„Störfaktor Frau“ vom 21. März, „Dieser Wechsel wirft kein gutes Licht auf Annalena Baerbock“ und „Eine Unverschämtheit“ beide vom 20. März:
Weggeschnappt
Man stelle sich vor, ein Mann hätte der Spitzendiplomatin Helga Schmid im letzten Moment den für sie vorgesehenen Job bei den Vereinten Nationen (UN) weggeschnappt. Umgehend wäre Frau Baerbock auf der Zinne gewesen, ließ sie doch in den letzten Jahren kaum eine Gelegenheit aus, sich als glühende Verfechterin der Rechte von Frauen in Szene zu setzen. Doch es war Baerbock, die Helga Schmid derart unsolidarisch ins Messer laufen ließ und der Spitzendiplomatin den Top-Job vor der Nase wegschnappte. Dabei gilt Schmid als die beste und international erfahrenste deutsche Diplomatin, während Baerbock als Außenministerin immer wieder als undiplomatisch, weil zu impulsiv, in Erinnerung geblieben ist.
Beim Posten-Geschacher der abgewählten Ampelregierung gaben also die besseren Kontakte und nicht die bessere Qualifikation den Ausschlag. Passend dazu befand der frühere Außenminister Gabriel, von Frau Schmid könnte die unerfahrene Baerbock noch viel lernen. Und der frühere Botschafter Heusgen sprach angesichts der Nichtberücksichtigung von Schmid von einer „Unverschämtheit“ und bezeichnete Baerbock erbost als „Auslaufmodell“. Frau Baerbock hat mit ihrem rücksichtslosen Vorgehen nicht nur ihren Ruf ruiniert, sondern einmal mehr der Politikverdrossenheit Vorschub geleistet und damit der Demokratie insgesamt geschadet.
Josef Geier, Eging am See
Kein gutes Licht
Zum Kommentar „Dieser Wechsel wirft kein gutes Licht auf Annalena Baerbock“ ist mir spontan der Satz eingefallen: „Dieser Beitrag wirft kein gutes Licht auf die SZ.“ Dieser bösartige Kommentar zu einer Frau, die sich seit Jahren für Deutschland engagiert, hat mich entsetzt und wirft für mich die Frage auf, ob die SZ noch die richtige Zeitung für mich ist. Ich frage Sie und mich außerdem, ob es für die so hochgelobte Frau Schmid in der derzeitigen Multikrisen-Situation nicht viel wichtigere Verwendungen als ein solch repräsentatives Amt gibt.
Dr. Hans Köhler, Römerberg
Schmids neuer Posten
In Ihren Beiträgen unter Meinung am 20. und 21. März zur neuen Rolle von Annalena Baerbock wird merkwürdigerweise an keiner Stelle erwähnt, dass Helga Schmid die Leitung der Münchner Sicherheitskonferenz übernehmen wird, was wohl der anspruchsvollere Posten ist. Dass diese wichtige Personalie in den Meinungskommentaren nicht einbezogen wird, irritiert mich.
Manuela Walter, Nürnberg
Wer ist das Auslaufmodell?
Christoph Heusgen, ehemaliger Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, bezeichnet Annalena Baerbock als Auslaufmodell. Grund dafür ist ihre Nominierung für den Posten der Präsidentin der UN-Generalversammlung. Christoph Heusgen weiß, wie Frauenförderung bei der UN geht (Spiegel vom 18. November 2017, SZ-Bericht „Einsatz in Manhattan“ vom 20. November 2017). Er hat seine Ehefrau selbst erfolgreich für eine Stelle bei der UN direkt beim Generalsekretär vorgeschlagen.
Die SZ bläst in dasselbe kritische Horn gegenüber Annalena Baerbock. Nach der Meinung von Daniel Brössler darf eine erklärte Feministin einer anderen Frau nicht die Stelle streitig machen. Ein perfider Vorschlag, quasi ein Erfolgsverbot für Feministinnen.Baerbock führt diesen (alten) Männern offensichtlich auf schmerzhafte Weise vor, dass eigentlich sie die wahren Auslaufmodelle sind. Sie ist vital, weiblich und attraktiv. Das ertragen sie nicht.
Regina Pramann, Dörentrup
Botschafterin, a.D.
Ich war von 1979 bis Juni 2016 Mitarbeiterin im Auswärtigen Amt, zuletzt als Botschafterin in Luxemburg. Ich bin also eine Frau, zwar altgedient, aber keinesfalls düpiert. Ich kenne Helga Schmid aus gemeinsamer Arbeit und habe ihre Karriere über viele Jahre verfolgt. Sie bringt für eine leitende Position bei den Vereinten Nationen alle nur erdenklichen Fähigkeiten mit, die in dieser schwierigen Zeit gerade dort gebraucht würden. Dass ihre herausragenden Qualifikationen ausgerechnet von einer Politikerin mit Füßen getreten werden, die über Jahre unter der Flagge „feministische Außenpolitik“ gesegelt ist, empört mich zutiefst – ebenso wie eine Vielzahl meiner ehemaligen und noch aktiven Kolleginnen und Kollegen im Auswärtigen Amt.
Christine Gläser, Botschafterin a.D., Augsburg
Nicht überzeugend gewirkt
Man könnte der Verteidigung von Frau Baerbocks neuen beruflichen Ambitionen zustimmen, wenn sie als Außenministerin erfolgreich gewirkt hätte. Leider kann ich das nur schwer erkennen: Weder hat sie in den Beziehungen zu Frankreich den dringend notwendigen Ausgleich zum Desinteresse von Scholz geliefert, die Schließung etlicher Goethe-Institute zeugt davon, noch hat sie sonst wichtige diplomatische Initiativen gesetzt. Die Förderung der alltäglichen Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarn stand nicht im Vordergrund ihrer Aktivitäten. Ob sie das nun für die neue Position unbedingt qualifiziert, muss in meinen Augen eher offenbleiben.
Prof. em. Dr. Georg Kremnitz, Österreich/Oberwaltersdorf
Kein Frauenthema
Der Kommentar „Störfaktor Frau“ geht völlig am Thema vorbei. Es geht beim Vorgang um die Besetzung des Postens der Präsidentin der UN-Generalversammlung nicht darum, dass die angeblich altgedienten und düpierten Männer Gabriel und Heusgen die Besetzung mit einer Frau kritisieren. Sie kritisieren nicht das „Ob“, sondern das „Wie“. Tatsächlich hat die „Frau“ Baerbock die „Frau“ Schmid weggeboxt. Es geht um Stilfragen, denn die Qualifikation beider Frauen steht wohl völlig außer Frage. Diplomatie und Feminismus scheinen bei Baerbock vor der eigenen Haustür zu enden.
Elisabeth Nordgauer-Ellmaier, München
Alphatiere
Sie melden sich zu Wort, die gewesenen Alphatiere Christoph Heusgen und Sigmar Gabriel. Sie polemisieren gegen Außenministerin Baerbock, der nach meiner Auffassung neben Minister Pistorius mit Abstand verdienstvollsten Ministerin im Kabinett Scholz. Es scheint für den Ex-Merkel-Berater Heusgen und den Ex-Außenminister Gabriel unerträglich zu sein, wenn eine Frau – und darum geht es wohl – durchsetzungsstark und karrierebewusst agiert und das Präsidentinnenamt der UN-Generalversammlung anstrebt.
Diesen Grund der Polemik hat der Kommentar in der SZ schön herausgearbeitet. Das Weibchen von Homo sapiens soll nach Dafürhalten der Misogynen schön zurückstehen, wo das doch die Kerle alles viel besser können. Sieht der politisch Interessierte gerade sehr drastisch am Beispiel der Putins und anderer Gewaltexekutierer.
Das noch im Amt befindliche Bundeskabinett hat nun mal so entschieden und ich finde die Entscheidung absolut richtig. Denn in den im Artikel zitierten „stürmischen Zeiten“ ist es folgerichtig, eine Kandidatin zu benennen, die einerseits diplomatisch agieren kann und sich andererseits traut, einen Diktator auch als solchen zu benennen. Eine andere Sprache verstehen die doch sowieso nicht. Und es war Ministerin Baerbock, die demonstrativ den Kopf schüttelte, als der US-Vize Vance in seiner Ansprache auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine reaktionäre und unsachliche Verbalsauce über Europa ausspie.
Von den neben Frau Baerbock in der ersten Reihe sitzenden Herren habe ich solch eine Reaktion nicht wahrgenommen, eher ein Wegducken. Ich plädiere für starke Frauen an den Schaltstellen der Macht!
Michael Carl, Türkenfeld
Unschön, aber verständlich
Ausgeprägtes Geltungsbedürfnis akzeptieren wir eher bei einem Mann als bei einer Frau. So gesehen könnte man die Stilkritik an der neuesten Wendung in Annalena Baerbocks Werdegang als frauenfeindliches Klischee abtun. Aber dass sich der bereits greifbare Karrieretraum einer offensichtlich sehr tüchtigen Beamtin ganz plötzlich zerschlagen soll, nur damit eine Politikerin vorläufig ein wenig weicher fällt? Das würde wohl auch kritisiert, wenn es sich um zwei Männer handelte.
Für die Beamtin, die zu akzeptieren gelernt hat, dass Politiker immer, unabhängig von ihrer Qualifikation, absoluten Vorrang vor Beamten genießen, ist die Zurücksetzung vielleicht gar nicht so schlimm. An ihr bleibt kein Makel haften, eher im Gegenteil. Was aber soll Annalena Baerbock machen, wenn das Jahr in New York vorüber ist? Ihr Abgeordnetenmandat kann sie dann nicht mehr reaktivieren. Sollten wir nicht auch ein wenig Mitleid mit ihr haben?
Ich finde, dass die permanent im Raum stehende Drohung des Absturzes ein echter Nachteil des Politikerberufs ist. Nur bei Topmanagern in der Privatwirtschaft ist das vielleicht ähnlich. Aber selbst sie können wohl leichter als Politiker, jedenfalls ohne allzu kritisch beäugt zu werden, etwas Neues beginnen. Fazit: Die Affäre Baerbock ist nicht in erster Linie ein Frauenthema. Sie ist unschön, aber auch irgendwie verständlich.
Axel Lehmann, München
Außenministerin für alle
Frau Baerbock hat nicht nur aus klimatisierten Büros mit dick gepolsterten Sesseln agiert, sondern sie ist dahin gefahren, wo es brennt: nach Charkiv, nach Gaza und in andere Regionen der Welt. Meines Wissens haben Herr Heusgen oder Frau Schmid derartige „Ausflüge“ nicht unternommen. Das wäre ja für die angestrebten Karrieren nicht dienlich gewesen, eventuell schädlich. Die Anmerkung, dass sie ihre Dienstreisen akribisch geplant hat, spricht für Frau Baerbock.
Ich persönlich bedauere den Abschied von Frau Baerbock sehr, da sie nicht nur mit den Gesprächspartnern gefrühstückt hat, wie fast alle Vorgänger, sondern immer Rückgrat gezeigt hat und empathisch war, nicht nur für Frauen, sondern für alle Menschen, die in Not sind, waren und sein werden. Aber so etwas ist von einem christlichen Unionspolitiker wohl nicht zu erwarten.
Gunther Wittig, Leitershofen
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