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Im Job: Zeichen verstehen:Sind Gefühle erlaubt?

sueddeutsche.de: Wie macht man beim Bewerbungsgespräch den besten Eindruck?

sueddeutsche.de:Wie macht man beim Bewerbungsgespräch den besten Eindruck?

Gregor Adamczyk: Oberstes Gebot bei dieser Art Kennenlernen: Der Bewerber ist "nur" Gast, der Personalentscheider ist der Gastgeber. Er bestimmt also die Situation. Er streckt als erster die Hand aus, er bietet den Platz an. Ein strahlender Auftritt des Bewerbers - weit aufgerissene Augen, große, ausladende Gesten - passen da nicht.

Aber auch eine eingefallene Haltung wäre unangebracht. Er sollte wach und aufmerksam am Gespräch teilnehmen, nicht auf der Stuhlkante sitzen - das vermittelte Unruhe und Schüchternheit. Er kann die Beine übereinander schlagen, die Hände locker übereinander auf die Oberschenkel oder Armlehne legen. Die Finger sollten weder Lehne noch Kniee verkrampft umklammern. Auch die Füße sollten nicht die Stuhlbeine umschlingen.

Natürlich sollte der Bewerber jede Verlegenheitsgeste vermeiden, also nicht an den Fingernägeln reiben oder unsichtbare Fusel von der Kleidung zupfen. Genauso schlecht ist es, wenn der Bewerber skeptische oder arrogante Signale sendet. Er sollte deshalb nicht unbedingt bequem in den Stuhl lehnen, den Kopf in den Nacken legen und gleichzeitig die Hände hinter dem Kopf verschränken.

Auch der Blickkontakt ist ganz wichtig: Man sollte den Gesprächsparter nicht anstarren oder fixieren, vielmehr sollte man mit einem wachen, lebendigem Blick signalisieren: Ich höre aufmerksam zu.

sueddeutsche.de: Worauf sollten Kollegen achten?

Gregor Adamczyk: Auch wenn es noch so langweilig ist in der Besprechung, sollte man die Körpersignale vermeiden, die als Desinteresse interpretiert werden könnten, zum Beispiel wenn Sie mit dem Oberkörper seitlich zum Tisch sitzen. Das ist ein eindeutiges Zeichen, dass sich derjenige aus dem Gespräch zurückzieht. Das gilt natürlich nicht, wenn sich alle Teilnehmer in dieser Phase entspannen und zurücklehnen.

Typisch ist auch die Revierverletzung. Egal ob Chef oder Kollege, es ist sehr aufdringlich, wenn man jemanden auf die Pelle rückt. Ein Beispiel: Der Kollege betritt das Zimmer, schiebt Unterlagen zur Seite und setzt sich auf den Schreibtisch. Oder der Chef, der sich von hinten über seine Teamassistentin lehnt und Anweisungen gibt. Hier werden die Intimzonen nicht respektiert.

sueddeutsche.de: Welche Körpersprache passt zu Frauen im Berufsalltag?

Gregor Adamczyk: Frauen in Führungspostionen nehmen manchmal den Tiefstatus ein: Eingefallene Schulter, schüchterner Blick, leise Stimme. In dieser Haltung ist es schwierig, seine Argumente durchzusetzen. Die andere Gefahr ist, wenn Frauen die dominant-kraftvollen Gesten ihrer männlichen Kollegen nachahmen. Das wirkt aufgesetzt. Die weibliche Körpersprache zeichnet sich durch Emotionen aus und das ist gleichzeitig auch ihre Stärke.

sueddeutsche.de: Aber macht man sich nicht angreifbar, wenn man Gefühle zeigt?

Gregor Adamczyk: Natürlich liegt darin eine Gefahr. Aber wenn man sich das bewusst ist, kann man Gefühle doch ganz gezielt und charmant einsetzen. Da können Männer noch einiges lernen.

sueddeutsche.de: Was sollte man tun, wenn der Gesprächspartner eindeutige Signale schickt: Er zieht die Augenbrauen zusammen, holt tief Luft, verschränkt die Arme über der Brust?

Gregor Adamczyk: Dass man solche Körpersignale überhaupt wahrnimmt und interpretieren kann, ist schon sehr gut. Viele übersehen diese Signale. Wenn Sie also erkannt haben, dass Ihr Gesprächspartner gereizt oder skeptisch ist, gibt es folgende Möglichkeiten. Entweder man versucht ihn mit Argumenten zu überzeugen und unterstützt es mit einer wachen, aufrechten Körperhaltung. Oder man spricht ihn direkt an, was ihn jetzt stört.

sueddeutsche.de: Eine letzte Frage: Wohin bloß mit den Händen?

Gregor Adamczyk: Hände verraten oft die innere Gemütsverfassung: Wühlen die Finger in den Haaren herum, kratzen sie den Nacken oder halten sie krampfhaft die Tasche fest, signalisieren sie Verlegenheit und Nervosität. Viel besser ist es, wenn sie entspannt übereinander auf den Beinen liegen. So strahlen sie Ruhe aus. Allerdings sollte man auch dabei nicht vergessen, dass eine lebendige Gestik das Gesagte unterstützt und bereichert.

Zum Buch: Tiziana Bruno und Gregor Adamczyk: TaschenGuide "Körpersprache", Haufe Verlag, 128 Seiten, 70 Schwarz-weiß-Fotos als Beispiele, 6,60 Euro.

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