bedeckt München 18°
vgwortpixel

Zweitstudium:Die eigene Route finden

Der Master dient oft der Vertiefung des Erlernten. Doch kann er Studenten auch in neue Gebiete führen. Manche Branchen legen sogar Wert auf Quereinsteiger. Das gilt zum Beispiel für die Informatik.

Jens Buchholz hatte eigentlich ein einfaches Anliegen: Der 29-Jährige, der sich bei einem mittelständischen Unternehmen in Baden-Württemberg künftig um die Softwareverwaltung kümmern soll, wollte sich deswegen in einem Masterstudium mehr Wissen in Wirtschaftsinformatik aneignen. Doch die Suche dauerte. "Für mich als Quereinsteiger war es schwer, einen Master-Studiengang zu finden", sagt er. Sein Problem: Viele der Masterangebote in Wirtschaftsinformatik sind vertiefend, das heißt, sie richten sich an Bachelor-Absolventen, die den Abschluss im gleichen Fach in der Tasche haben. Fündig wurde Buchholz, der ein duales Studium in der Fachrichtung Industrie vorweisen kann, an der Hochschule Konstanz - Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG). Die Fachhochschule bietet den Studiengang "Business Information Technology (BIT)" an. Der Master richtet sich an Studenten der Informatik, der Betriebswirtschaftslehre oder verwandter Studiengänge und ausdrücklich nicht an Absolventen eines Wirtschaftsinformatik-Studiums. "Nicht-Wirtschaftsinformatiker erhalten so die Chance, in den Bereich Wirtschaftsinformatik zu wechseln", erklärt BIT-Studiengangleiter Reiner Martin.

Der BIT ist einer der mehr als 8200 Masterstudiengänge in Deutschland, die der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) listet. Fast 90 Prozent von ihnen wie der BIT sind konsekutiv und können unmittelbar nach dem Bachelorstudium begonnen werden; für die restlichen zehn Prozent bedarf es einschlägiger Berufserfahrung - in diese Kategorie gehört der Master of Business Administration (MBA). "Zu den konsekutiven Studiengängen zählt die Kultusministerkonferenz jene Masterstudiengänge, die vertiefend oder fachübergreifend sind oder fachlich einen anderen Charakter haben", sagt HRK-Projektkoordinator Peter Zervakis. Beim Gros der Master vertiefen die Studierenden ihr Wissen aus dem Bachelor-Studiengang. In deutlich weniger Fällen kann man einen fachlich anderen Master wählen. Die Hochschulen regeln den Zugang zum Master über Zulassungsvoraussetzungen. "Ob man den Studienplatz bekommt, kann neben der Bachelor-Note auch von Interviews, Auswahltests oder Empfehlungsschreiben abhängen", sagt Zervakis. Auch nachgewiesene Praktika, Arbeitsproben, die Mitarbeit an Forschungsprojekten, Sprachkenntnisse oder außeruniversitäres Engagement könnten eine Rolle spielen. Bundesweit, schätzt er, seien ungefähr 35 Prozent der Master-Programme zulassungsbeschränkt, etwa die Hälfte davon an Universitäten vor allem in Großstädten.

Gerade in der Informatikbranche schätzt man Quereinsteiger mit breit gefächertem Wissen

Die Suche nach dem passenden Master überfordert so manchen. Die Studienberatung der Universität Hamburg bietet deshalb im kommenden Wintersemester den Kurs "Bachelor sucht Master" an. Er ist für jene, die noch nicht recht wissen, welcher Master der richtige ist, oder für andere, die sich neu orientieren wollen, nachdem das Bachelor-Studium die Erwartungen nicht erfüllte. "Die Zulassungsvoraussetzungen für einen Master können in jedem Fach an jeder Universität anders sein", sagt Studienberaterin Christina Urbanek. Ein Beispiel: An der Universität Hamburg muss man für den Master Journalistik und Kommunikationswissenschaft Kenntnisse im Bereich der empirischen Sozialforschung vorweisen, weil Masterstudenten auch zum Thema Journalismus forschen. "Hier kommen darum nur jene in den Studiengang, die zuvor einen Bachelor im gleichen Fach, in einem ähnlichen Fach mit kommunikationswissenschaftlichen Inhalten oder in einem sozialwissenschaftlichen Studiengang gemacht haben", sagt Urbanek. Andere Universitäten regeln den Zugang anders. An der Uni Leipzig sei der Master dagegen eher praxisorientiert und richte sich an Menschen, die davor etwas anderes studiert hätten. "Wer nach dem Bachelorstudium wechseln will, kommt nicht drum herum, die genaueren Zulassungsvoraussetzungen zu recherchieren", betont Urbanek. Die Internetseiten Hochschulkompass.de oder Studienwahl.de seien dafür ein guter Einstieg.

In manchen Branchen sind Quereinsteiger, die Wissen aus mehreren Disziplinen mitbringen, gerne gesehen, zum Beispiel in der Informatikbranche. "Im Zuge der digitalen Transformation steigt das Interesse an sogenannten Bindestrich-Informatikern, die neben Informatik-Kenntnissen auch über spezifische Kenntnisse in einem weiteren Studienfach verfügen", sagt Andreas Streim, Pressesprecher beim IT-Branchenverband Bitkom. Dies gelte etwa für IT-Projektmanager und IT-Consultants, wenn sie über betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen.

© SZ vom 09.06.2016

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite