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Aschermittwoch:Zahlenmystik und Sauertopf

Ob tatsächlich 7000 Besucher in die Nibelungenhalle passen? Da hat ein Leser seine Zweifel. Von anderer Seite heißt es, dass der politische Fasching ein bisschen mehr Humor vertragen könnte.

Zu "Narr und Närrin" vom 4. März und "In Rausch und Braus" vom 2./3. März:

Zum Mythos des Aschermittwochs gehört offenbar auch eine unzerstörbare Zahlenmystik. 7000 BesucherInnen fasste die Nibelungenhalle nach Auskunft der Autorin. Das stimmte, wenn alle dicht an dicht standen, wie beim legendären Passau-Auftritt von Joe Cocker Anfang der 90er-Jahre. Mit Bänken und Tischen sah die Sache schon anders aus, wovon ich mir zu dieser Zeit einmal quasi empirisch ein Bild machte. Als Reporter der örtlichen Presse in die Halle entsandt, nahm ich mir gemeinsam mit einem Kollegen Zeit, das Aschermittwochspublikum durchzuzählen. Mehrmals. Wir kamen auf 3000. Platzwechsel und Laufkundschaft eingerechnet - über 4000 wären es nie gewesen. In der Redaktionskonferenz interessierte das niemanden. Am nächsten Tag war schwarz auf weiß - wie alle Jahre wieder - von 7000 bis 8000 Leuten die Rede. Bis heute wandert die Zahl als Legende durch die Medienlandschaft. Zu der wunderbaren BesucherInnen-Vermehrung gibt es in der Fachliteratur diverse Hypothesen.

Konrad Haberger, Hauzenberg

Welche Empörung ein - zugegeben - grenzwertiger Witz über sexuelle Minderheiten (aber eigentlich auch über Männer!) auslöst, ist schon überraschend. Ist es denn nicht so, dass man über alles lachen können sollte, auch über seine eigenen Besonderheiten? Könnte das bedeuten, dass den minderheitsbesorgten "Gutmenschen", die jetzt so vehement die Political Correctness und sogar eine Entschuldigung einfordern, nicht so recht der Selbstironie fähig sind? Entschuldigt sich vielleicht jemand bei meiner blonden Frau für Blondinenwitze oder bei mir (Bauch), wenn ich nach schon spürbaren Kindsbewegungen gefragt werde?

Ist denn die "Anerkennung der eigenen Identität", ja des "authentischen inneren Selbst", das derzeit auf individueller und nationaler politischer Ebene immer vehementer eingefordert wird, nur sauertöpfisch und ohne jegliche Selbstreflexion - also spaßfrei - möglich? Vor über 40 Jahren hat Wolfgang Ambros so schön gesungen: "A jeda gheat zu ana Minderheit, a jedn geht's wos o; a jeda hot a Handicap, an jedn geht's aso." Wenn wir uns alle zur tabuisierten, schutzbedürftigen und witzfreien Minderheit erklären, dann gesellschaftliches Zusammenleben, gute Nacht!

Dr. Helmut Grosch, Moers

© SZ vom 07.03.2019
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