Zukunft der Arbeit:1600 Quadratmeter mit "Pinguin-Kolonie"

Auf den etwa 1600 Quadratmetern der Firma gibt es ein Mini-Kino und mehrere Aufnahmestudios. Herzstück aber ist die "Pinguin-Kolonie". So nennt Pflüger das Großraumbüro, in dem die Angestellten Schreibtisch an Schreibtisch arbeiten. Auch die Chefs sitzen mittendrin, "weil man so auf Zuruf schnell mal was klären kann". Es herrscht geordnetes Chaos, auf den Schreibtischen stapeln sich DVDs, Papiere, Hefte, Ordner, Süßigkeiten. Hier und da steht eine Kaffeetasse mit eingetrocknetem Kaffee, fast auf jedem Tisch ein voller Aschenbecher. Hinter den Bildschirmen herrscht konzentrierte Ruhe. Momentan arbeitet die Kreativ-Truppe an einem Großprojekt für einen Autohersteller. Es geht um die Kommunikationsstrategie für ein neues Auto. Mehr will Pflüger dazu nicht sagen. Die Sache ist zu frisch.

Pflüger ist von der Art, wie sie bei CPP zusammenarbeiten, überzeugt. "Unsere Leute haben viel Freiräume, deshalb sind sie so kreativ", erklärt er. Die meisten Firmen seien hingegen in einer "spätmittelalterlichen Phase" hängengeblieben. "Viele Beschäftigte geben die Freiheiten des 21. Jahrhunderts an der Tür ihres Arbeitgebers ab. Sie lassen sich behandeln wie Kinder. Das ist Irrsinn", sagt er. Der hierarchische Führungsstil führe nur dazu, dass die Menschen Dienst nach Vorschrift machten. Sein Fazit: "Das bringt die Unternehmen aber nicht weiter."

Die Gewerkschaften funktionierten nach dem gleichen Machtprinzip und seien dem "neoliberalen Denken verfallen, statt sich um die Belange der kleinen Leute zu kümmern", kritisiert Pflüger. Deshalb verlören sie an Bedeutung. "Dabei ist die Lage für die Gewerkschaften so gut wie lange nicht mehr", sagt er. "Die Menschen haben Angst um ihre berufliche Zukunft, und viele zweifeln, ob es ihren Kindern einmal besser gehen wird als ihnen selbst. Da liegt doch eine große Chance für die Gewerkschaften, neue Mitglieder zu gewinnen."

Pflüger und seinem Team ist es wichtig, dass die Arbeit erfüllend und sinnstiftend ist. Geld dagegen sei nicht so wichtig. Allerdings betont Pflüger, dass Arbeit natürlich "die Existenz absichern" müsse. Wie hoch der Einheitslohn bei CPP momentan ist, will er nicht sagen.

Manche könnten woanders sicher mehr Geld verdienen. Doch sie bleiben. Weil sie in der alten Fabrik in Offenbach flexibel, frei und selbstverantwortlich arbeiten können.

© SZ vom 06.09.2011/tina
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