Süddeutsche Zeitung

Bildungspolitik in Bayern:So wird das wieder nichts

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Die Kultusministerin sollte mehr auf qualifizierte Lehrkräfte denn auf die Intensivierung von Deutsch- und Mathematikunterricht in der Grundschule setzen, findet eine Leserin.

"Kultusministerin bereitet Streichkonzert vor" vom 16. Februar:

Nun soll also für Mathe und Deutsch jeweils eine Stunde mehr im Repertoire der Fächer an Grundschulen angedacht werden. Das ist das Ergebnis dieser ach so kämpferisch anmutenden und Söder contra gebenden Kultusministerin? Ich bin beeindruckt.

Die Probleme durch Quantität und nicht etwa durch Qualität zu beheben, ist eher ein fortgeführtes Trauerspiel im Auftrag der Bildung bayerischer Kinder, auf das die Honorigen im Landtag ja so furchtbar stolz sind. Die Ergebnisse der Pisastudie sind nun wirklich nicht darauf zurückzuführen, dass unsere Kinder zu wenig Mathe und Deutsch eingetrichtert bekommen, sondern sie haben zu tun mit der Priorisierung von gut ausgebildetem Personal.

Der Numerus Clausus (NC) in Mathematik zur Aufnahme an den Unis ist die letzten Jahre kontinuierlich gesunken, auch wenn es hier keinen vorgeschriebenen NC gibt. Das wiederum überträgt sich auch in die Klassenzimmer. Natürlich ist es wichtig, Mathematik nicht nur zu verstehen, sondern vor allem auch, diese vermitteln zu können.

Ein NC kann daher nur eine Orientierung sein. Die Idee eines Eignungstests zur pädagogischen Vermittlung möchte ich hier einmal mehr anführen.

Es gibt noch ein anderes Problem, auch wenn dies hier (noch) außerhalb der Grundschulen passiert: Quereinsteiger können die fehlenden Lehrer zwar füllen, aber können sie diese auch ersetzen? Schließlich sprechen Ingenieure, Banker et cetera dann nicht mehr mit Fachleuten, sondern mit völlig unbedarften Schülern. Die Begeisterung für Mathematik, für Deutsch und die Literatur muss also noch geweckt werden. Wenn dieses Talent fehlt (Qualität), nützt auch keine weitere Stunde (Quantität) im Unterrichtsplan.

Die heute schlecht geführten Schüler sind die zukünftigen schlechten Lehrer. Diesen Teufelskreis muss man anders durchbrechen. Von einer Kultusministerin, die vorgibt, entschiedener zu arbeiten, habe ich dann doch Besseres erwartet.

Cathrin Becker, München

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