in der Gemeinde Scharbeutz seien mal kläglich, mal kühn abgelaufen, erzählt der Surfpionier. "Aber bald nach jedem Test haben wir mehr daran geglaubt, solch ein E-Board auch bauen zu können."

Der Kieler Surfer Carsten Höltig, einer der Köpfe im Entwicklungsteam und zugleich Mit-Firmengründer von Mo-jet, hatte damals sämtliche Elektrobretter der Konkurrenten getestet. Sein Urteil fiel durchweg negativ aus: schlechte Fahrleistungen, viel zu kurze Fahrzeiten, überschwere Akkus und ewig lange Kühl- und Ladezeiten. "Zehn Minuten fahren und dann fünf Stunden Ladepause - das kann es nicht sein", sagt Köhnsen. "Da landen die teuren Tools doch schnell in irgendeiner Ecke."

Im Heizungskeller wurde extra ein Testbecken installiert

Köhnsen, Höltig, Schuberth und Co. waren sich einig, dass sie nicht noch ein weiteres Board aus dieser Mängel-Klasse auf den Markt bringen durften. Sie wollten ein Board entwickeln, geeignet für Profis wie auch für Anfänger. "Wir wollten einfach das coolste und leistungsstärkste Brett vorstellen", sagt Köhnsen.

17 Rumpftypen haben sie damals versuchsweise gebaut, Tausende Arbeitsstunden sowie einen siebenstelligen Eurobetrag investiert. Im Heizungskeller von Benjamin Köhnsen wurde extra ein Testbecken installiert. Schon das war eine außergewöhnliche Ingenieurleistung. "Dann haben wir 15 ferngesteuerte Modelle im Maßstab 1:5 gebaut und sie immer wieder getestet", sagt Köhnsen.

Ihre erste Firma, 2011 gegründet, ging 2017 pleite, weil das Geld ausgegangen war und die Investoren, darunter Schleswig-Holsteins Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG), nicht mehr bereit waren, frisches Kapital nachzuschießen.

"Die Insolvenz hat uns viel Zeit, Nerven und zunächst auch eine Menge Zuversicht geklaut", sagt Schuberth, der wie Köhnsen trotzdem weitermachte und auch einer der drei Gründer der Neuauflage von Mo-jet ist. "2019 sind wir als Firma wieder an den Start gegangen", sagt er. "Sowohl die MBG als auch alte und neue private Investoren sind nach hartnäckiger Überzeugungsarbeit wieder mit uns ins Boot gestiegen."

Eine Gewähr, dass es nun mit dem in Norderstedt bei Hamburg ansässigen Start-up klappen wird, hatten die Investoren auch diesmal nicht. Doch die Zuversicht im siebenköpfigen Firmen-Team und auch unter den Investoren ist da. Die "Bremszeit" Corona hat man für eine komplette Neuentwicklung der Boards genutzt.

"Wir haben das elektrische Surfen jetzt auf ein völlig neues Level gehoben", ist Schuberth überzeugt. Drei große Klippen habe man zu umschiffen gehabt, sagt der Ingenieur: "Das Gewicht, die Maße sowie die Akku- und Motorleistungen."

Die Bretterbauer von Mo-jet verteilen das Trage-Gewicht rückenschonend auf zwei Akkus mit jeweils nur knapp achteinhalb Kilogramm. "Gekühlt werden müssen die Batterien auch nicht mehr an Land", sagt Schuberth. "Das geschieht bereits während der Fahrt auf dem Wasser. Eigens dafür haben wir ein spezielles Kühlsystem entwickelt." Und auch die Ladezeit der selbst kühlenden Batterien sei derzeit unschlagbar, sagt Schuberth. "Wir brauchen für die beiden Akkus jeweils nur 45 Minuten. Wenn wir sie also parallel laden, schlagen wir die Wettbewerber um fast anderthalb Stunden."

Das "Mo" im Firmennamen steht für modular - "ein Hinweis auf die modulare Bauweise der aus robustem und schlagfestem Polyethylen gefertigten Bretter", erklärt Köhnsen, der im Unternehmen für Marketing und Vertrieb verantwortlich ist. An das Basis-Heckteil, in dem sich Motor und Akkus befinden, können verschiedene Bodyboardmodule montiert werden. "Dafür braucht es nur wenige Handgriffe", sagt Schuberth. "Mit zwei Schrauben und einem Inbusschlüssel lässt sich das alles schnell umbauen." Und was wichtig sei, jedes einzelne Modul passe gut in den Kofferraum und wiege nicht mehr als 17 Kilogramm.

Der Erfolg aber ist längst noch nicht ausgemacht

"Gerade unser Modulsystem unterscheidet den Mo-jet von den meisten Konkurrenz-Brettern", fügt Köhnsen hinzu. Dank der sieben Module kann das ursprüngliche Surfbrett zum Bodyboard mutieren, das ein entspanntes Liegen auf dem Bauch möglich macht. Für Rettungseinsätze wiederum wird das Brett mit wenigen Griffen zu einem langen Körper aufgerüstet, der mehrere Personen gleichzeitig transportieren kann.

Auch ein Foil, ein Brett mit Tragflächenunterkonstruktion, die es bei schneller Fahrt aus dem Wasser hebt, gibt es bereits. Hinzu kommt im nächsten Jahr ein Tauchboard, das auch für tiefere Tauchgänge geeignet ist. Für die Steuerung dieses Boards haben die Entwickler ein Patent angemeldet, das inzwischen erteilt wurde - eines von mittlerweile drei Patenten, die von den Norddeutschen beim Internationalen Patentamt (PCT) eingereicht wurden.

"Unser Board steckt voller genialer Innovationen", betont Köhnsen stolz. "Sie gleiten nicht nur auf und über, sondern eben auch unter dem Wasser. Und sie sind wendiger, leiser und auch schneller als herkömmliche Jetboards." Ganze 15 PS generiert schon der kleine Motor. Damit ist das Mo-jet derzeit das leistungsstärkste Brett auf dem Markt. Es habe so viel Kraft, dass es sogar "Water Bananas", also die an Urlaubsstränden angebotenen Bananenboote, ziehen könnte, versichert Schuberth. Bei mehr als 65 Kilometer pro Stunde sind sogar rund 20 Minuten drin. Gerade durch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sehen die Gründer für sich große Markt-Chancen.

E-Surfbrett: Noch ist das elektrische Surfen ein teurer Spaß. Doch künftig könnten die Boards erschwinglich werden.

Noch ist das elektrische Surfen ein teurer Spaß. Doch künftig könnten die Boards erschwinglich werden.

(Foto: Mo-jet)

Der Erfolg aber ist längst noch nicht ausgemacht. Denn auf dem weltweiten Markt drängeln sich mittlerweile fast 30 Hersteller, darunter auch die VW-Tochter Audi, die ein E-tron-Foil anbietet. Die E-Mobilität hat auch das Wasser erreicht. Vor zwei Jahren wurden zwischen Hawaii und Dubai rund 6000 Foils, 2500 Tauchscooter und genauso viel Jetboards verkauft.

Noch ist das elektrische Surfen ein teurer Spaß. Die günstigsten Modelle sind für etwa 6000 Euro zu haben. Bei Mo-jet fangen die Surfbretter erst ab 10 000 Euro an. Wer Bodyboard- und Foil-Modul dazunimmt, landet schnell bei 16 000 Euro und mehr. "Keine Frage, wir agieren damit im High-Class-Segment", sagt Marketingchef Köhnsen. "Darum sind zunächst einmal Yachtbesitzer und zahlungskräftige Wassersportenthusiasten unsere Zielgruppe."

Mo-jet will im ersten vollen Produktionsjahr 200 Bretter verkaufen, im zweiten Jahr sollen es mindestens 500 Stück sein. Schritt für Schritt wolle man zugleich auch die Kundenklientel erweitern, sagt Köhnsen und denkt dabei an Betreiber privater Wassersportanlagen oder Hotels, die am Meer oder an Binnenseen liegen. "Mit wachsender Stückzahl und rationellerer Fertigung werden auch die Preise deutlich sinken", ist er überzeugt. "Vielleicht können wir ja die Bretter bald für 5000 Euro anbieten", hofft Köhnsen. "Dann sind wir auf dem Markt auch preislich vorne mit dabei."

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