Coronavirus-Variante:Wie die Mutante Omikron die Situation verändert

Lesezeit: 4 min

Die neue Virusvariante B1.1.529 verbreitet sich weltweit. Länder verhängen Einreisestopps, um sich vor der sogenannten Omikron-Mutante zu schützen. SZ-Leserinnen und -Leser teilen ihre Einschätzungen.

Coronavirus - Japan

Aufgrund der schnellen Ausbreitung von Omikron schließt Japan vorübergehend den Flughafen Narita.

(Foto: Hiro Komae/dpa)

Zu "Ein Funke in einem brennenden Haus" vom 29. November und zu "RKI-Chef sieht Virusvariante mit 'großer Sorge'" vom 27. November:

B.1.1.529

Bei der Vermehrung aller Viren entstehen Mutationen, Varianten. Mehr als 10 000 Mutationen zum Beispiel des sogenannten Coronavirus (Sars-CoV-2) sind weltweit registriert. Bei den Varianten verändert sich die Struktur des sogenannten Spike-Proteins mehr oder weniger stark, das heißt, mit diesem Eiweißmolekül dockt das Virus an der Oberfläche von Körperzellen an und verschafft sich Einlass. Bildhaft ausgedrückt, haben die Mutationen einen besseren Schlüssel und gelangen damit schneller und effektiver in die Zellen der Menschen. Durch diese selektiven Vorteile beschleunigen die Varianten den Pandemieverlauf.

In Deutschland dominiert das Infektionsgeschehen derzeit die als besorgniserregend eingestufte Delta-Variante B.1.617.2. Das ursprüngliche Virus sowie andere Varianten sind hier praktisch verdrängt worden. Für die nun nachgewiesene Corona-Variante Omikron B.1.1.529 können noch keine sicheren Aussagen gemacht werden. Sollte sich jedoch eine noch höhere Übertragbarkeit und Ansteckung sowie ein noch rascheres Nachlassen des Impfstoffes im Vergleich zu Delta herausstellen, müsste dies als äußerst besorgniserregend klassifiziert werden. Spätestens Mitte Dezember wird der virologischen Wissenschaft mehr bekannt sein.

Josef Draxinger, Bad Birnbach

Ein Fallbeispiel

In Deutschland herrscht Corona, jetzt auch mit der Mutante Omikron, die Zahlen sind erschreckend, die Verantwortlichen sind erschrocken und viele Bürger immer noch eher unvernünftig, auf jeden Fall die Impfunwilligen. Aber es gibt ja eine Armada, die gegen die Pandemie antritt, so hört man es jedenfalls von den verantwortlichen Politikern: Es gibt 2 G, 3 G, 2 G plus, Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen und so weiter. Es wird aufgepasst, vor allem auf den Flughäfen, wo Omikron eingeschleppt werden könnte. Es wird geboostert, damit die Menschen auf der sicheren Seite sind. So weit die vollmundigen Ankündigungen. Und wie sieht die Realität aus?

Da kommt eine junge Frau, die sich beruflich ein paar Tage in Südafrika aufhalten musste (Anreise vor dem Wissen um Omikron), am Montagmorgen (29. November) mit der Lufthansa nach Frankfurt. Sie ist frustriert, weil sie geradezu ein Schreckensszenario gehört hat: kein Platz mehr im Flugzeug, Schwierigkeiten beim Weiterflug ins heimische Hamburg, drohende Quarantäne eventuell schon in Frankfurt, auf jeden Fall beträchtliche Zeitverzögerung wegen genauer Testung. Den Platz im total ausgebuchten Flieger hat sie bekommen, bei der Ankunft in Frankfurt müssen alle Passagiere warten, werden dann zusammen (ohne Möglichkeit, Abstand zu halten und auch ohne die angekündigten frischen Masken) im überfüllten Bus angeblich zum Frachtterminal gefahren. Dann aber, nach einer längeren Busirrfahrt, landen sie im ganz normalen Terminal, wo sich bereits Passagiere aus einem Flug aus Kapstadt eng aneinandergedrängt tummeln, steigen aus, durchlaufen erst die Polizei- und dann die Passkontrolle, und das war es. Keine Fragen, kein Test, nichts. Ist Omikron verschwunden? Die potenzielle Virusvariantenträgerin kann problemlos den nächsten Flieger nach Hamburg nehmen und dort theoretisch mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiterfahren.

So verbreitet man eine Virusvariante, vor der geradezu panisch gewarnt wird. Die junge Frau ist mit dem Taxi gefahren, mit allen möglichen Vorsichtsmaßnahmen, und hat zu Hause Besuch vom Gesundheitsamt bekommen, wegen der digitalen Einreiseanmeldung muss sie 14 Tage in Quarantäne. Der zuständige Arzt des Gesundheitsamtes Hamburg staunte nicht schlecht, als er hörte, wie die Ansteckungsgefahr in der Realität "vermieden" wird, und fragte sich auch, wo der Sinn so vieler Maßnahmen bleibt, wenn das Virus sich so ungehindert verbreiten kann.

Ulrike Kromka, Hamburg

Luftverkehr als Verbreiter

Im Herbst 1965 wurde das gesellschaftliche Leben im Kulmbach gelähmt, wurden dort auch die Schulen für zwei Wochen geschlossen, was auch mich (und auch meinen Parallelklassenkameraden Gottschalk) damals erfreute. Denn ein Weißer hatte die Pocken aus Ostafrika auf dem Luftweg mitgebracht. Damals wurde der aufkommende Luftverkehr verbreitet verflucht, denn wäre der Pockenüberträger mit dem Schiff gekommen, so wäre die Krankheit auf dem Schiff ausgebrochen und nicht an Land geraten, erst recht nicht ins oberfränkische Hinterland.

Es wurde damals vorhergesagt, dass mit zunehmendem Luftverkehr die Seuchenzüge durch Europa zunehmen würden. Heute wissen wir, dass die Minimierung des Luftverkehrs nicht nur dem Seuchenschutz, sondern auch dem Klimaschutz dient. Beides verlangt globales Handeln.

Wolfgang Maucksch, Herrieden

Zurückhaltung üben

"Das hat uns gerade noch gefehlt." So reagierte RKI-Chef Lothar Wieler auf die Hiobsbotschaft über das neue Virus, genannt Omikron. Viele mögen entmutigt sein nach langem Einsatz und überdurchschnittlichem Engagement im Kampf gegen Corona. Aber wir dürfen nicht resignieren. Wir haben uns lange Zeit an der Natur, die nun grausam zurückschlägt, versündigt, und viele tun es noch. Statt sie auszubeuten, statt nach immer mehr Profit zu streben, sollten wir uns in Bescheidenheit üben. Die Erde ermöglicht es, acht Milliarden Menschen zu ernähren, jedoch nur unter der Prämisse, sich einzuschränken, über den eigenen Tellerrand zu schauen, das Elend der Armen und Kranken zu lindern und nicht die Kluft zwischen Arm und Reich durch gieriges Konsumverhalten zu vertiefen.

Im Hinblick auf die Pandemie gilt es jetzt besonders, wieder Anstand zu lernen, das heißt, uns in Zurückhaltung zu üben. Anstand kommt von anstehen, aktuell warten können, bis die katastrophale Lage überwunden ist. Dies gelingt jedoch nur, wenn jeder seinen Beitrag leistet. Südafrika, ein Brandherd, der in Windeseile die ganze Welt entzünden kann! Panikreaktionen helfen nicht weiter. Wir alle, ohne Ausnahme, müssen mit vereinten Kräften versuchen, das Feuer zu löschen, was in vollem Gottvertrauen im Sinne von Schillers Ode an die Freude gelingen kann: "Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt."

Christine Lanzinger,Mallersdorf-Pfaffenberg / Steinrain

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