Bayerische Energiepolitik:Söder setzt lieber auf Atomkraft als auf Windräder

Lesezeit: 3 min

Manche Leser begrüßen das, andere pochen auf Umsetzung der Energiewende.

Atomkraftwerk Isar

Länger am Netz lassen - oder doch aus der Atomkraft aussteigen? Markus Söder fordert eine Laufzeitverlängerung fürs Kernkraftwerk Isar 2 in Ohu bei Landshut.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

"TÜV: Isar 2 könnte länger laufen" und "Sehr geehrter Herr Bundesminister" vom 25. Juni, "Denkmalgerechte Solaranlagen" und "Wenn Söder das wüsste" vom 21. Juni sowie "Windkraft wirbelt die Koalition durcheinander" vom 10. Juni:

CSU blockiert Energiewende

Gleichzeitig dafür und dagegen zu sein wird zum neuen Markenkern der Staatsregierung. Eine erste Kostprobe dieser Regierungskunst gaben CSU und Freie Wähler im letzten Jahr bei der Eindämmung der Corona-Pandemie. Während Ministerpräsident Söder Impfappell an Impfappell reihte, gab Vize-Ministerpräsident Aiwanger monatelang den bockigen Impfverweigerer. Beim Thema Energiepolitik haben CSU und Freie Wähler sich erneut darauf verständigt, ein Stück aus dem bayerischen Sowohl-als-auch-Komödienstadel zur Aufführung zu bringen. Dieses Mal ist es Aiwanger, der den Einsichtigen mimt und den Habeckschen Gesetzesentwurf zum Ausbau der Windkraft begrüßt, während Söder in die Rolle des Wüterichs schlüpft und den Entwurf in Bausch und Bogen verdammt.

Die Staatsregierung hat bis heute nicht verstanden, dass regenerativer Strom nicht "einfach" aus der Steckdose kommt, sondern erzeugt werden muss. Windkraft und Photovoltaik sind die effizientesten Methoden der Stromgewinnung. Statt das brachliegende Potenzial zu aktivieren und den Ausbau dieser beiden Energiequellen zu forcieren, blockieren CSU und Freie Wähler die Energiewende in Bayern. Die Energiepolitik der Staatsregierung nimmt für den Industriestandort Bayern immer mehr die Züge einer Tragödie an.

Roland Sommer, Diedorf

Recht auf bezahlbare Energie

Herr Söder spricht aus, was viele denken: Längere Laufzeiten für die verbliebenen Atomkraftwerke sind eine gute Idee, der Ausstieg aus der Atomenergie war sowieso ein Fehler. Die Politik muss aber aufpassen: Sie darf sich jetzt nicht verschrecken lassen von ein paar linken Chaoten und Grünen, die seit Jahrzehnten das Mantra von der Atomgefahr herunterleiern und in der Vergangenheit auch vor gewalttätigen Protesten nicht zurückgeschreckt haben. Diese Leute repräsentieren jedoch keine Mehrheitsmeinung. Hier muss der Staat Haltung bewahren und die Interessen der anständigen Bürger verteidigen, die ein Recht auf bezahlbare Energie haben.

Toni Vollmer, Bonn

Tanz auf dem Vulkan

In einem krisenhaften Umfeld ausgerechnet auf Atomenergie zu setzen, zeigt eine Bereitschaft für den Tanz auf dem Vulkan. Es wäre an der Zeit, die Bevölkerung über den sparsamen Umgang mit Ressourcen aufzuklären und nicht mit dem Risiko einer weiteren Krise durch Störfälle und Abhängigkeit von autoritären Staaten zu belasten. Eine langfristig angelegte Umweltpolitik wird Menschen eher überzeugen als ein hektischer Zickzack-Kurs. Angesichts der technischen Probleme alter Reaktoren ist Frankreich kein brauchbares Vorbild für eine sichere, krisenfeste Energieversorgung.

Rolf Sintram, Lübeck

Polemischer Spargel-Vergleich

Auf dem Bild zum Artikel (über Mindelheim, wo Windräder willkommen sind; d. Red.) sieht man gerade mal zwei Windräder. Die viel zitierte Verspargelung der Landschaft ist noch ein ganzes Stück weit entfernt. Ein beliebter Begriff, aber nur, wenn man aufmerksam den Worten der Vorsager lauscht und das wiederholt, was die CSU vorgibt. Bleibt man im Bild, dann könnte man sagen: Ja - und? Spargel kann man ja auch essen.

Was nun heißen soll: Ein Windrad zu bauen, ist eine relativ gewöhnliche Aufgabe, verglichen mit einem Atomkraftwerk und dessen Hinterlassenschaften, wenn es dermaleinst wieder entsorgt werden soll.

Das ist dann keine banale Sache, betrachtet man die Halbwertzeiten der radioaktiven Elemente. Sollte man - aus welchen Gründen auch immer - in Zukunft auf Windräder verzichten können, dann bleibt von Windkraftanlagen wiederzuverwertender Schrott übrig, der kein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko darstellt. Wie es aber scheint, wirkt die Lobby der Energiekonzerne noch immer in die Gesellschaft hinein. Manche in der CSU haben den Schuss noch nicht gehört.

Im Isartal schon gar nicht. Dort darf beispielsweise die Automobil- und sonstige Industrie massenweise bestes Ackerland versiegeln. Jeder bayrische Schüler hat irgendwann im Erdkundeunterricht erfahren, dass es in Niederbayern an der Donau entlang ein Lößerdegebiet beachtlichen Ausmaßes gibt. Und Lößerde ist sehr fruchtbar. Als Industrieansiedlungsfläche eine Sünde.

Hört man da einen Aufschrei? Einen ganz leisen möglicherweise? Und die Bauten, die darauf erstellt werden? Welcher qualitative Unterschied ist da zur Verspargelung festzustellen?

Bürgermeister werden daran gemessen, ob sie ihren Bürgern ein gutes Auskommen verschaffen. Da müssen schon mal andere Interessen zurückstehen. Und manche Fehler lassen sich nur mit größtem Aufwand wieder rückgängig machen.

Klaus Holzschuher, Hof/Saale

Denkmalverschandelung

Will jemand sein denkmalgeschütztes Gebäude verändern, bekommt derjenige nur große Schwierigkeiten. Jetzt soll man die wunderbaren historischen, oft als Weltkulturerbe geschützten Anlagen mit Photovoltaik verschandeln dürfen. Sind wir nicht genug klimafreundlich, was passiert in den übrigen Ländern?

Veronika Bartel, Seefeld-Hechendorf

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