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Autodesign:Gegen den Trend?

Kunden werden das schon wollen - oder auch nicht? Ein Artikel über breite Fronten und überdimensionierte Kühler an vielen Modellen stößt auf Zustimmung. Solche Designs passten auch nicht unbedingt zu den Umweltzielen der Branche.

Viele Autos großer Hersteller kommen mit auffälligen Kühlerdesigns auf den Markt.

(Foto: BMW/Illustration: SZ)

Zu "Schnauze" vom 2./3./4. Oktober:

Achtung, Abstand halten

Als Leser von Automagazinen warte ich bisher vergeblich auf eine Kritik am aktuellen Autodesign. Stattdessen wurde ich jetzt damit überrascht im Feuilleton der SZ. Die zunehmend aggressiv wirkenden "Schnauzen", wie der Autor die Frontpartien der Autos nennt, betreffen zwar vorerst eher das Luxussegment, das jedoch oft Entwicklungen für die Volumenmodelle vorwegnimmt. Ein gutes Beispiel ist die eher befremdlich wirkende neue BMW-Niere. Allerdings ist das für europäische Augen zu extrovertierte Frontdesign wohl auch eine Anpassung an die Wünsche einer zahlungskräftigen Klientel. Das teuer erworbene Auto soll eben nicht nur gut fahren, sondern den anderen auch signalisieren: Ich habe es geschafft, dringend Abstand halten, sonst droht der Angriff!

Die durch das Design gestaltete soziale Abgrenzung, die gegenwärtig ohnehin verstärkt werden könnte durch die derzeit leider notwendigen Abstandsregeln für alle Menschen wegen der Pandemie, wird von den Fahrerinnen und Fahrern eines monsterhaft wirkenden SUV oder einer teuren Luxuslimousine als Nebeneffekt bewusst mitgekauft. Die Autodesigner stilisieren ein Autogesicht mit der Erwartung des Herstellers auf weltweit gute Verkaufszahlen. Doch es gibt auch noch immer - oder schon wieder - viele freundlich-elegante Frontpartien bei neuen Automodellen. Die Käufer haben also die Wahl und bestimmen daher letztlich über die zukünftigen "Schnauzen" der Autobranche mit.

Hermann Lehleiter, Metzingen

Unpassender Vergleich

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, und mir haben neue Autos auch schon mal besser gefallen als der neue BMW. Aber zu behaupten, der Grill diene dazu, "kleine Schulkinder zu häckseln", ist nicht originell. Mit derartigen Aussagen stellt der Autor den Hersteller in eine Linie mit Waffenproduzenten, und Käufer sind dann potenzielle Totschläger? Ich würde es sehr begrüßen, wenn in Zukunft solche Vergleiche unterlassen werden. Die SZ sollte lieber dazu beitragen, dass trotz notwendigen Diskussionen Toleranz im Mittelpunkt steht.

Stephan Roth, Grasbrunn

Design spiegelt PS-Zahl wider

Ich dachte schon, ich bin allein auf weiter Flur mit meiner Wahrnehmung und Beurteilung der immer aggressiver wirkenden Frontpartien diverser Automodelle. Mercedes zum Beispiel formt die vorderen seitlichen Lufteinlässe der neuen E-Klasse so, dass sich aus einem bestimmten Blickwinkel die Anmutung eines Haifischmauls ergibt. Oder Audi: Man hat hier mit aufgeblähten, eckig-scharfkantigen Kühlergrills schon vor BMW diese Designsünde in die deutsche Autowelt gebracht. Leider folgt BMW nun auch diesem Trend, der sicher in einigen Ländern der Welt (zum Beispiel in den USA) Gefallen findet und daher für Umsatz sorgt. Im Übrigen entsprechen auch manche Heckpartien einiger Modelle dem, was man früher zu Recht "Japanisches Barock" nannte. Designhölle! Selbstverständlich korrespondiert diese neue Formensprache mit überdimensionierten Motorenleistungen einschließlich dröhnender Auspuffanlagen. Noch gar nicht lange her, dass die Automobile deutscher Premiumhersteller für klare Linien, Eleganz und gutes Design standen.

Gunter Rothmund, Margetshöchheim

Was "der Kunde" angeblich will

Endlich eine ausgezeichnet formulierte Kritik an der grassierenden Mode, wenig nutzerfreundliche große und schwere Protzautos zu bauen. Der Artikel hebt sich wohltuend ab von so mancher PS-geilen Besprechung neuer Autos im Teil "Mobiles Leben" in der SZ. Auch mir stellt sich die Frage, wo im Autodesign der Sinn für praktischen Nutzen geblieben ist. Das treffend "Sturmhaube" getaufte Prinzip der als Sehschlitze ausgeführten Verglasung vieler heutiger Autos ist ein neuerer Beitrag zu dem Rätsel, das sich mir seit vielen Jahren stellt. Wie konnten etwa auch die früheren praxistauglichen Stoßstangen flächendeckend durch lackierte, integrierte, voluminöse "Front- und Heckschürzen" verdrängt werden, die beim kleinsten Anstoß teure Reparaturen bedingen?

Fragt man bei Herstellern und Kunden nach, stößt man auf ein offenbar grundlegendes Missverständnis: Die Hersteller behaupten, "der" Kunde wolle das so, der kritische Kunde aber stellt ernüchtert fest, dass etwas anderes gar nicht mehr angeboten wird! Ein Schelm, der Böses dabei denkt, wenn ihm angesichts der "Sehschlitze" dringend angeraten wird, für gutes zusätzliches Geld zumindest eine Rückfahrkamera oder sogar eine komplette künstliche Rundumsicht mitzubestellen. Ich vermute, dass die Autodesigner die zukünftigen, selbstfahrenden Autos bereits ohne jegliche Verglasung planen und den Innenraum zu einem perfekten Heimkino gestalten werden. Der Kunde wird das schon so wollen.

Rainer Schäfer, Walzbachtal

Lächerliche Ego-Schau

Angesichts des zunehmend grassierenden Monsterkühlergrill-Designs fühle ich mich mitunter an das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf erinnert. Frage: Warum hast du ein so riesengroßes Maul? Antwort: Damit ich dich besser frrrressen kann!!! Bleibt nur zu hoffen, dass in absehbarer Zeit ein allgemeines Tempolimit eingeführt wird - dann bleibt von dem ganzen Droh- und Imponiergehabe nur noch eine lächerliche Ego-Show übrig.

Jürgen Ahrens, München

© SZ vom 13.10.2020
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