„Das Gerede von Care-Arbeit schadet mehr, als es nutzt“ vom 13. Juli:
Rein deskriptiv
Das Wort Care-Arbeit ist ein rein deskriptiver Begriff. Wenn der Autor einen „nervigen“ und „wertlosen Job“ in diesen Begriff hineinprojiziert, sagt das möglicherweise mehr über ihn selber aus als über das Wort. Der Begriff Care-Arbeit ist eine Würdigung der anspruchsvollen Leistung von enorm hohem menschlichem, gesellschaftlichem und ökonomischem Wert, die oft kaum gesehen und bezahlt wird. Wenn ich böse wäre, würde ich die Forderung des Autors nach einem pädagogischen Begriff, der Männern die Elternzeit schmackhaft machen soll, als unerwachsen männlich-weinerliche Selbstbezogenheit bezeichnen.
Aus meiner Sicht sind die einzigen Stellschrauben, die Väter bewegen können, in Elternzeit zu gehen, gesellschaftliche Anerkennung und Bezahlung. Voraussetzung dafür ist, dass die Erziehungszeit als das gesehen wird, was sie auch ist: Arbeit.
Eva Koberstein, Stuttgart
Muss Arbeit bezahlt werden?
Der Begriff Care-Arbeit beschreibt Tätigkeiten des Kümmerns und des Sorgens und dient somit der Sichtbarmachung von größtenteils weiblich organisierten Aufgaben, die im patriarchal-kapitalistischen System als selbstverständlich gelten. Dass nun ein Mann meint, sich über die Nutzung dieses Begriffes aufgrund seiner werblichen Untauglichkeit echauffieren zu müssen, sagt mehr über den aktuellen Stand der Gleichberechtigung als die Kürzungen beim Elterngeld.
Die Haltung des männlichen Autors gegenüber einem Begriff wie Care-Arbeit lässt mich fast wieder glauben, dass männlich sozialisierte Personen niemals nachempfinden können, wie sich das ständige Mitdenken von Bedürfnissen und Notwendigkeiten verschiedener Angehöriger und Freund:innen als weiblich sozialisierte Person anfühlt. Es geht bei Care-Arbeit nicht darum, ob man seine Kinder liebt. Dass das Kümmern und Sorgen um die eigenen Kinder doch schön und erfüllend sein müsste, knüpft an ein Unverständnis an, was dieses Sorgen wirklich alles bedeutet.
Es geht nicht um 20 Minuten Spielen vor dem Zähneputzen oder einen samstäglichen Ausflug in den Zoo, sondern um Kochen, Erziehen, Kindergeburtstage, Arzttermine, Wäsche waschen. Eben genau jene Tätigkeiten, die in finanziell wohlhabenden Familien gerne an schlecht bezahlte Arbeitskräfte mit Migrationsgeschichte ausgelagert werden. Wäre in Anbetracht der wirklichen Bezahlung der Begriff Care-Arbeit dann eigentlich wieder okay?
Fanny Karos, München
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