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Zukunft der Arbeit:Harter Wettbewerb

Schneider: In Zukunft wird es wichtiger denn je sein, diese Menschen zu fördern und weiterzubilden. Geringqualifizierte haben seit 30 Jahren praktisch keine Reallohnzuwächse verbuchen können, Hochqualifizierte haben ihre Einkommen mindestens verdoppelt. Da geht eine Schere auseinander. Das werden sich die Verlierer nicht gefallen lassen.

Berufspendler auf dem Weg zur Arbeit

Angestellte können nicht mehr erwarten, dass ihnen klar und deutlich gesagt wird, was sie zu tun haben. Das birgt auch Risiken.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

SZ: Wie sollen wir dem begegnen?

Schneider: Es muss Arbeit geben, die es Geringqualifizierten gestattet, ihre Situation aus eigener Kraft zu gestalten. Unser soziales Sicherungssystem macht diese Jobs jedoch nicht gerade attraktiv.

SZ: Wie meinen Sie das?

Schneider: Wer mit ehrlicher Arbeit nur 200 Euro mehr verdient, als wenn er nicht arbeitet, ist frustriert. Die Leute sagen sich: "Bei 160 Stunden im Monat ist das ein Stundenlohn von gut einem Euro. Warum sollte ich das tun?"

SZ: Wie muss die Politik reagieren?

Schneider: Soziale Sicherung muss an ein Prinzip von Gegenseitigkeit gekoppelt werden. Wer von der Gemeinschaft unterstützt werden will, muss etwas tun. Wir brauchen diese Menschen, und dieses Gefühl müssen wir ihnen auch geben.

SZ: Zu welchen Branchen raten Sie jungen Menschen, die sich für die Arbeitswelt der Zukunft fit machen wollen?

Schneider: Die Vorstellung, dass es eine Zukunfts-Branche gibt, auf die man sich konzentrieren sollte, ist naiv. Selbst wenn ich sagen würde, gehen Sie in die Nanotechnologie, hat das keinen Sinn, wenn Ihnen Mathematik und Technik nicht liegen. Wichtig ist, dass man sich seiner Fähigkeiten bewusst wird. Allerdings auch, dass man lernt, sich über Risiken klar zu werden. Es gibt niemanden, der sich um einen kümmert, wenn man sich falsch entscheidet.

SZ: In den vergangenen zehn Jahren sind vor allem befristete Jobs, Teilzeitstellen und schlecht bezahlte Arbeitsplätze entstanden - sind das die Arbeitsbedingungen der Zukunft?

Schneider: Nein. Das ist Ausdruck der Risiko-Verlagerung auf Arbeitnehmer, betrifft in dieser Form aber nur einen begrenzten Teil der Menschen.

SZ: Können denn in einer Welt der Individualisierung noch Arbeitnehmerrechte wahrgenommen werden?

Schneider: Ich weiß es nicht. Zurzeit sehen wir, dass die Politik gewerkschaftliche Verhandlungsmacht übernimmt.

SZ: Sie meinen den gesetzlichen Mindestlohn, oder?

Schneider: Genau. Vor ein paar Jahren wäre das undenkbar gewesen. Die Gewerkschaften degenerieren gerade zu Lobbyorganisationen.

SZ: Was kommt stattdessen?

Schneider: Wer qualifiziert ist, führt seine Lohnverhandlung selbst und braucht keine Gewerkschaft. Andere sind mehr denn je darauf angewiesen, dass jemand ihre Interessen vertritt. Am Ende könnten gesetzliche Mindeststandards die einzige Antwort sein.

SZ: Jeder ist sich selbst der Nächste?

Schneider: Ja, der Wettbewerb wird härter.

SZ: Wer sind die Gewinner?

Schneider: All jene, die sich wie ein Unternehmen managen, sich vermarkten und in sich investieren. Diejenigen, die vernetzt sind, hohe Qualifikationen und soziale Kompetenzen haben. Wer das alles nicht hat, wird große Schwierigkeiten bekommen. Doch das wird sich weder mit staatlicher Regulierung noch mit einer besseren Bildungspolitik vermeiden lassen.