„Deutschland ist Schlusslicht in der Prävention“ vom 5. Dezember:
Alkoholangebot beschränken
Nachdem ich Jahrzehnte in der Suchtmedizin gearbeitet habe, ambulant und stationär, mit Alkohol-, Drogen- und verhaltenssüchtigen Patienten, vom Maßregelvollzug bis zu reichen Selbstzahlern, begrüße ich sehr Ihren Blick in andere Staaten zur Eindämmung des Alkoholproblems. Da lässt sich tatsächlich sehr viel mehr durch Beschränkung des Angebots erreichen als bei Zucker und Fetten. Im Hinterkopf bleibt die Frage, ob die geringeren Zahlen von Suchterkrankungen in einigen der genannten Länder nicht auch mit allgemein größerer Lebenszufriedenheit dort zusammenhängen.
Weniger German Angst, weniger Stress, mehr Zufriedenheit, soziale Verbundenheit. Bei der Behandlung von Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen fällt mir oft der Witz mit dem Betrunkenen ein, der seinen Schlüssel unter der Laterne sucht, obwohl er ihn vor der Haustür verloren hat. Weil er unter der Laterne besser sieht! Wir fokussieren unsere Anstrengung gern dort, wo wir vermeintlich am leichtesten etwas erreichen.
Dr. Peter M. Roth, Calden
Doppelbotschaft
In Ihrer Ausgabe vom 5. Dezember wird unter anderem der übermäßige Alkoholkonsum der Deutschen thematisiert. Es wird zu Recht kritisiert, dass von staatlicher Seite aus viel zu wenig getan wird, um Rahmenbedingungen für ein gesundes Verhalten zu schaffen. Ich blättere weiter und sehe im Wirtschaftsteil, dass die SZ auf zwei ganzen Seiten für ihre „Wein-Edition Winter“ Werbung macht und „genussvolle Weinmomente“ verspricht. Wo bleibt hier die Verantwortung der SZ?
Lydia Ehrhart, München
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