Corona-Proteste:Die zynische Freiheitsliebe der Systemsprenger

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SZ-Leser kritisieren gefährliche Allianzen und aggressive Botschaften bei Demonstrationen.

Corona-Proteste: „Corona-Diktatur“, rufen Protestierende. SZ-Leser erinnern daran, wie unsinnig das angesichts des freiheitlichen Demonstrationsrechts ist.

„Corona-Diktatur“, rufen Protestierende. SZ-Leser erinnern daran, wie unsinnig das angesichts des freiheitlichen Demonstrationsrechts ist.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Dein Feind und Prügelknabe" vom 14. Januar, "Polizei stoppt Protestzüge" vom 13. Januar, "Spaziergänger stoßen auf Widerstand" vom 7. Januar, "Teure ,Spaziergänge'" vom 31. Dezember sowie "Die aggressive Minderheit" und "Der Staat bleibt Herr der Lage" vom 29. Dezember:

Gegen Pakt mit Menschenfeinden

Was ist schon dabei, einen Spaziergang zu machen? Vielleicht gar nichts, aber beim Zuschauen läuft es mir kalt den Buckel runter... Ich begrüße jedes Engagement für eine Verbesserung der Gesellschaft. Wir leben in dem wahrscheinlich freiesten, sichersten und komfortabelsten Staat Europas beziehungsweise der westlichen Welt. Jeder kann seinen politischen Willen äußern und das nicht nur durch wirklich freie Wahlen. Für mich ist auch jede Meinung, die keinen beleidigt und mit Fakten belegbar ist, wertvoll und auf jeden Fall akzeptabel. Dabei ist es mir völlig egal, ob ich sie teile oder nicht. Menschen, die unseren Staat als "Unrechtsstaat" bezeichnen oder von einer (Corona-)Diktatur sprechen und aus einer berechtigten Kritik an einzelnen politischen Handlungen eine Kritik am System machen, sind für mich Menschenfeinde. Diese Menschen wollen unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat vernichten und ihr eigenes System etablieren, in dem menschenverachtende Zustände herrschen werden.

Mein Großvater starb in einem Krieg, den Menschenfeinde geführt haben. Die Familie meines Vaters war in einem deutschen Staat eingesperrt, den Menschenfeinde errichtet hatten. Für mich spielt es daher keine Rolle, aus welchen Gründen derzeit jeder einzelne montags spazieren geht.

Diese Veranstaltungen haben nur ein Ziel: Viele Menschen zu mobilisieren, die (wenn auch häufig zurecht) unzufrieden sind. Damit wollen die Initiatoren das Lügenmärchen vom deutschen "Unrechtsstaat" glaubhaft zu machen. Frei nach dem Motto: "Wenn es alle machen, kanns ja nicht falsch sein."

Jeder, der dort mitgeht und das nicht sieht, ist ein Missbrauchsopfer. Er wird missbraucht für die Ziele von Menschenfeinden, die sich ins Fäustchen lachen und die Unzufriedenheit und Verunsicherung aller ausnutzen.

Wer mit der aktuellen Politik unzufrieden ist, muss sich engagieren. Und er muss es erst mal besser machen. Wer mit unserem Staatssystem des Friedens, des uneingeschränkten Rechts, der absoluten Freiheit und des Wohlstands unzufrieden ist, muss auswandern.

Ein Spaziergang für und mit Menschenfeinden - egal ob ich persönlich was anderes damit sagen will - führt jedenfalls sicher nicht zu einer konkreten Verbesserung und ist für mich nicht akzeptabel.

Ich habe große Sorge, dass auch Menschen, die ich liebe und schätze, vor diesen Karren gespannt werden, weil sie unsicher und unzufrieden sind. Wer aber sehenden Auges mit Menschenfeinden gemeinsam unterwegs ist, steht meiner Ansicht nach außerhalb aller Grenzen der Toleranz und zerstört damit auch jede Chance auf einen sachlichen Dialog.

Diana Herrmann, Inzell

Ruf und Realität

"Friede, Freiheit, keine Diktatur!" - diese Parole skandieren die Demonstranten bei ihren Protesten gegen die Corona-Maßnahmen. Die Demonstranten ignorieren behördliche Auflagen und sie schrecken auch nicht davor zurück, Gewalt auszuüben, wenn Polizeibeamte sich den unangemeldeten Demonstrationen in den Weg stellen. Angesichts dieses Verhaltens sind die Rufe nach "Frieden" nur eines: nämlich zynisch.

Der Slogan, der Haltung und Verhalten dieser Corona-Demonstranten treffend beschreiben würde, lautet meiner Ansicht nach also vielmehr: "Egoismus, Ignoranz, Unvernunft!"

Roland Sommer, Diedorf

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