Lehren aus der GeschichteInstitutionen stärken - aber welche?

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Autor Bernhard Schlink: Was lernen wir aus der Vergangenheit?
Autor Bernhard Schlink: Was lernen wir aus der Vergangenheit? (Foto: Susanna Sáez; via www.imago-images.de/imago images / Agencia EFE)

Ein Gastbeitrag des Schriftstellers Bernhard Schlink regt SZ-Leser zum Nachdenken an.

Gastbeitrag "Von der Vergangenheit lernen?" vom 24. November:

Mehr Einfluss für Zivilgesellschaft

In einer selbstkritischen Analyse weist Bernhard Schlink die 68er-Generation - zu der ich mich zähle - auf einen blinden Fleck hin. Wir hätten uns nicht mit den Institutionen versöhnt, nicht begriffen, dass die Lehre aus der (faschistischen) Vergangenheit sei, die Institutionen zu stärken.

Schlink rät, an die junge Generation weiterzugeben, dass die Institutionen "Bedingung für die Kraft der Moral in der Gesellschaft, für Gemeinsinn, Gerechtigkeit, Freiheit und Respekt der Bürger füreinander" seien. Wir sollten die junge Generation, "ermutigen, in Parteien, Gewerkschaften und Kirchen aktiv zu sein".

Eine weitere und weiter gehende Möglichkeit aus meiner Sicht wäre es, die zivilgesellschaftlichen Organisationen, in denen schon viele Bürger - auch Jugendliche - aktiv sind, mit den Institutionen der parlamentarischen Demokratie zu verknüpfen. ADAC, ADFC, der Verband der Automobilindustrie etwa werden im Verkehrsausschuss, Eltern- und Schülerräte und Gewerkschaften im Schulausschuss von Landes- und Bundesparlamenten gleichberechtigte Mitglieder. Das Engagement in zivilgesellschaftlichen Organisationen erhielte mehr Ansehen und Gewicht und gleichzeitig könnte dies der Demokratie und ihren parlamentarischen Institutionen einen enormen Schub Anerkennung und Vitalität verschaffen.

Winfried Törper, Hamburg

Kirche weiter kritisch sehen

Herr Schlink bezieht die Institution Kirche ebenfalls positiv besetzt in seine Sichtweise ein. Aber die Kirche ist eine Institution, die leider nicht per se positiv besetzt sein darf. Es ist schon richtig, dass die Kirche Gleichberechtigung, Respekt, Achtung vor dem anderen predigt. Gleichzeitig lebt sie aber etwas anderes vor. Der Mensch, der religiös erzogen wird, muss schon eine gewisse Intellektualität haben, um zu erkennen, dass das Leben im Inneren der Kirche und die Predigten nicht gleich sind. Die Kirche lehrt bereits Kinder, dass viele Menschen nicht die gleichen Rechte haben wie andere.

Thorsten Effing, Stuttgart

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