Bahn:Die neue Taktung kostet

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Wer kann es sich heutzutage leisten, mit der Bahn zu fahren - und welche Großprojekte leistet sich die Deutsche Bahn von den Einnahmen.

Zu "Der Deutschland-Takt der Bahn wird teuer", 11. Oktober, und zu "Bahn erhöht Preise deutlich" vom 2./3. Oktober:

Verträgliche Lösungen

Der Deutschland-Takt bedeutet nichts weniger als eine "radikale Wende in der deutschen Verkehrspolitik". Leider hat es mehr als 30 Jahre gedauert, bis sich diese Erkenntnis aus dem Schweizer Vorbild auch bei uns durchgesetzt hat. Nun stellt sich aber das neue wohlklingende Etikett "D-Takt" zunehmend als willkommenes Feigenblatt heraus, mit dem man lang gehegte Pläne für fragwürdige Großprojekte durchsetzen kann, die wegen ihrer hohen Kosten, schlechten Energie-, Umwelt- und Klimabilanz höchst umstritten sind.

So sind bei den erwähnten 181 publizierten Projekten unter vielen notwendigen und sinnvollen Maßnahmen elf höchst aufwendige Großprojekte mit allein circa 35 Milliarden Euro Kosten versteckt, für die es moderate, weit günstigere und sogar mit den Fahrplan-Anforderungen besser verträgliche Lösungen gibt. So ist zum Beispiel die avisierte Fahrzeit von dreieinhalb Stunden von Berlin nach Düsseldorf keineswegs notwendig, "damit der Takt gut funktioniert", sondern umgekehrt: Der Takt würde mit einer 15 Minuten längeren Fahrzeit besser organisiert, wichtige Anschlüsse könnten eingehalten werden - zum Nutzen von Pünktlichkeit und Verlässlichkeit.

Ähnliches gilt für die andere Großprojekte. Mit den eingesparten Kosten von circa 50 Prozent des Gesamtbudgets könnte man flächendeckend viele Strecken reaktivieren und elektrifizieren, Bahnknoten ausbauen und die leichtfertig abgeschafften Nacht- und Autozüge wiederbeleben. Damit ließen sich endlich auch in Deutschland Standards erreichen wie in der Schweiz - dem einzigen Land, das tatsächlich Bahnverkehr in dem Maße abwickelt, wie es uns von den Politikern versprochen wird.

Prof. Wolfgang Hesse, München

Wer kann sich das leisten?

Die Wahl wird von Klimafragen geprägt: CO₂-Reduzierung und Möglichkeiten anderer Mobilität. Bevor jetzt alle auf die Bahn umsteigen, werden die Preise erhöht. Das kann ja kaum das richtige Signal sein. Sehr viele hatten und haben mit harten wirtschaftlichen Einschränkungen zu leben. Und die Bahn erhöht die Preise.

Jetzt kann der Benzin- und Dieselpreis locker auf über zwei Euro steigen und ich bin mit dem Pkw immer noch günstiger, selbst wenn ich alleine fahre. Bus und Bahn sind immer auch eine wirtschaftliche Entscheidung und wer ein Auto besitzt, hat die Fixkosten schon bezahlt. Bahnfahren käme oben drauf. Wer soll sich die Bahnpreise leisten, die, die sowieso mit dem Geld nach Corona vorsichtiger sein müssen, mit Sicherheit nicht. Was muss passieren, bis das Bahnfahren auch preislich attraktiv wird.

Christian Petermann, Osterndorf

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