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Zukunft der Arbeit:"Auch künftig wird es keine Fabriken ohne Menschen geben"

SZ: Frau Burk, in Zukunft sollen Maschinen untereinander und mit dem Internet vernetzt sein und intelligente Roboter einen Großteil der menschlichen Arbeit übernehmen. Ist diese Entwicklung unausweichlich? Oder ist Industrie 4.0 nur ein Hype?

Inga Burk: Die Abläufe werden immer effizienter, die Verknüpfung von Informationen und Prozessen schreitet voran. Bisher wurden eher einfache Arbeitsprozesse ins Ausland verlagert, das geht jetzt auch mit komplexen Prozessen. Erstmals in der Geschichte können nicht nur manuelle, sondern auch kognitive Tätigkeiten auf Maschinen übertragen werden. Ich habe keinen Zweifel, dass eine große Umwälzung bevorsteht.

Welche Berufe könnten überflüssig werden?

Das betrifft ganz unterschiedliche Tätigkeiten - Hilfsarbeiter ebenso wie Verkaufspersonal, Taxifahrer, Sekretariatskräfte oder Sachbearbeiter. In Japan werden Pflegeroboter bereits eingesetzt. Drohnen können Pakete ausliefern, Computerprogramme Textbausteine neu kombinieren. Mittlerweile können Roboter sogar kochen.

Müssen wir mit Massenarbeitslosigkeit rechnen?

Wirtschaftswissenschaftler in den USA haben die Folgen der Automatisierung für den dortigen Arbeitsmarkt berechnet, und wir haben ihre Methode auf die deutschen Verhältnisse übertragen. Danach sind hier mittel- bis langfristig 18 Millionen Arbeitsplätze bedroht. Ob das wirklich so kommt, ist jedoch noch unklar. Vielleicht haben wir ja auch in Zukunft lieber mit Menschen Kontakt als mit Robotern. Außerdem werden natürlich auch neue Jobs geschaffen werden.

Wo werden neue Jobs entstehen?

Natürlich in der Informationstechnologie und der Robotik. Und auch künftig wird es keine Fabriken ohne Menschen geben. Obwohl die künstliche Intelligenz schon sehr weit ist, fehlt Maschinen sozusagen der gesunde Menschenverstand. Man wird Mitarbeiter brauchen, die in der Lage sind, unerwartet auftretende Probleme in der Smart Factory zu lösen.

Finden künftig nur noch Hochqualifizierte Arbeit?

Prinzipiell sind Hochqualifizierte von den Veränderungen am wenigsten bedroht. Sie sind am schwersten durch Maschinen und Algorithmen zu ersetzen, weil ein großer Teil ihrer Tätigkeit kreativ ist. Aber auch hier gibt es Berufe, die trotz ihres Spezialwissens leichter ersetzbar sind, zum Beispiel Buchhalter oder Anlageberater.

Wie wird sich die alltägliche Arbeit der Menschen verändern?

Generell müssen alle sehr viel flexibler werden, weil kaum noch Routineaufgaben anfallen werden. Lebenslange Weiterbildung wird deshalb noch viel wichtiger werden. Aber es ist leider nicht zu erwarten, dass alle, deren Jobs verloren gehen, durch Qualifizierung wieder Arbeit finden werden.

Wie lange wird der Wandel dauern?

Das ist ein schleichender Übergang, der schon begonnen hat. Roboter oder lernende Maschinen sind jedoch zu vielen Aufgaben technologisch noch nicht wirklich in der Lage und auch noch zu teuer, um flächendeckend eingesetzt zu werden.