BrotVerwertung statt Verschwendung

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Lebensmittel zu vergeuden ist schlimm genug, aber über weggeworfene Grundnahrungsmittel wie Brot ärgern sich Leser besonders. Schlechte Planung, moniert eine Schreiberin, Altbrot könnte viel besser genutzt werden, so andere.

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Zu " Unser täglich Brot" vom 28./29. Dezember 2019:

Eine Frage des Managements

Der Artikel zur Lebensmittelverschwendung nennt viele wesentliche Aspekte, doch fehlt meines Erachtens ein wichtiger Punkt: Wo ist die Zeit für die Planung, die Vorbereitung und die Zubereitung der Mahlzeiten? Seit ich Rentnerin bin, wird bei uns kaum noch etwas weggeworfen. Vorher habe ich Vorräte eingekauft, dann aber oft nicht die Zeit - und manchmal auch nicht die Energie - gehabt, alles zu verarbeiten. Wenn niemand für den Haushalt zuständig ist, weil alle berufstätig sein müssen, ist das vielleicht eine der Folgen.

Tamara Willmann, Essen

Altbrot in Frischbrot

Sie berichteten über die Vernichtung von Brot. Die Vernichtung von Lebensmitteln in Deutschland ist tatsächlich ein wunder, ja verstörender Punkt in unserer Gesellschaft. Konkret zum Brot noch eine Anmerkung: Vor einigen Jahren durfte ich im Rahmen einer Exkursion die Backstube einer großen Bäckerei besuchen. Unter anderem erfuhren wir dabei, dass für die Herstellung von frischem Brot auch Anteile von Altbrot beigemischt werden. Mir erschien dies als eine recht sinnvolle Wiederverwertung von nicht verkauftem Brot. Darauf geht der Artikel leider nicht ein. Ich meine, dieser Aspekt hätte noch berücksichtigt werden sollen.

Prof. Dr. Rolf Rauber, Göttingen

Die Bäcker unterschlagen

Nach dem Lesen dieses Artikels packt mich der Zorn: Die Verfasser erwähnen auf mehr als zwei Seiten nicht ein einziges Mal das Bäckerhandwerk - eine Großbäckerei hat in meinen Augen mit Handwerk nichts mehr zu tun. Brot - verpackt - bei Penny, so weit ist es schon? Ein Schlag ins Gesicht jeder echten Bäckerei, also nicht die, die nur noch aufbacken!

Und auf den letzten Zeilen wird dann berichtet, wie mühevoll ("..musste 20 Stunden gehen lassen, kurz nach Mitternacht, als er den Laib aufs Blech gab...") Brotbacken zu Hause ist. Das stimmt einfach nicht, wie einschlägige Literatur beweist. Manchmal kann ich es schon nicht mehr lesen, dieses ganze Beklagen: "Wer ist schuld, und was kann man dagegen tun?" Mit solchen Artikeln wird sich jedenfalls nichts und niemand ändern.

Christiane Steinemann, Augsburg

Alles kompostieren

Es geht um das immer wieder und in letzter Zeit häufiger diskutierte Thema des Wegwerfens von Lebensmitteln. Seit 25 Jahren betreiben wir ein Kompostklo. Mit zirka 200 Menschen haben wir vor 25 Jahren 5,5 Hektar Land gekauft und unsere Häuser nach ökologischen Gesichtspunkten geplant und gebaut. Unter anderem wurden auch etwa 60 Komposttoiletten eingebaut. (auch in einer Kita).

Als Landwirt bin ich besonders von dieser Idee begeistert, da Nährstoffe wieder in den Kreislauf des Lebens ohne große Umwege zurückgebracht werden. Um die Toilette zu betreiben, wird alles Organische, von Küchenabfällen bis zu Essensresten über Altbrot oder auch Bartschnitt, auch mal eine alte Zeitung, in die Toilette geworfen. Der Betrieb alleine mit Fäkalien funktioniert nicht. Durch ein modernes Lüftungssystem gibt es keinerlei Gerüche in der Toilette (was ja auch schon ein Vorteil ist) und auch kein Wasser wird zum Spülen benötigt.

Alles, was ich mache, ist, alle vier bis sechs Wochen den Kegel unter den Rohren, die in den Behälter im Keller führen, glatt zu ziehen (wie ein Plumpsklo). Der Behälter ist immer voll und enthält eine Menge an Insekten, hauptsächlich Kellerasseln, Spinnen und Kleinstlebewesen, die für die Umsetzung von organischem Material benötigt werden. Pro Mitbewohner entnehme ich pro Jahr zirka zehn Liter reifen, fertigen Kompost, der dann im Garten ausgebracht wird. Die entstehende Flüssigkeit wird für besondere Pflanzen zum Düngen verwendet.

Das ist schon fast alles, was ich tue in Bezug auf die Toilette. Nun können Sie mal hochrechnen, welchen Nutzen solch ein System volkswirtschaftlich hätte. Es wird kein Trinkwasser dafür durch die Rohre gespült. Nährstoffe, die vom Acker kommen, werden wieder verwertet (wir leben hier auf sehr armem Sandboden, aber alles wächst gut und ist sehr grün). Und wertvolle Lebensmittel werden nicht einfach nur entsorgt.

Auch nach 25 Jahren bin ich voll überzeugt von dem System, das hervorragend geeignet ist, um Ressourcen zu sparen beziehungsweise wieder zu recyceln. Deshalb haben wir auch überhaupt kein schlechtes Gewissen, mal Essensreste oder altes Brot wegzutun, denn, wie gesagt, als Biobauer denke ich nun schon seit 30 Jahren in Kreisläufen.

Meiner Meinung nach gehört ein solches System viel mehr in die öffentliche Präsentation und viel mehr verbreitet, denn wir Deutschen haben allgemein ein Problem: Wir wissen um die Problematik, aber tun uns schwer mit dem Handeln.

Dipl.Ing.agr. Ralf Müller, Bielefeld

Verschwendung auch anderswo

Für die Herstellung des Überflusses werden Ressourcen unnötigerweise beansprucht. Wie sieht es aus im Bereich ungenutzter Medikamente und deren Entsorgung? Auch hier werden Ressourcen vergeudet. Hier ist aber die Gefahr immens größer, dass die Restbestände in den Kreislauf der Natur gelangen und dauerhaft nachhaltige Entsorgungskosten und Schaden für die Umwelt verursachen.

Helmut Chrf. Gerard, Lauchringen

Selbst backen und gleich essen

Ich denke, selbstgebackenes Brot wirft niemand in den Müll. Es ist wegen seiner guten Zutaten und sorgfältigen Zubereitung (handgeknetet) ein lebendiger Organismus, der seine Vitalkraft schon im reichen Duft nach Gras und Wiesenblumen offenbart.

Norbert Tilmann, Emden

© SZ vom 18.01.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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