Wann beginnt der Frühling?
Einfache Frage, schwierige Antwort. Gestern? Das zumindest sagen Meteorologen. Die haben den Frühlingsanfang einfach auf Anfang März gelegt, damit sie besser rechnen können, nämlich in ganzen Monaten. Die Tagundnachtgleiche, also der Zeitpunkt, an dem Tag und Nacht überall auf der Welt genau gleich lang sind, markiert dagegen den kalendarischen Frühlingsanfang. Der fällt dieses Jahr auf den 20. März, 4.06 Uhr. Ja, so genau geht das. Auch biologisch kann man den Frühlingsanfang festlegen, dann ist der Startschuss die Apfelblüte. So gesehen wandert der Frühling immer weiter nach vorn im Jahr. Seit 1970 durchschnittlich 2,5 Tage pro Jahrzehnt. Schaut man auf den Entwicklungsstand der Pflanzen, gibt es übrigens zehn und nicht vier Jahreszeiten: Seit Ende Februar sind wir im Vorfrühling, im April kommt der Erstfrühling, im Mai dann der Vollfrühling.
Was duftet da so wundervoll?
Bärlauch, Flieder, Maiglöckchen - was gibt es Schöneres als Frühlingsduft? Die Wahrheit heißt: Geosmin. Das ist die Note, die Forschende als das zentrale Element im Frühlingsduft isoliert haben. Überraschung: Dieser Geruch hat vor allem mit Fäulnis zu tun, mit der Arbeit von Bakterien. "Ich rieche den Frühling" heißt also eigentlich: erdig, modrig, muffig. Frühling halt! Die menschliche Nase, sonst nicht als Supersinn bekannt, scheint spezialisiert auf Geosmin: Fünf Moleküle in einer Billion reichen, und wir riechen ihn, den Frühlingsmuff.
Was reimt sich schon auf Frühling?
Gefühlsfiesling? Ringwingding? Die Musik der Amsel ist der Rüpel im Gemälde. Hä? Auch in diesem Satz sind alle Hauptwörter reimfrei, das heißt, es gibt kein anderes Wort, das sich darauf richtig reimt. Oder findest du etwas? Vor 500 Jahren sagte man übrigens noch früelinc, und meinte damit ein in dieser Jahreszeit geborenes Jungtier. Auf Italienisch sagt man primavera zum Frühling. Das erste wirkliche, könnte man denken. Kommt aber eher von: vor dem Sommer. Egal. Jetzt geht es los!
Welche Farbe hat der Frühling?
Boah, easy. Grün halt. Aber Moment: Wenn Blumen austreiben, sind ihre Triebe erst mal weiß, höchstens hellgrün. Erst wenn sie richtig Sonnenlicht abgekriegt haben, bilden sie den Farbstoff Chlorophyll und werden grün. Bäume machen das anders. Die haben Chlorophyll-Vorratskammern im Stamm. Wenn die Blätter austreiben, sind sie von Anfang an grün, also so ein frisches Frühlingsgrün.
Ist der Frühling giftig?
Frühjahrsputz, Frühjahrsmüdigkeit, Pollenalarm - der Frühling hat fiese Seiten. Aber das Gift kommt woanders her: Im Winter ist die Natur kahl und grau. Tiere zehren noch von ihren Vorräten. Pflanzen, die sich im Jahr als erste zeigen, mussten besondere Überlebensstrategien entwickeln. Gegen die Kälte schicken sie ein eigenes Frostschutzmittel in die Blütenbahnen. Später im Jahr kommen schnell wachsende Pflanzen: Hauptsache, Neutriebe. Frühblüher hingegen wachsen langsam, meist aus Zwiebeln oder Knollen heraus, viele stecken einen großen Teil ihrer Energie in Gifte.
Warum macht Frühling alt?
Wie oft hat man die Magnolie blühen sehen, diese Angeberin unter den Bäumen? Wie oft einen Kranich aus seinem Winterquartier zurückkommen sehen? Wie oft frisch gerupftes Bärlauchpesto das erste Mal im Jahr gegessen? Wenn Menschen älter werden, zählen sie manchmal die Frühlinge, die sie erlebt haben. Dann sagen sie, 83-mal habe ich den Frühling kommen sehen ... Vielleicht geht es im Leben genau darum? Bäume legen im Frühling neues Holz um den Stamm. Das, was wir viel später vielleicht mal als Jahresringe im Stammschnitt sehen, sind in Wahrheit Frühlingsringe.
Woher die gute Laune?
Der März ist der Monat mit dem größten Wachstum an Tageslicht. Tageslicht bewirkt in unserem Körper, dass weniger von dem Schlafhormon Melatonin produziert wird. Das spüren wir: Wir fühlen uns wacher, aktiver. Frühlingsgefühle heißen auf Englisch spring fever, also Frühlingsfieber. Lässt du dich dieses Jahr anstecken?
