Zahlen fürs Studium:Massenfächer profitieren von Studiengebühren

Bisher hatten die Länder kaum etwas getan, um diese Fächer personell ordentlich auszustatten. Die Studiengebühren bewirkten hier eine kleine Revolution. Da die Hochschulleitungen sie den Fakultäten nach Zahl der dort eingeschriebenen Studenten zuteilen, gewinnen die Massenfächer am meisten.

Zahlen fürs Studium: Stephan Bierling ist Professor für Internationale Politik an der Universität Regensburg und war von 2008 bis 2010 Prorektor für Studium und Lehre.

Stephan Bierling ist Professor für Internationale Politik an der Universität Regensburg und war von 2008 bis 2010 Prorektor für Studium und Lehre.

(Foto: privat)

Neue Dozenten können eingestellt, Tutoren angeheuert, Klassengrößen reduziert werden - genau da, wo es am nötigsten ist. Jeder, der selbst einmal unterrichtet hat, weiß, welch gewaltigen Unterschied es macht, ob in einem Kurs 20 oder 40 Studenten sitzen.

Individuelle Förderung und Beratung ist der wichtigste Faktor für den Studienerfolg. Die Spitzenuniversitäten der Welt bilden vor allem deshalb so gut aus, weil sie eine viel bessere Betreuungsrelation haben, als es in Deutschland der Fall ist.

Die Liste der durch die Studiengebühren erzielten Verbesserungen ist endlos: Die über Jahrzehnte ausgehungerten Hochschul-Bibliotheken können Lehrbücher kaufen, Fachzeitschriften abonnieren, elektronische Semesterapparate zusammenstellen und ihre Öffnungszeiten ausweiten; betreuungsintensive Lehrformen wie Planspiele und Exkursionen werden möglich; Lehrbeauftragte und Gastreferenten kommen wieder an die Hochschulen, weil sie Fahrt- und Hotelkosten und ein kleines Salär erhalten, Labore bestellen neue Mikroskope, die Musikpädagogik kann ihre verschlissenen Instrumente ersetzen.

Ohne die Studiengebühren wäre die Umstellung auf die Bachelor- und Masterprogramme kaum je gelungen, weil diese weit mehr Beratung erfordern als die alten Studiengänge. Auch ist die verschultere und praxisnähere Bologna-Ausbildung nur realisierbar, wenn sich eigene Studienberater um Stipendien, Praktika und Wirtschaftskontakte kümmern.

Die Studiengebühren sind ein Erfolgsmodell, erstmals sind die Hochschulen etwas unabhängiger von den kurzatmigen Finanzplanungen der Bundesländer. Angesichts deren massiver Haushaltsprobleme ist es ohnehin illusorisch zu erwarten, dass die staatlichen Mittel für die Bildung in den kommenden Jahren steigen werden.

Standortvorteil Studiengebühren

Zwar haben einige Länder, die die Studiengebühren abgeschafft haben, den Hochschulen eine Kompensation für ihre Einnahmenverluste zugesagt. Aber das ist Augenwischerei. Denn die Extra-Gelder sind "kapazitätsrelevant", das heißt, sie sind an die Mehraufnahme von Studenten gekoppelt. Bessere Lehr- und Lernbedingungen bringen sie nicht.

Letzten Endes sind die Studiengebühren ein Standortvorteil. Die motiviertesten Studenten und Dozenten werden sich Hochschulen in Bundesländern suchen, die ihnen bessere Lehr- und Lernbedingungen bieten als die Konkurrenten. Die Studiengebühren spielen dabei schon heute eine wichtige Rolle.

Da die Hochschul-Absolventen meist in der Region Arbeit finden, gewinnt das Land immens. Bayern und Niedersachsen sollten deshalb ihrer Entscheidung für die Studiengebühren treu bleiben. Die Hochschulen, Dozenten wie Studenten, die Wirtschaft und die Gesellschaft werden es ihnen danken.

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