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AfD:Gefährliche Gewöhnung

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Der thüringische AfD-Vorsitzende Andre Poggenburg beleidigt die Türken in Deutschland - und keiner protestiert? Doch! SZ-Leser. Einer hält den grölenden Beifall des Publikums für schlimmer als Poggenburgs Provokation.

"Poggenburgs Hass-Sprüche" vom 16. Februar:

Zahl der Tabubrüche nimmt zu

Die Hetze von AfD-Funktionären gegen Minderheiten ist schlichtweg unerträglich. Soeben hat der sachsen-anhaltische, rechte Scharfmacher André Poggenburg mit Aussagen gegen die Türkische Gemeinde Deutschlands von sich reden gemacht. Die Zahl der Tabubrüche durch Rechte nimmt erschreckend zu. Gemeinsam mit dem ebenfalls rechtsnational-völkischen Björn Höcke wurde erneut üble Demagogie betrieben und unter dem Beifall des braunen Mobs sich der Sprache aus dem Wörterbuch des Unmenschen bedient. Ich sehe die Gefahr, dass sich die Menschen langsam an diese menschenverachtende Sprache gewöhnen und gar nicht mehr genau hinhören, wenn Minderheiten und politisch Andersdenkende beleidigt und herabgewürdigt werden.

Die Sprache der Rechtspopulisten und Rechtsradikalen ist verräterisch, und Volksverhetzung muss juristisch verfolgt werden, denn der Kampf gegen rechts muss ja politisch und juristisch erfolgen. Die Tatsche, dass braune Protagonisten die drittstärkste Fraktion im Bundestag stellen und die politische Debattenkultur sich dort schon nach rechts radikalisiert hat, muss zum Zusammenhalt von Demokratinnen und Demokraten mahnen.

Leider wird die SPD wohl in die Regierung eintreten und die Rolle der demokratischen starken Opposition nicht wahrnehmen. Ein weiterer Grund für das notwendige gemeinsame Agieren der Demokraten gegen rechts. Über die Anfänge sind wir schon weit hinaus. Dunkeldeutschland ist stärker und näher, als manche denken.

Manfred Kirsch, Neuwied

Immer das gleiche Schema

Und am Ende sollen die Hasstiraden nur "Satire" gewesen sein? Wenn der sachsen-anhaltische AfD-Vorsitzende André Poggenburg schon türkischstämmige Menschen pauschal beleidigt, dann sollte er wenigstens auch am Tag danach dazu stehen und sich nicht wie ein Feigling hinter irgendwelchen Ausreden verstecken! Die AfD-Strategie läuft immer wieder nach demselben Schema ab: am ersten Tag provozieren und beleidigen, am zweiten Tag zurückrudern und vom dritten Tag an zur Tagesordnung übergehen. Aber: Was uns alle noch mehr erschüttern sollte als derartige Hetzreden, ist der grölende Beifall der Zuhörerschaft mit dem hundertfachen Ruf "Ausweisen, Ausweisen!" Wenn diese Geisteshaltung eine "Alternative für Deutschland" sein soll, dann gute Nacht.

Dr. Robert Staudigl, München

© SZ vom 22.02.2018

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