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Zwischen Kindern und Beruf:"Mutig sein"

Sascha Schmidt

(Foto: privat)

Wir leben in einer Zeit, in der sich neue männliche Vorbilder manifestieren. Setzt das die Väter von heute auch unter Druck?

Ja und nein. Ja, weil wir jetzt den Grundstock dafür setzen, wie es unseren Söhnen gehen wird, wenn sie einmal Väter werden bzw. wie sie als Vorgesetzte später einmal entscheiden werden, wenn Väter beruflich die Gleichberechtigung leben wollen. Und nein, weil ich auch sagen möchte: Das dauert seine Zeit. Macht Euch nicht allzu großen Druck. Es ist noch ein langer Weg, bis wir traditionelles Denken überwunden haben und die Köpfe anders ticken.

Wie sollte sich denn nun ein Mann verhalten, der seinem Chef beibringen möchte, dass er über die zwei Monate Elternzeit hinaus beruflich kürzer treten möchte?

Er sollte seinen Mann stehen. Mutig sein.

Das hört sich jetzt ein bisschen zu einfach an.

Ist es aber nicht. An diesem Punkt gelangt der Mann sehr schnell zum Thema Selbstwertgefühl. Wenn er von seinem Vorhaben überzeugt ist, dann sollte er mit der gleichen Überzeugung zu seinem Vorgesetzten gehen und ihm mitteilen: "Ja, ich möchte drei Tage die Woche arbeiten. Ja, ich weiß, dass das mit meiner Arbeit vereinbar ist. Ja, ich habe dafür schon mal ein Konzept ausgearbeitet. Und ich zeige Ihnen jetzt, wie das aussehen kann." Nichts anderes wird auch von den Frauen verlangt. Wenn sie einen verantwortungsvollen Posten haben, müssen die sich genauso im Vorfeld damit auseinandersetzen, wie das funktionieren kann. Nur: Ein Mann hat in dieser Situation einen ganz anderen Kampf auszufechten, weil er anderen Vorurteilen begegnet. Diese Vorurteile muss er aushalten können.

Und wenn der Chef anders tickt?

Ein Mann ändert seinen Chef nicht - genauso wie Frauen das nicht können. Wenn ein Vorgesetzter skeptisch ist, muss sich der Mitarbeiter überlegen: Bin ich hier richtig? Und daraus seine Konsequenzen ziehen.

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Das meinten Sie also mit mutig sein.

Ja. Dazu gehört aber unbedingt, dass sich der Mann vorher über sein Rollenverständnis klar wird. Sowohl hinsichtlich seiner Entscheidungsfindung als auch in puncto Selbstwertgefühl. Er sollte die Frage stellen: Was für ein Vater möchte ich sein? Möchte er seinem Kind später sagen "Ich wäre ja gerne länger bei dir geblieben, aber der Chef wollte das nicht" oder will er sagen "Ja, ich musste meinen Job dafür wechseln, um mit dir mehr Zeit zu verbringen. Aber ich habe das gerne getan"? Die Männer, denen ich als Coach begegne, können damit etwas anfangen, weil ich den Vater in ihnen anspreche.

Was antworten die Väter Ihnen dann?

Die meisten sagen mir, dass sie sich diese Frage noch nie gestellt haben. Wenn sie sie für sich beantworten können, ist der nächste Schritt ein Prioritätenwechsel. Es stellt sich nicht mehr die Frage "Welche Vaterschaft ermöglicht mir mein Job?", bei der sich der Einzelne unterordnet und sich in einer Art Opferhaltung befindet. Wir müssen wegkommen von diesem "müssen" und mehr hin zum "wollen". Vielmehr stellt sich die Frage: "Welcher Job passt zu meiner Vorstellung des Vaterseins?" Und in der Konsequenz: "Was lebe ich meinen Kindern vor?"