Hate Speech:Aufstehen gegen Hetze

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Franz Wacker

Franz Wacker, Vorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Bayern, bezieht Position gegen Hass in den sozialen Medien. Auch seine Organisation sei davon betroffen.

(Foto: privat)

Junge Katholiken positionieren sich gegen Hassrede von Gleichaltrigen im Netz. Franz Wacker, Vorsitzende der Landjugendbewegung Bayern, über die Gleichgültigkeit vieler Jugendlicher und was er von der Politik erwartet.

Von Miriam Hoffmeyer

Junge Menschen nehmen besonders viel Hass im Netz wahr: Nach der jüngsten Forsa-Umfrage im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW begegnen mehr als zwei Drittel der 14- bis 24-Jährigen im Internet "sehr häufig" oder "häufig" Hasskommentaren. In den anderen Altersgruppen liegen die Werte deutlich niedriger. Die Studie zeigte auch, dass die Hälfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sich für Hasskommentare nicht interessiert. Franz Wacker, 22, Vorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Bayern, fordert bessere Prävention und eine konsequentere Verfolgung von Hassrede.

SZ: Herr Wacker, die Katholische Landjugend ist keine Organisation, die besonders viel Hass auf sich zieht - oder?

Franz Wacker: Doch, wir sind auch betroffen. Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Hasskommentare auf unseren Facebook- und Instagram-Seiten - oft von Menschen, die zum Beispiel an unseren Forderungen für Reformen der katholischen Kirche beim Synodalen Weg Anstoß nehmen und sehr persönlich werden. Wir schreiben dann Richtigstellungen und melden persönliche Beleidigungen und Drohungen.

Wie erklären Sie sich die Gleichgültigkeit vieler junger Menschen gegenüber Hate Speech?

Das ist eine Mischung aus Ursachen. Viele glauben, dass sie sowieso nichts erreichen könnten oder dass nur die sozialen Medien oder die Polizei zuständig wären. Manche befürchten vielleicht, selbst zur Zielscheibe zu werden. Wenn man unsicher ist, ist Nichtstun immer der einfachste Weg. Aber nicht immer der richtige, vor allem für die Opfer von Hate Speech!

Die KLJB Bayern hat bei ihrer Landesversammlung im Mai einen Beschluss zum Thema gefasst. Was genau wollen Sie erreichen?

Wir fordern zunächst eine bessere Aufklärung über Hate Speech sowohl in der Jugendarbeit als auch in der Schule. Bekanntlich ist Bayern im "Bielefelder Ranking der schulischen politischen Bildung" das Schlusslicht unter den Bundesländern, umso größer ist hier der Bedarf. Die mobilen Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus und Hate Speech sollten ausgebaut werden, besonders in ländlichen Regionen. Auch mit Mikroprojekten örtlicher Jugendgruppen lässt sich viel erreichen. Wir fordern dafür einen Fonds der Staatsregierung. Ziel ist, so viele junge Menschen wie möglich zu erreichen, damit sie gegen den Hass im Netz aktiv werden - aus Nächstenliebe und Solidarität.

Verschiebt das nicht die Verantwortung von den sozialen Medien auf Einzelpersonen?

Das ist ja kein Gegensatz. Soziale Medien, Politik und Gesellschaft müssen am gleichen Strang ziehen, um etwas zu erreichen. Wir wollen zu mehr Zivilcourage motivieren. Jede und jeder kann auf Hasskommentare antworten, ihnen die eigene Meinung entgegensetzen, Verstöße an die sozialen Medien melden. Es darf nicht sein, dass eine schweigende Mehrheit Hass und Hetze einfach hinnimmt. Die rechtsextremen Anschläge der letzten Jahre haben uns auf erschreckende Weise gezeigt, wie schnell aus Worten Taten werden können.

Was sollte die Politik noch tun, außer Prävention zu fördern?

Zum einen sind klarere Richtlinien notwendig, die Social-Media-Kanäle und andere Medien dazu verpflichten, aktiv und deutlicher gegen Hasskommentare vorzugehen. Zum anderen müssen Aufrufe zur Gewalt, rechtsextreme Drohungen und Verstöße gegen Persönlichkeitsrechte schneller und konsequenter verfolgt und bestraft werden. Eine konkrete Verbesserung wäre es zum Beispiel, wenn man diese Taten online anzeigen könnte, wie es beispielsweise bei Fahrraddiebstählen in Bayern heute schon möglich ist. Derzeit können die Täter entspannt auf der Couch Menschen beleidigen und bedrohen. Wer sie anzeigen will, muss dagegen persönlich zur Polizei - und kann dann nur hoffen, irgendwann eine Rückmeldung zu bekommen.

Was tun Sie, um Ihre Forderungen in die Realität umzusetzen?

Wir führen schon seit einigen Monaten Gespräche mit Politikerinnen und Politikern der demokratischen Fraktionen im Bayerischen Landtag. Bisher sind die Reaktionen sehr positiv. Spannend ist, dass die Gesprächspartner auch alle von Hate Speech betroffen sind, aber oft meinen, dass sie das als Person des öffentlichen Lebens eben ertragen müssten. Das mag für harte politische Kritik gelten, aber nicht für Drohungen und Beleidigungen. Erstaunlicherweise gibt es bislang nicht viele Initiativen von Jugendverbänden gegen Hate Speech, aber das wird sich ändern. Wir werden unseren Beschluss auf der Bundesebene der KLJB einbringen und stehen auch mit anderen Jugendverbänden im Austausch. Weil allen die Bedeutung des Problems bewusst ist, sehe ich gute Chancen dafür, gemeinsam als Team gegen Hass und Hetze vorzugehen.

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