Ein Zeitumkehrer, das wär's. So einer, wie ihn Hermine in "Harry Potter" hat. Mit dem man zurück in die Vergangenheit reisen und den Lauf der Dinge ändern kann. Und da gäbe es doch gerade so einiges: Die Wahlergebnisse aus Bayern und Hessen etwa, die vielen Menschen Angst machen. Den Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel, der in seiner Brutalität kaum zu erfassen ist. Oder das Erdbeben in Afghanistan, das mehr als 2000 Menschen das Leben gekostet hat. Bitte was? Davon hast du noch gar nicht gehört? Vergangenen Samstag bebte die Erde im Westen Afghanistans binnen weniger Stunden mindestens achtmal heftig, die Stärke lag zwischen 4,6 und 6,3. Seitdem kam es zu mehreren Nachbeben. Es gibt viele Tote und Verletzte, ganze Dörfer wurden zerstört. Hilfsorganisationen warnen zudem vor einer Hungersnot: Das Land ist arm und durch die Herrschaft der Taliban gezeichnet, es stehen 80 Prozent weniger Hilfsgelder zur Verfügung als im vergangenen Jahr, jetzt auch noch das Beben. Afghanistan wird in eine Katastrophe schlittern. Trotzdem hört und liest man darüber weniger als über Israel oder die Ukraine, die Erschütterung abseits der Richterskala scheint weniger groß. Das ist bitter, aber erklärbar: Menschen haben nur begrenzte Aufmerksamkeit, und Medien buhlen darum. Bevor Medien berichten, fragen sie: Wie aktuell ist etwas? Wie bedeutsam? Wie nah? Wie überraschend? Nach dieser Logik bekommt Afghanistan gerade weniger Aufmerksamkeit. Das ist bitter. Noch bitterer ist die Anzahl der Krisen, Kriege und Konflikte auf der Welt. Einmal Zeitumkehrer, bitte!
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Israel, Ukraine, Afghanistan: Alle drei Länder kämpfen gerade mit schlimmen Krisen. Trotzdem hört man von manchen mehr als von anderen. Woran liegt das?
Von Nina Himmer