"Schwerer Rückschlag für Doping-Aufklärung" vom 2. März:
In der SZ wird unter der Überschrift "Schwerer Rückschlag für Doping-Aufklärung - Kommission zur Aufarbeitung eines der größten deutschen Sportskandale tritt unter Protest zurück" berichtet, dass "zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit ein wichtiges Projekt zur Aufarbeitung der westdeutschen Doping-Vergangenheit ohne klaren Abschluss zu Ende" gegangen sei. "2013 hatte eine Forschergruppe aus Berlin und Münster eine mit 550 000 Euro vom Bundesinnenministerium finanzierte Studie zum Thema 'Doping in Deutschland von 1950 bis heute' vorgelegt - allerdings endete sie in den Wendejahren 1989 / 90 und hinterließ viele offene Fragen".
Es ist zutreffend, dass ein solches Forschungsprojekt mit Unterstützung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, einer Behörde des Bundesinnenministeriums, durchgeführt wurde. Es handelte sich jedoch um zwei Forschergruppen, eine aus Berlin und eine andere aus Münster. Jeder dieser Gruppen standen für einen Zeitraum von drei Jahren 225 000 Euro für ihre Forschungen zur Verfügung (das sind ungefähr 1,5 Stellen plus Sonstiges). Die Münsteraner Forschungsgruppe behandelte den Zeitraum von 1950 bis 2007 und lieferte einen vollständigen Abschlussbericht ab, der auch publiziert wurde. Der Bericht wurde sogar ins Englische übersetzt und in einem US-amerikanischen Verlag publiziert.
Darüber hinaus liegen zahlreiche wissenschaftliche Publikationen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften vor, die von Mitgliedern der Münsteraner Forschergruppe verfasst wurden.
Es gehört zum Wesen von Wissenschaft, dass "viele offene Fragen" bleiben oder neue offene Fragen hinzukommen. Wenn die Autoren des Artikels behaupten, dass diese Forschungen keinen "klaren Abschluss" ergeben hätten, müssten sie sagen, was sie denn darunter verstehen. Um eine Art Schlusstrichmentalität kann und darf es nicht gehen. Vielmehr bleibt die historisch-kritische Auseinandersetzung mit Doping und Anti-Doping eine Daueraufgabe der Wissenschaften. Prof. Michael Krüger, Münster Arbeitsbereich Sportpädagogik und Sportgeschichte am Institut für Sportwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität
Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen.
Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch hier in der Digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und bei Süddeutsche.de zu veröffentlichen.