Bayer Das Risiko tragen die Mitarbeiter

Hat sich die Bayer AG beim Kauf von Monsanto übernommen, gar verspekuliert? Trotz aller gegenteiliger Beteuerungen des Managements liegt nach Meinung von Lesern diese Auffassung sehr, sehr nahe.

Alles für den Aktienkurs: Bayer-Mitarbeiter protestieren in Wuppertal gegen die Folgen der Monsanto-Übernahme.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)

"Etwas weniger Fortune" vom 12. Dezember und "Absurdes Signal" vom 7. Dezember:

Was die Börse honoriert

Das absurde Signal ist doch, dass ein milliardenschwerer Konzern sich (auch) auf Kosten der Mitarbeiter eine bessere Performance an der Börse zu verschaffen sucht. Der "Börsenwert" der Mitarbeiter sinkt doch schlagartig gegen null, wenn sie denn - weit über die fünfzig - ihre Arbeit verlieren. Mag sein, dass sie noch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, aber zu gleichen Konditionen - da setze ich ein Fragezeichen. Und was, wenn nicht? Nach 18 Monaten steht ein 57-Jähriger an der Schwelle zu Hartz IV. Muss gegebenenfalls mit Privatvermögen für Entscheidungen eines Großkonzerns "haften". Sozialer Abstieg ist programmiert. Das ist wahnsinnig belastend. Und belastet zudem auch die Allgemeinheit. Vorruhestand ist dann nicht die beste, aber immerhin ein sozial verträglichere Lösung als die Arbeitslosigkeit ohne Vorruhestandsregelung. Verluste durch Bezug des ALG 1 werden durch eine Abfindung abgemildert. Die Hartz-IV-Falle wird vermieden. Aber der Betroffene nimmt dennoch Verluste in Kauf. Es sei denn, er hat schon 45 Jahre Beiträge geleistet und ist 63+ Jahre alt. Sonst akzeptiert er den Stand seiner Rente zu dem Zeitpunkt, an dem Zahlungen in die Rentenkasse aufhören, und nimmt zusätzlich noch Abzüge in Kauf, wenn er denn mit 63 Jahren statt mit Erreichen des tatsächlichen Rentenalters 65+ in Rente geht. 0,3 Prozent für jeden Monat. Ja, sicher geht ein Teil dieses Weges auf das Konto Allgemeinheit. Aber ein größerer Teil zu Lasten des Betroffenen. Alexander Hagelüken hat recht. Besser wäre es, diese Mitarbeiter zu beschäftigen, ihnen einen sicheren Arbeitsplatz zu erhalten. Aber honoriert das die Börse? Wohl eher nicht. Eher honoriert sie Arbeitsarbeitsplatzabbau. Und das ist dann wirklich absurd!

Bertram Münzer, Gütersloh

Grundrechenarten anwenden

In seinem Kommentar "Absurdes Signal", in dem Alexander Hagelüken - zu Recht - den vom Bayer-Konzern geplanten Personalabbau kritisiert, schreibt er unter anderem: "Weil sich die SPD heute von der Schröder-Zeit distanziert, verabschiedete sie sich 2013 von verantwortungsvoller Altenpolitik - und belebte die Frührente wieder. Genau dies sollen nun die Bayer-Arbeiter nutzen." Und am Schluss: "Der Konzern hat sich an Monsanto verschluckt und trennt sich dann massenhaft von Mitarbeitern mit 57 Jahren - assistiert von der taumelnden Frührentenpartei SPD." Der Autor muss die SPD und auch deren Rentenpolitik nicht mögen, aber diese mit den Plänen des Bayer-Konzerns zu verbinden, ist blanker Unsinn.

Worum geht es bei den von der SPD durchgesetzten Veränderungen in der Rentenversicherung?

1. Wer mehr als 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, hat bei Eintritt in das Rentenalter (nicht mit 57!) Anspruch auf Grundsicherung, wenn die bis dahin erreichte Rente geringer ist. Das entspricht der auch von anderen vertretenen Auffassung, dass, wer gearbeitet hat, mehr haben muss, als wer nicht gearbeitet hat.

2. Wer 45 Jahre Beiträge gezahlt hat, kann abschlagsfrei in den Vorruhestand gehen. Dass das für die Bayer-Arbeiter mit 57 Jahren nicht zutrifft, sagt einem die Kenntnis der Grundrechenarten. In Worten: 57 - 45 ergibt 12! Nicht 16 oder 18 oder darüber!!

Peter Kreipe, Georgsmarienhütte

Dollarzeichen in den Augen

"Wir haben die größtmögliche Sorgfalt walten lassen, als wir uns Monsanto angesehen haben", wird Werner Baumann, seit Mai 2016 Chef von Bayer, in der "Nahaufnahme" im Wirtschaftsteil zitiert. Wenn ein Spitzenmanager angesichts der heutigen Faktenlage bezüglich Monsanto von damaliger größtmöglicher Sorgfalt spricht und seine Entscheidung noch heute auf explizite Nachfrage mit "ohne jedes Wenn und Aber" kundtut, dann wäre mir die Beschäftigung eines solchen Mitarbeiters in meiner Firma ein zu großes unternehmerisches Risiko. Dem Mann sind ganz offensichtlich einige Sachverhalte durch die Lappen gegangen. Mit Dollarzeichen in den Augen sieht man wohl nicht mehr so gut.

Im Weiteren wird Baumann wie folgt zitiert: "Ich kann Ihnen sagen, dass ich vollumfänglich hinter Glyphosat als sicherem Produkt stehe." Ob Baumann eines Tages "vollumfänglich" die Verantwortung für alles übernehmen wird, was dieser Deal letztendlich mit sich bringt, steht dahin. Bekanntermaßen machen sich Manager stattdessen mit einer fürstlichen Abfindung vom Acker, während alle anderen verbliebenen Bayer-Mitarbeiter mit einem Strohhalm in die Zukunft sehen dürfen.

Wolfgang Ulbricht, Taufkirchen

Kritik nicht nur an der SPD

Dass Alexander Hagelüken empört ist über die Zukunftsplanungen des Bayern-Konzerns, kann ich verstehen. Ich kann die Aktionäre der Bayer AG auch nicht verstehen, die den Kauf von Monanto abgesegnet haben, obwohl diese wissen mussten, welches Risiko die Bayer AG mit dem Kauf einging. Als Bayer-Aktionär hätte ich meine Aktien schon lange abgestoßen. Was ich allerdings nicht verstehe und vor allem nicht akzeptiere, ist das SPD-Bashing in dem Artikel "Absurdes Signal", ohne Fakten zu kennen, auf Grund welcher gesetzlicher Regeln Bayer seine Mitarbeiter loswerden will, und in Kenntnis der Tatsache, dass die SPD schon seit sehr langer Zeit keine Mehrheit im Bundestag hat, um Gesetze in eigener Machtvollkommenheit zu beschließen. Da haben immer andere mitgestimmt. Die müsste der Autor dann auch nennen.

Josef Aman, Augsburg