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Artenschutz:Bauen mit Biene

Frühling in Niedersachsen

Biene im Anflug, das heißt es neuerdings auch auf vielen Dächern.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Immer mehr Immobilienunternehmen tun etwas für die Insekten. Davon haben auch die Mieter etwas.

Von Sabine Richter

Ohne ihr Zutun wäre die schönste Blüte am Ende nutzlos. Nicht nur Honig würde ohne die fleißigen Bienen auf unserem Speiseplan fehlen; auch Obst, Gurken, selbst Baumwolle sind im großen Maße von der Bestäubung durch Bienen abhängig. Die Biene ist zum Symbol für eine intakte Umwelt schlechthin geworden, der Sympathieträger hat einen eigenen Jahrestag (20. Mai) und mit der Biene Maja ein Maskottchen, das nicht nur jedes Kind kennt. Viele gute Gründe für das hohe Engagement zu ihrem Schutz, dem sich auch viele Prominente angeschlossen haben. Auch Rennfahrer Sebastian Vettel ist neuerdings Bienenbotschafter. Sein grüner Aston Martin Honey Ryder ist allerdings nach dem legendären Bond-Girl und nicht nach der Honig-Biene benannt.

Freundlicher Reaktionen ist sich auch die wachsende Zahl der Immobilienunternehmen gewiss, die sich dem Schutz der Vierflügler verschrieben haben. Darunter sind kleine Wohnungsgenossenschaften, aber auch Immobilienkonzerne wie Vonovia, mit 400 000 Wohnungen größter Vermieter Europas, bis hin zu Immobilienfondsgesellschaften wie der Union Investment Real Estate. Sie siedeln Bienenvölker auf den Dächern ihrer Immobilien an, lassen sie in eigens angelegten Wiesen Honig sammeln und arbeiten damit nicht nur für den Naturschutz, sondern auch an der Verbesserung ihrer Umweltbilanz.

So beschäftigt sich die Union Investment in Kürze mit artfremden Aufgaben, der ersten Honigernte aus dem Projekt "Imke". Im vergangenen Sommer sind 66 Bienenvölker mit mehr als einer Million Tierchen auf den Dächern von 32 großen Gewerbeimmobilien des Fonds eingezogen. Zum Startportfolio zählen das Bürogebäude Emporio in Hamburg, das City-Quartier Dom-Aquareé in Berlin sowie das Hotel Hyatt Place Airport in Frankfurt. Weitere Gebäude sollen in diesem Jahr folgen, zusätzlich würden die Standorte überall, wo es möglich ist, auch mit Nisthilfen für Wildbienen ausgestattet, kündigte das Unternehmen an. Das Projekt wird in Kooperation mit dem Berliner Verein Stadtbienen durchgeführt. Professionelle Imker aus der Region, die Erfahrung mit der ökologischen Bienenhaltung haben, übernehmen die Pflege und Betreuung. Nach der Pandemie sollen sie auch Bienenseminare für Mieter, Mitarbeiter und Kunden durchführen.

Ziel des Projekts ist, die Population der Bienen zu stärken und zum Schutz der Biodiversität beizutragen. "Zu einer ökologischen Haltung gehört, dass die Bienen auf ihrem eigenen Honig überwintern dürfen und nur der Überschuss entnommen wird, ihre Waben selber bauen, kein fremdes Wachs eingebracht und keine Zuchtköniginnen verwendet werden," erklärt Paul Hartmann vom Verein Stadtbienen. Da Bienenvölker einen Flugradius von bis zu fünf Kilometer haben, kämen sie auch mit einer höher gelegenen Behausung gut zurecht. Der gemeinnützige Verein betreut 200 Bienenvölker für unterschiedlichste Unternehmen, hält Seminare ab und "bringt damit erlebbaren Naturschutz aufs Firmengelände", so Hartmann.

Vonovia fährt bei den Bienenprojekten zweigleisig. In mehreren Quartieren dürfen Imker ihre Völker fliegen lassen. Gleichzeitig kooperiert der Konzern mit dem Nabu, um Grünflächen in seinen städtischen Wohnquartieren in Nordrhein-Westfalen in Rückzugsorte für Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel zu verwandeln.

Die Honiggläser gehen, mit Logo versehen, an Mieter und Mitarbeiter

Die Wohnungsgenossenschaft Kleefeld-Buchholz in Hannover macht sich im Projekt "Hannover summt" seit Längerem für die fleißigen Flieger stark. Für Imker wurde ein Grundstück zur Verfügung gestellt und eine Bienenwiese geschaffen. Da das Projekt sehr gut bei den Mietern ankommt, werden weitere Flächen gesucht. Die Honiggläser gehen, mit einem eigenen Logo versehen, an Mieter und Mitarbeiter.

Auch die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte, Hessens größte Wohnungsgesellschaft, will ihre Nachhaltigkeitsstrategie mit Leben füllen und lässt seit 2019 auf Freiflächen sechs Bienenvölker Nektar sammeln. Um Bienen auch im Sommer und Herbst mit Nahrung zu versorgen, hat die Wohnungsgenossenschaft WGH im brandenburgischen Hennigsdorf Insektenwiesen angelegt und 100 000 Euro in 50 spätblühende Bienenbäume, auch Dufteschen genannt, investiert.

Auch der bayerische Projektentwickler BHB setzt sich mit verschiedenen Initiativen für Wild- und Honigbienen sowie andere Bestäuber ein. Experten des Kooperationspartners Nearbees halten Vorträge direkt am Bienenstock im Garten des Unternehmens. Über dessen Onlineplattform können Hobbyimker ihren Honig vermarkten und Interessierte mehr über Insekten erfahren. In Freising realisiert der Bauträger mit "Bee Free" eine "grüne Vision von Studentenapartments der Zukunft". Die Studierenden können in ihrem eigenen kleinen Garten Obst und Gemüse anbauen, die namensgebenden Bienen wohnen auf dem Dach.

Da die Unternehmen mit den Bienenprojekten auch einen Beitrag für ihr Image leisten, sehen Naturschützer die neue Bienenliebe mit leichter Skepsis. Anne Ostwald, Referentin für Artenschutz beim Nabu Hamburg begrüßt zwar grundsätzlich die Projektidee, "weil Unternehmen damit Mitarbeiter und Mieter für den Insektenschutz sensibilisieren". Für die Natur sei das aber nur ein erster eher symbolischer Schritt, denn es gehe um weit mehr als die Honigbiene. "Besser wäre es, wenn die Firmen ihre Gelände naturnäher gestalten würden und ein vielfältiges Angebot an Nahrungspflanzen und Nisthilfen für Wildbienen und andere Insektenarten schaffen würden oder Teile ihrer Bienen-Marketingbudgets für wertvolle Naturschutzprojekte spenden würden", heißt es.

Honigbienen werden vom Menschen als "Haustiere" gehalten

Torsten Ellmann, Präsident des Deutschen Imkerbundes, betont, dass jeder willkommen sei, der die Biene unterstützt, sofern das denn fachgerecht stattfinde. Im Gegensatz zu Wildbienen seien Honigbienen nicht gefährdet, weil sie vom Menschen als "Haustiere" gehalten würden. In Deutschland hätten die Berichte über das Bienensterben das Interesse an der Imkerei wieder beflügelt, sagt Ellmann. Der Trend zum Urban Gardening spiele dabei mit eine Rolle.

Mehr als 150 000 Imker gibt es aktuell in Deutschland, nur etwa ein Prozent davon betreiben ihre Imkerei erwerbsmäßig und halten jeweils mehr als 50 Bienenvölker. Freizeitimker haben nach Angaben des Imkerbundes im Durchschnitt 6,7 Bienenvölker. Da 70 Prozent des in Deutschland konsumierten Honigs aus dem Ausland komme, seien Imker, die ihren Honig regional vermarkten, sehr willkommen, so Ellmann.

© SZ/kö
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