Camille Pissarro in Basel:Der Außenseiter

Er hat Maler wie Paul Cézanne inspiriert. Und Paul Gauguin gab wegen ihm sogar seinen Beruf als Aktienhändler auf. Dennoch ist der Maler Camille Pissarro kaum bekannt. Das Kunstmuseum Basel widmet dem Impressionisten nun eine große Ausstellung.

Von Katharina Wetzel

Es ist das einfache Leben, das Camille Pissarro (1830-1903) fasziniert. Die Arbeit der Bauern und Landarbeiter. Den größten Teil seines Lebens verbrachte Pissarro, der zu den bedeutendsten Künstlern im Frankreich des 19. Jahrhunderts zählt, mit seiner Familie in kleinen Dörfern außerhalb von Paris. Dort konnte er die Frauen auf dem Feld bei der Heuernte beobachten und sie in Werken wie "Die Ährenleserinnen" verewigen.

Pissarros Kunst unterscheidet sich wesentlich von den Sujets von Claude Monet, Auguste Renoir oder Edgar Degas. In Paris blieb der dänische Staatsbürger mit jüdischen Wurzeln, der in der Karibik geboren wurde, zeitlebens ein Außenseiter. Als Autodidakt bildete er sich, unterstützt durch den dänischen Maler Fritz Melbye, zum Künstler aus, eine akademische Ausbildung lehnte er jedoch ab. Heute gilt Pissarro mit seiner damals neuen Malweise als Wegbereiter des Impressionismus. Populär sind seine authentischen Bilder und Kompositionen, die Momente und Eindrücke der Natur atmosphärisch festhalten, damals nicht - bei der kaufkräftigen Kundschaft gelten sie seinerzeit als primitiv.

Trotz quälender Selbstzweifel ist ihm der finanzielle Erfolg nicht so wichtig. "Die Malerei und die Kunst überhaupt bezaubern mich, das ist mein Leben, worauf sonst kommt es an; wenn man eine Sache mit ganzem Herzen betreibt und mit allem, was man an Edlem in sich trägt, wird man immer einen Gleichgesinnten finden, der einen versteht, da genügen ganz wenige - ist es nicht das, was ein Künstler sich wünschen sollte?", schrieb er in einem Brief vom 20. November 1883 an seinen ältesten Sohn Lucien.

Auch aufgrund dieser kompromisslosen Haltung und seiner künstlerischen Neugier ist Pissarro für viele Künstlerinnen und Künstler seiner Zeit ein wichtiger Ideengeber. Zu seinem Freundeskreis gehören Mary Cassatt, Paul Cézanne, Claude Monet und Georges Seurat. Den Kunsthändler und Aktienhändler Paul Gauguin motiviert er sogar dazu, selbst Maler zu werden. Die Ausstellung im Kunstmuseum Basel, die noch bis zum 23. Januar 2022 zu sehen ist, zeigt Werke Pissarros und setzt sie in Bezug zu den Arbeiten seiner Zeitgenossen. Durch die Gegenüberstellung lässt sich der Einfluss Pissarros auf seine meist jüngeren Künstlerfreunde erkennen.

Während des Deutsch-Französischen Kriegs (1870 bis 1871) werden viele Werke Pissarros zerstört. Einige, die Pissarro vor 1870 malte, sind in Basel zu sehen. Am Ende seiner künstlerischen Laufbahn malt Pissarro Stadt- und Hafenansichten, von einem Hotelzimmer aus in Le Havre direkt am Meer und zuletzt in Paris, als er unter einer chronisch entzündlichen Augenkrankheit leidet. Es sind immer wieder dieselben Motive zu unterschiedlichen Tages-und Nachzeiten. Mit Licht und Schatten.

Die Ausstellung im Kunstmuseum Basel ist noch bis zum 23. Januar 2022 zu sehen. Nähere Informationen finden Sie hier.

© SZ/bica
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402; 402 / ERWEITERUNG STADTCASINO, BASEL/ PRESS IMAGES R. WALTI+R. WEYENETH / 2010

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