Verhalten im StraßenverkehrFahren, fahren, fahren auf der Autobahn

Lesezeit: 3 Min.

Stress auf der Autobahn: Würde ein Tempolimit helfen?
Stress auf der Autobahn: Würde ein Tempolimit helfen? Leonhard Simon/Leonhard Simon

Ein SZ-Autor beklagt sich über die vielen Raser und Drängler auf der Autobahn. Ein echtes oder nur ein gefühltes Problem? So beurteilen es die Leser.

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Essay „Auto-Aggression“ vom 3. August:

Mehrheit fürs Tempolimit

Vielen Dank für Ihren Artikel über Stress im Straßenverkehr. Die Mehrheit der Bevölkerung ist für ein Tempolimit ebenso wie die Mehrheit im Parlament. Nur die FDP sperrt sich. Hoffentlich ist nach diesem Koalitionsvertrag Schluss mit der Schlachterei auf Deutschlands Straßen! Die Zehntausende Hinterbliebenen, die ihre Freunde, Kollegen, Frauen, Männer, Väter, Mütter und Kinder verloren haben, werden es einer neuen Regierung ebenso danken, wie die Zehntausende, die durch Verletzungen ein ähnliches Lebenslanges Unfalltrauma davontragen. 

Klaus Siersch, München

Schnell fahren ist nicht rasen

Eine ganze Seite haben Sie dafür verwendet, das Phänomen der „Raserei“ (jawohl, die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt, denn es gibt einen Unterschied zwischen rasen und schnell fahren) zu beschreiben. Auf der ganzen Seite taucht allerdings nicht ein einziges Mal der Terminus „Rechtsfahrgebot“ auf. Ich fahre seit 1978 Auto, gerne schnell, und bin noch nie wegen rücksichtslosem Fahren auch nur in die Nähe des Gesetzes gelangt.

Alexander Engel, Brüssel (Belgien)

Extrem selten

Die Wahrnehmung des Autors mit dem impliziten Wunsch nach mehr Rücksicht im Straßenverkehr möchte ich mit meiner eigenen Wahrnehmung ergänzen. Ja, auch ich kenne den Typ Autobahnfahrer, der ungeachtet der Verkehrsbedingungen versucht, sich die linke Spur exklusiv freizuräumen. Aber in meiner Erfahrung sind diese Zusammentreffen extrem selten. Man muss allerdings erwähnen, dass ich grundsätzlich ganz rechts fahre und nur zum zügigen Überholen nach mehrfachem Rückspiegel-Check nach links wechsele, um schneller Fahrende nicht zu Bremsvorgängen zu zwingen. Genau das gegenteilige Verhalten ist aber leider das, was ich inzwischen als Standard auf deutschen Autobahnen beobachte. Insofern lohnt sich, wenn man ein aggressives Verhalten anderer wahrnimmt, ein kritischer Blick darauf, wie viel Rücksicht man eigentlich selbst übt.

Dr. Nikolaj Klingemann, München

Falsches Allheilmittel Tempolimit

Der Autor muss wohl in eine Art von Verkehrsvorhölle geraten sein, was sage ich, direkt in die Hölle deutscher Autobahnen. Ich selbst habe so was auf deutschen Autobahnen noch nicht erlebt, wurde nie bedrängt, beschimpft, bedroht. Lichthupen, heulende Motoren, vergessene Anstandsregeln bei Fahrern übermotorisierter SUV-Panzer? Nein, niemals.

Vielleicht liegt es ja auch an der Fahrweise des Autors, der beim Überholen eines Lkws plötzlich feststellt, dass ein anderes Auto denselben Einfall hatte und dadurch – huch! – plötzlich hinter ihm auftaucht. Mit Innenspiegel-Außenspiegel lassen sich solche Situationen vermeiden. Allerdings kann man dann nicht mehr gegen die diversen Automarken abledern.

Interessant die fundierte Meinung des Präsidenten der deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie, Wolfgang Fastenmeier. Er stellt fest: Die Anzahl der Vergehen im Straßenverkehr ist rückläufig. Es gibt nur eine kleine radikale Minderheit von verantwortungslosen Rasern, der Großteil der Fahrer verhält sich vernünftig, eher defensiv. Die Wirksamkeit von Strafen wird überschätzt. Aggressives Verhalten und Tempolimits stehen in keinem Zusammenhang. Das Fazit: Es ist falsch, immer nur den Verkehrsteilnehmer ins Visier zu nehmen und härtere Bußgelder und Tempolimits zu fordern. Dem kann ich mich nur anschließen.

Im nächsten Satz fordert der Autor, unberührt von Expertenaussagen, ein Tempolimit plus härtere Strafen wie in seinem vorbildhaften Traumland Schweiz. Die Lösung der Verkehrsprobleme sieht der Autor offensichtlich in lückenloser Überwachung. Die Schweiz hat begonnen, ist aber noch weit hinter dem Pionier des Überwachungsstaates China zurück.

 Dr. Wilhelm Ruhland, Freyung

Billige Klischees

Dieser Artikel hat mit objektiver Berichterstattung nichts zu tun. Der Autor scheint hier seine eigene traumatische Erfahrung verarbeiten zu wollen. Mit möglichst martialischen Beschreibungen („giftgrüner Porsche“, „Supersportwagen“, „riesige SUVs“, „panzerförmige PS-Monster“) werden billige Klischees bedient. Als Beleg für eine angeblich gestiegene Aggressivität der „ansonsten seriösen Herren“ wird eine Befragung von Autofahrern angeführt. Dass diese Befragung aber logischerweise nur subjektive Eindrücke wiedergibt und im Übrigen den Eindruck des Autors in keiner Weise bestätigen kann, deckt der befragte Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie auf. Warum wird die nicht aussagekräftige Umfrage dann gleichwohl vom Autor des Artikels zitiert?

Auch das weitere Klischee, dass es angeblich Fahrer bestimmter Marken sind, die durch erhöhte Aggressivität auffallen, wird bedient. Die hierfür herangezogene Statistik von Check24 ist dafür allerdings nicht geeignet. Sie wird nämlich aus freiwillig von Check24-Kunden angegebenen Daten gespeist. Sind daher vielleicht die Porsche-, Jaguar- und Teslafahrer nur die ehrlicheren Autofahrer, wenn sie gegenüber Check24 Strafpunkte in Flensburg angeben? Der Großteil der Verkehrsteilnehmer verhalte sich meistens vernünftig und eher defensiv, wird der Verkehrspsychologe zitiert. Der Autor versucht aber, das Gegenteil zu suggerieren. Worum es dem Autor eigentlich geht, wird zum Schluss seines Artikels deutlich: Mal wieder das leidige Thema allgemeines Tempolimit. Auch hierzu äußert sich der Verkehrspsychologe. Er sieht keinen Zusammenhang zwischen aggressivem Fahrverhalten und Tempolimit. Damit ist alles gesagt – allerdings nicht für den Autor, der im Tempolimit (natürlich) die Lösung seines Problems sieht.

Christian Sperling, München 

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