Drohnen:Schutz oder Eskalation?

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Der Einsatz von Kampfdrohnen bei der Bundeswehr verstärke die Spirale aus Gewalt, Rache und Gegengewalt, finden die einen. Der Staat müsse Soldaten mit den besten verfügbaren Waffen ausrüsten, auch mit Drohnen, so die Gegenmeinung.

Zu "Drohnen zum Schutz der Soldaten" vom 28. Juni:

Es klingt in der Tat plausibel, dass Kampfdrohnen Soldaten im Feld Flankenschutz geben können. Wenn man genau recherchiert, dann stellt man allerdings fest, dass viele Drohnenpiloten, die Drohnen fernsteuern, vom posttraumatischen Belastungssyndrom aus dem Leben geworfen werden und manchmal Suizid begehen, etwa weil sie mit zivilen Kollateralschäden an zufällig ins Geschehen laufenden Frauen und Kindern nicht fertig werden.

Zu sehen, wie auch sie von der Explosion erfasst werden, ist unerträglich. Es klingt auf den ersten Blick logisch, dass Soldatinnen und Soldaten mit Drohnen vor Gewalt geschützt werden können, dass Kampfdrohnen im Kampf gegen Terror helfen können. Doch das genauere Nachdenken bringt dann die Psychologie ins Spiel, nicht nur wenn es um die Spirale aus Gewalt, Rache, Gegengewalt, Terror und neuer Gewalt im Krieg geht.

Man kann den Frieden nicht herbeibomben. Stattdessen kann der kritische Geist darauf stoßen, dass Menschen, die in Drohnenkampfgebieten wohnen, Gefühle haben, die aus der Angst erwachsen, ein unkontrollierbarer Abschuss könnte auch sie treffen. So kann Drohnenkrieg Terror als Gegenreaktion züchten.

Das sind indirekte Nachfolgen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt auffallen. Aber das kann im Ergebnis dazu führen, dass der Drohnenkrieg mehr Tote in den Ländern des direkten Kampfgeschehens sowie am Ende des Tages auch in den Herkunftsländern der Waffen und Interventionsarmeen mit sich bringt. Das Argument, Drohnen schützen und minimieren Todesraten, ist anzuzweifeln.

Bernhard Trautvetter, Essen

Wer in der Schule im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, weiß, dass ein Großteil der Weltgeschichte weitgehend aus Überfällen, Eroberungsfeldzügen, kriegerischen Auseinandersetzungen, Inbeschlagnahmen und Ähnlichem besteht. Denken wir nur an Alexander den Großen, Roms Cäsaren, die Mongolenstürme mit den Völkerwanderungen, die arabische Eroberung der Iberischen Halbinsel, Kolumbus, Napoleon, die "Emser Depesche", europäische Kolonien, Adolf Hitler, Wladimir Putin etc. Es gab nur Sieger und Besiegte - bis heute.

Um zu überleben, ist es die Pflicht eines Staates, seine Soldaten zur Verteidigung mit bestmöglichen Waffen und Ausrüstungen auszustatten - ein Sicherheitsvorteil!

Zur allgemeinen Überraschung hört man jetzt aus den Reihen einiger im Bundestag vertretenen Parteien Streit über die Beschaffung "bewaffneter" Drohnen. Dabei ist doch eines klar: Wer sich hier verweigert, schädigt im Ernstfall nicht nur unsere Soldaten.

Manfred Zans, Leverkusen

Der beste Schutz deutscher Bundeswehrangehöriger vor Anschlägen wie zuletzt in Mali besteht darin, auf unsinnige Auslandseinsätze ganz zu verzichten. Dies sollte die deutsche Politik aus dem gescheiterten Afghanistan-Einsatz eigentlich gelernt haben und die Bundeswehr schnellstens aus Mali abziehen, ehe es dort zu weiteren Anschlagsopfern kommt.

Kampfdrohnen für die Bundeswehr können nicht die Lösung des Problems sein, hätten den Anschlag mit dem sprengstoffbeladenen Auto auch nicht verhindert. Terroristen zögern übrigens erfahrungsgemäß auch nicht, bei ihren Aktionen Zivilpersonen als Schutzschilder zu benutzen.

Dr. Gerd Pflaumer, Bad Honnef

© SZ vom 16.07.2021
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