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Brexit:Vergleiche mit Shakespeare

Ein Leser nimmt die Wortspiele von SZ-Autoren im Bezug auf das englische Austrittsdrama unter die Lupe. Ein anderer schlägt einen Alternativplan vor.

Zu "Viel Lärm um alles" vom 7./8. September und "Wie es ihm gefällt" vom 6. September:

Das Wortspiel der beiden Artikel mit den Anspielungen auf William Shakespeares Komödien macht schon in beklemmender Weise deutlich, welche Ränkespiele in der britischen Politik zurzeit ablaufen. Besser noch wäre es gewesen, auf einige der Tragödien des englischen Dramatikers zu verweisen, wo Antihelden in perfiden Gedanken und Handlungsweisen porträtiert werden.

Ähnlich der dreisten Vorgehensweise eines Boris Johnson erleben wir auch in der Literatur die Doppelgesichter der Protagonisten, die nach außen hin ein Gesicht und eine Politik der Ratio und überlegten Vorgehensweise präsentieren, in ihren Gedanken und Handlungen jedoch ihr wahres Gesicht zeigen, das ein irrationales und erratisches Verhalten dokumentiert. Die martialische Sprache eines Boris Johnson und seine Zuspitzung der Frage auf Leben und Tod erfährt eine Parallele im Königsdrama um Richard III., der weder Infamie noch Zynismus scheut, auf der Bühne seine wahren Pläne zu offenbaren. Ähnlich verfährt der britische Premier. Abgeordnete der eigenen Tory-Partei, ehemalige Minister, ja selbst Familienangehörige wenden sich entsetzt von dem selbstverliebten Hasardeur ab, der bereit ist, seine Existenz einer verantwortungslosen Wahnidee eines ungeregelten Brexit zu opfern. Wie heißt es in Shakespeares "Wie es euch gefällt": Die ganze Welt ist eine Bühne, und alle Frauen und Männer nichts als Spieler.

Dr. Peter Kleine, Bad Driburg

Auf die lange Bank schieben

Hier ein Vorschlag, wie man noch zu einem Austrittsvertrag kommen kann: Man biete Großbritannien ein Kündigungsrecht für die Backstop-Regelung der inneririschen Grenze an, terminiere dieses Kündigungsrecht aber auf 2022 oder 2023. Der Vorteil: Die Briten müssten sich nicht "auf ewig" an die EU gebunden fühlen, und der irre Premier hätte einen Erfolg vorzuweisen. Die EU gewänne (wie die Briten) Zeit für einen geordneten Trennungsvorgang; zudem bestünde die Möglichkeit, dass Großbritannien möglicherweise sogar Geschmack am Backstop fände und ihn nicht kündigen würde, bis sich vielleicht doch technologische Möglichkeiten einer eleganten, fast unmerklichen Grenzregelung gefunden hätten.

Dr. Ing. Gerd Eisenbeiß, München

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