Kommentar "Der Höllensturz" vom 13. Januar:
Permanentes Ampel-Bashing
Der Kommentar von Kurt Kister gibt mir Gelegenheit, meinen lange gehegten Ärger über die Berichterstattung der Süddeutschen und anderer seriöser Medien über die Ampelregierung zum Ausdruck zu bringen. Ich wäre sehr daran interessiert, zu erfahren, welches Ziel die Süddeutsche mit dem permanenten Ampel-Bashing eigentlich verfolgt, denn aus meiner Sicht arbeitet sie so nur der AfD in die Hände. Was erwartet man nach zwei Jahren von einer Regierung, die noch mit den Folgen einer Pandemie befasst war und auf einen furchtbaren Krieg zu reagieren hatte? Die außerdem konfrontiert war und ist mit der Klimakatastrophe, einer teils herbeigeredeten Wirtschaftskrise, der Bedrohung durch eine mögliche neue Trump-Wahl, dem Rechtsruck in ganz Europa ...
Ich könnte die Liste dessen, was diese Regierung in kürzester Zeit zu bewältigen hatte, noch endlos verlängern. Welche Wunder erwarten Sie von diesen am Limit arbeitenden Menschen? Ist die Überschrift "Höllensturz" des Kommentars des von mir geschätzten Herrn Kister nicht vielleicht etwas zu hoch gegriffen? Zwar räumt Kister ein, die Aufgaben seien groß und schwer zu bewältigen, lässt aber dennoch keinerlei Gnade bei seiner Abrechnung walten. Warum nur sind die Regierenden immer so dumm, nicht einfach zu tun, was die eifrig ihrer Aufgabe, sie zu kontrollieren, nachgehenden Journalisten ihnen sagen?
Katharina Leube-Sonnleitner, München
Zu wenig Bereitschaft zum Wandel
Genau solche Kommentare tragen zur Unzufriedenheit mit der Regierung bei, denn die Medien basteln eifrig an der Demontage mit. Statt sachlicher Berichterstattung werden oft nur die sogenannten Streitereien der Ampel dargestellt. Es wird auch nicht vermittelt, dass es ein demokratischer Prozess ist, wenn drei Koalitionäre mit so unterschiedlichen Interessenlagen einen Kompromiss suchen und finden. So wurde das Heizungsgesetz in Grund und Boden kritisiert, obwohl es zunächst nur ein Entwurf war. In der Folge sind das Vertrauen in die Regierung eingebrochen und der Absatz von Wärmepumpen zurückgegangen.
Leider vergisst die Mehrheit der Bürger, dass ein "Weiter so" wie unter der CDU nicht mehr geht. Fast 32 Jahre lang haben wir fast alles verschlafen oder behindert, was einer zukunftsfähigen Gesellschaft dienlich gewesen wäre. Dass Menschen sich gegen diesen Wandel stellen, ist verständlich, aber falsch. Gerade die Bauernproteste zeigen, wie klein die Bereitschaft ist, einen eigenen notwendigen Beitrag zur Veränderung der Gesellschaft zu leisten. Mahner wie die Klimaaktivisten werden dagegen kriminalisiert.
Michael Beck, Wolfenbüttel
Linksliberale Zeitung?
Die Süddeutsche Zeitung ist eine linksliberale Zeitung, aber nicht in allen Teilen. Der politische Teil ist keineswegs linksliberal, sondern neigt eindeutig den konservativen Parteien zu. Der Gegner ist die SPD. Das fiel zu Zeiten von Kohl und Merkel, die den gesellschaftlichen und ökologischen Wandel behinderten oder verhinderten, nicht besonders auf. Daher vielleicht das Etikett "linksliberal" für die SZ. Jetzt, wo der ökologische Wandel in großer Schnelligkeit vorgenommen werden muss, der gesellschaftliche Wandel drängend ist und die Ampelkoalition sich diesem Wandel mit großem Ernst und Mut widmet, schlägt sich die SZ auf die Seite der Gegner des Wandels. Ich weiß schon, was die SZ auf meine Kritik erwidern wird: Wir machen keine Politik, wir berichten nur über sie. Aber das tun Sie nicht. Sie schreiben "Streit", wo Sie "Debatte" schreiben müssten. Sie berichten kaum über die Probleme des Wandlungsprozesses, sondern nur über Fehler der Ampel. Über Erfolge berichten Sie nicht. Im Meinungsteil schreiben Sie massiv gegen die Ampel.
Eckhard Rieke, Berlin
Wursteln bis Ostern
Bundeskanzler Scholz warnt bezüglich der Bauernproteste vor einem toxischen Gemisch. Das ist der Knackpunkt: Diese Regierung schwebt in höheren Sphären, kann nicht die Sprache der Bevölkerung sprechen. Unfähigkeit ist das Markenzeichen dieser "Politzauberer". Und Konsequenzen werden sie im Moment nicht ziehen. Sie werden versuchen, bis zur Osterpause weiterzuwursteln. Es sei denn, die SPD rutscht in den Meinungsumfragen auf unter zehn Prozent ab. Dann wird der Cäsar-Mord aus der SPD erfolgen. Bei der kürzlichen SPD-Fraktionsklausur versuchte Kanzler Scholz, die Wogen zu glätten. Jetzt muss er nur noch konsequent sein und sich verabschieden. Das Land hat einen besseren Bundeskanzler verdient.
Dr. Detlef Rilling, Wesseln
Auf einem guten Weg
Beim Lesen der Formulierung "dead coalition walking" im Kommentar von Kurt Kister drängt es mich, öffentlich auszusprechen, dass ich bei allen Widrigkeiten mit der Arbeit der Ampelregierung sehr zufrieden bin. Ich finde es wohltuend, eine Regierung zu haben, deren Minister im Vergleich zu vielen Vorgängerregierungen sich um die Sache bemühen (die Lösung anstehender Probleme) und nicht darum, möglichst viele Wählerstimmen zu sichern.
Bei der Ampelregierung zeichnet sich die Anatomie der Demokratie deutlich und nachvollziehbar ab, was offenbar für viele Bürgerinnen und Bürger befremdend ist. Eine Zukunftsgesellschaft muss aber akzeptieren und lernen, dass es bei der verwirrenden Komplexität diverser Themen wie etwa in der Klimapolitik keine einfachen und für alle gerechten Lösungen gibt und die Regierungsentscheidungen immer wieder aufs Neue mühsam ausgefochten werden müssen. Mit der Ampelregierung sind wir auf einem guten Weg.
Roberta Burkhardt, Bayerisch Gmain
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