Bahn Fahrgäste im Stress

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Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen.

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Erst kürzlich hat der Vorstand der Deutschen Bahn zugegeben, dass das Unternehmen Probleme hat. Ein Leser kann hier seinen Frust über das, was den Fahrgästen täglich zugemutet wird, nicht verbergen.

"Kaputtgespart" vom 11. September:

Alle Pendler, die morgens pünktlich zur Arbeit müssen, leiden unter der maroden Bundesbahn. Es sind nicht nur Verspätungen und Ausfälle, die einen verzweifeln lassen, es ist auch die Art und Weise, wie die Bahn mit ihrem zusammengesparten Personal umgeht, das dann mit uns Kunden überfordert ist.

Da fährt morgens ein doppelstöckiger Regionalexpress ein, und der Waggon in der Mitte kann nicht benutzt werden, weil sich die Türen innen und außen nicht öffnen lassen. Also stehen sich in den restlichen Wagen die Reisenden auf den Füßen. Am Abend kommt dann derselbe Zug aus der anderen Richtung, immer noch mit dem defekten Waggon in der Mitte. Und am nächsten Morgen? Dasselbe Dilemma mit demselben Zug mit demselben Defekt.

Fragt man einen Bahnangestellten, wie das möglich sein könne, erhält man als Antwort, die Bahn habe halt nicht genug Betriebsmittel, und im Depot fehlten Rangierlokfahrer, die einen Zug über Nacht neu zusammenstellen könnten. Vergleicht man die Bahn nun mit einer Molkerei, dann wäre das so, als würde man ein Joghurt kaufen, den Deckel abziehen und da wäre gar kein Joghurt drin. Obwohl das Joghurt gerade teurer geworden wäre. Und der Kundenservice des Unternehmens würde einem dann erklären, dass diese Tatsache ganz normal sei, da die Spezialisten, die das Joghurt in die Becher einfüllen könnten, aus Kostengründen entlassen werden mussten. Für viele Pendler, die aus einer gentrifizierten Metropole in die Vorstädte ziehen mussten und nicht im morgendlichen Stau auch noch die Umwelt verpesten wollen, führt das Leistungsdefizit dieses deutschen Shareholder-Value-Monopol-Staatsunternehmens zu einem täglichen Stress, dem man leider nicht entkommen kann.

Gregor Ortmeyer, Mönchengladbach